Wie geht man mit Niederlagen um?

Ich bin mir sicher, dass jeder von uns Reitern das Gefühl einer Niederlage kennt … der eine mehr, der andere weniger. Niederlagen und Misserfolge, auch im Reitsport, schmerzen meist sehr, gehören aber zum Leben und vor allem zu unserem Sport dazu. Sie sind ein unvermeidbarer Bestandteil des Lernens und eine wichtige Voraussetzung um weiter voran zu kommen.

Wenn wir Erfolg haben möchten, ist es wichtig uns von Misserfolgen nicht entmutigen zu lassen und zu lernen wie wir am besten damit umgehen, um am Ende sogar etwas Positives aus einer Niederlage ziehen zu können.

Nicht jede Niederlage ist gleich. Manche ziehen uns mehr runter wie andere. Dabei kommt es z.B. auf die äußeren Umstände an – wie wichtig ist dieses Turnier oder die einzelne Prüfung. Ein weiterer Punkt ist; die Art und Weise – haben wir unsere eigene Leistungsfähigkeit nicht abgerufen oder einen Fehler gemacht der vermeidbar gewesen wäre, ist es meist schwerer zu verkraften als wenn wir zufrieden mit uns und unserem Pferd sind. Auch andere äußere Einflüsse, wie plötzlicher Wetterumschwung oder eine „falsche“ Richterentscheidung … sind zwar enttäuschend aber in der Regel nicht so tiefgreifend wie, wenn man selbst für den Misserfolg verantwortlich war. Ich selber ärgere mich auch immer mehr, wenn ich selbst den Fehler gemacht habe und mein Pferd gut war.

Zusätzlich macht es für mich einen Unterschied ob ich im Moment des Misserfolges klar weiß woran es gelegen hat oder nicht. Wenn man den Grund kennt, kann man daran arbeiten, wenn nicht wird es deutlich schwieriger und man fühlt sich irgendwie hilflos. Allerdings hat es sich in den meisten Fällen im Nachhinein, wenn man nochmal in Ruhe darüber nachgedacht hat oder in einem Gespräch mit dem Trainer und/oder Freunden … doch noch geklärt woran es gelegen haben könnte.

Wie jeder Einzelne mit einer Niederlage umgeht, hängt also in erster Linie davon ab, um was für eine Art von Niederlage es sich handelt und wie stark wir dadurch belastet werden. Dabei können verschiedenste Gefühle aufkommen, wie Wut, Frust, Trauer, Verzweiflung, Apathie, ein Gefühl der Leere oder auch Aggression gegen sich oder andere. Profisportler sind meist noch mehr von emotionalen Ausbrüchen betroffen, da bei ihnen zusätzlich noch andere Faktoren eine große Rolle spielen … Geld, Zeit und das Sozialleben stehen in engem Verhältnis zum sportlichen Erfolg. Wenn dieser ausbleibt, kann mitunter sogar die Existenz gefährdet sein.

Aber warum kommt es zu solchen Gefühlsausbrüchen? Klar, zum einen stellen wir selbst an uns eine gewisse Erwartung: Wir möchten einfach gut/erfolgreich sein, vor anderen gut dastehen und Freunde/Familie stolz machen oder wir wollen mit der Reiterei unser Geld verdienen. Was auch immer unsere Beweggründe sind, stellt sich der Erfolg nicht ein, schmerzt es natürlich. Aber nicht nur das eigene Gefühl „gescheitert“ zu sein, macht eine Niederlage zu einer großen Belastung. Auch die Angst vor den Reaktionen der Umwelt, wie Mitleid, Missbilligung oder Spott, tun ihr Übriges. Ein Grund dafür ist unsere Leistungsgesellschaft in der wir leben. Zum Großteil werden wir an den Erfolgen gemessen und nicht selten für Misserfolge und Rückschläge verurteilt oder bemitleidet. Dabei sind Niederlagen lehrreich und können die Basis für etwas Neues sein.

Niederlagen gehören zu unserem Sport (wie auch zu jedem anderen) einfach dazu. Ohne solche Misserfolge entwickeln wir uns nicht weiter. Also sollten wir lernen damit umzugehen und das beste daraus zu machen. Wir können es eh nicht mehr rückgängig machen aber wir können nach vorn schauen, das Beste daraus machen und daran arbeiten damit es beim nächsten Mal wieder besser läuft. Wer es also schafft unter eine Niederlage einen Schlussstrich zu machen und daraus eine Lehre ziehen kann, ist schon einen großen Schritt weiter. Das ist allerdings leichter gesagt als getan. Oft übermannen uns die schlechten Gefühle einfach so und an eine vernünftige Analyse ist (noch) nicht zu denken. Das ist aber kein Problem! Wir sollten diese Gefühle erstmal zulassen, einfach aus uns heraus lassen. Das hilft! Wenn wir sie versuchen zu unterdrücken, könnte es sein dass sie im Inneren bestehen bleiben. In dieser Phase möchte ich zum Beispiel lieber erstmal etwas für mich sein, anderen hilft es wiederum wenn Freunde oder Familie sie direkt auffangen. Wenn dann die ersten Emotionen verraucht sind, können und sollten wir aktiv werden und die richtigen Schlüsse aus der Niederlage ziehen. An dieser Stelle sind Freunde, Familie, Trainer … in jedem Fall unverzichtbar. Das weiß ich aus eigener Erfahrung 😥

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In jedem Fall sollten wir uns die Niederlage eingestehen. Das ist nicht immer leicht … manchmal wollen wir es nicht wahr haben und geben anderen die Schuld für unseren Misserfolg. So kommen wir aber in keinem Fall weiter. Also sollten wir uns sagen: Es ist ok! Jeder macht Fehler, auch die Besten.
Wir sollten auch stolz auf uns sein, dass wir den Mut dazu haben unseren Sport so ausführen. Es gibt eine Menge Leute, die sich genau das nicht trauen. Unser Sport ist alles andere als einfach. Um Erfolg zu haben, müssen viele Faktoren stimmen und vor allem müssen wir UND unser Pferd gut drauf sein. Also seid stolz darauf was ihr mit eurem Partner Pferd schon alles geschafft habt … und dazu gehören nicht nur Turniererfolge!
In diesen Momenten bekommen wir auch oft „gute Ratschläge“ oder Kritik von Außenstehenden, Freunden, Familie …  Manchmal auch von Leuten, die eigentlich gar keine richtige Ahnung haben oder meinen sie hätten welche und können alles besser. Wenn ich so etwas höre, dann denk oder sage ich manchmal: „Erstmal selber machen!“ Dann sieht die Welt nämlich oft schon ganz anders aus. Wer etwas riskiert, kann auch auf die Nase fallen, aber wer nicht wagt der nicht gewinnt. Fehler machen ist menschlich. Es geht ja auch nicht nur darum zu gewinnen, sondern auch darum zu lernen, Erfahrung zu sammeln, wieder aufzustehen und weiter zu machen! Daran wächst man. Vor den Menschen die keinen Respekt vor uns und unserem Tun haben und uns nur schlecht machen wollen, sollten wir uns einfach fern halten oder sie in Gedanken bemitleiden. In der Regel sind diese Menschen nämlich selber unzufrieden mit sich und ganz bestimmt keine Hilfe und schon gar kein Vorbild für uns. Stattdessen sollten wir uns an jene Menschen halten, die hinter uns stehen, uns aufbauen und unterstützen, egal wie es gelaufen ist.

Damit wir aus einer Niederlage lernen können, sollten wir kritisch hinterfragen, warum es zu dem Misserfolg gekommen ist. Das gehört zum Verarbeitungsprozess dazu. Herunterziehende Selbstvorwürfe gehören hier jedoch in keinster Weise herein. Sie sind niemals lehrreich für uns. Wir sollten uns stattdessen um eine objektive Analyse der Situation bemühen. Was genau ist passiert und was war mein Anteil an der Situation und was evtl. beim Pferd? Welche äußeren Einflüsse (die wir meist nicht selbst steuern können) haben evtl. eine Rolle gespielt? War das Training nicht ausreichend oder unpassend? Waren wir selber oder unser Pferd nicht in optimaler geistiger und/oder körperlicher Verfassung? Was auch immer der Grund des Scheiterns war, wir sollten es herausfinden um entsprechende Lösungsansätze zu finden und in Zukunft vermeiden zu können. Oft haben wir auch ein Bauchgefühl auf das wir hören sollten, denn mind. zu 95% ist es immer das Richtige. Das hat mir zumindest meine eigene Erfahrung gezeigt (siehe auch Blogartikel: Saisonabschluss – Nach der Turniersaison ist vor der Turniersaison).

Auf jeden Fall solltet ihr euch nicht entmutigen lassen, weder von euch selber noch von Anderen. „In uns steckt doch mehr als wir gezeigt haben und andere haben es auch schon geschafft aus einer Krise wieder aufzustehen.“ Also frei nach dem Motto: „Jetzt erst recht!“ Wer keine Fehler macht, der riskiert nichts! Ab jetzt solltet ihr nur noch nach vorne schauen und neue Ziele setzten. Besinnt euch auf eure Stärken und positiven Eigenschaften/Fähigkeiten mit denen ihr arbeiten könnt. Dann stellt euch die Frage: Welche Möglichkeiten habe ich? Seid auch offen für neue Wege. Vielleicht hatte auch jemand, den ihr kennt, gleiche oder ähnliche Schwierigkeiten. Diese Menschen können uns neuen Mut schenken und vielleicht auch Anregungen für Lösungsansätze geben. Scheut euch auch nicht evtl. weitere Unterstützung von außen zu holen. Das kann vielleicht einfach nur eine zweite Meinung oder ein (neuer) Trainer sein, jemand der einmal oder für eine Weile euer Pferd reitet und/oder weiter ausbildet oder korrigiert …

Seid dankbar für die guten und erfolgreichen Momente in eurem Leben, sie sind nicht immer selbstverständlich; sowie für die vielen verschiedenen Erfahrungen, ob gute oder schlechte … sie sind auf jeden Fall lehrreich, wenn ihr es zulasst. Ihr entscheidet selber ob ihr eine Niederlage in eine Chance verwandelt. Ihr solltet euer Ziel immer vor Augen haben und euch vorstellen wie ihr es erreichen wollt. Jedes innere Bild, jeder Gedanke, jede Vorstellung wirkt sich auf unsere Gefühle und unser Handeln aus. Deshalb sollten diese in jedem Fall positiv sein! Vermeidet negative Gefühle und Vorstellungen, denn dadurch kann sich schon im Voraus eine negative Erwartungshaltung breit machen und uns in unserem Vorhaben deutlich behindern.

Zum Schluss möchte ich euch nochmal daran erinnern, dass jede Niederlage, jeder Misserfolg auch eine neue Chance sein kann. Wir können aus jedem Fehler, den wir in unserem Leben gemacht haben, lernen und wachsen. Solche Ereignisse können uns helfen, in unserem Leben andere Prioritäten zu setzen und uns auf uns selber zu besinnen. Wenn wir eine Krise erfolgreich bewältigt haben, stärkt das unser Selbstwertgefühl. Manchmal kann es sogar sein, dass wir danach einen ganz anderen Weg einschlagen weil wir erkannt haben, dass der vorherige nicht der richtige gewesen ist. Somit können Niederlagen durchaus was positives haben, man muss es nur erkennen! 

Silvana Wessig das Horseland-Team und war bis 2013 als Bereiterin in Australien tätig. Sie bietet (neben ihrer Beschäftigung bei Horseland) mobilen Reitunterricht und Beritt an. Sie berät Sie sehr gerne bei Problemen und Fragen rund um das komplexe Thema PFERD.
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