Mein Vielseitigkeits-Trainingswochenende

Immer im Februar, eines jeden Jahres, fahren wir vom Reitverein Volmarstein aus zum Hof Schulze-Niehues in Freckenhorst. Wer die Anlage kennt, weiß dass, die Fachschule Reiten perfekte Bedingungen anbietet, um uns (Spring-)Reitern auf die Saison 2016 vorzubereiten. Da noch Winter ist nutzen wir stets die größte der 3 Reithallen mit den Massen 30x80m. Hier stehen viele Geländesprünge von ganz klein bis hoch, aber auch genügend normale Sprünge sind vertreten.

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Ich finde es immer sehr schön dahin zufahren. Es ist nicht nur eine gute Vorbereitung für die älteren Pferde…. auch die Jungen kommen mit, lernen eine neue Umgebung kennen, werden an ihre Aufgaben als Vielseitigkeitspferd herangeführt oder nach der letzten Saison wieder darauf vorbereitet und können in der großen Halle nach der langen Winterarbeit mal wieder richtig Galoppieren. Schon oft entpuppten sich ganz brave und ehr faule Pferde in der großen Halle als flotte Galopper.

Dieses Jahr fahre ich zum ersten mal nach ein paar Jahren mit meinem eigenem Pferd mit. Evita ist eine nun 11 Jährige Westfalenstute und kannte bis zum Wochenenden noch keine Geländesprünge. Die letzten 2 Jahre musste ich leider Krankheitsbedingt aussetzen. Sie ist eigentlich ein Springpferd, ich finde es aber dennoch wichtig ihr etwas anderes zu zeigen und zu bieten.

Oft gucken die Pferde zweimal hin wenn sie zum ersten Mal feste Sprünge sehen, kennen sie doch nur die bunten Stangen. Schnell haben sie aber auch sehr viel Spaß an ihrer neuen Aufgabe und springen mit Begeisterung über die neue art von Sprüngen.
Des Weiteren ist es nicht nur für die Pferde eine schöne Abwechslung. Nach dem langen Wintertraining zuhause ist es spannend mal was anderes zu sehen.

Samstags morgens ging es dann los. Meine Sachen in das Auto laden, am Stall dann alles für das Pferd (und ja, das Pferd hatte für eine Übernachtung mehr mit als ich selbst) packen. Nach fast 1,5 stunden Fahrt, kam ich dann am Hof Schulze-Niehues an. Als erstes wurde das Pferd ausgeladen und in einer Box untergebracht. Nach und nach sind alle eingetroffen.
Nach dem ersten Blick in die Halle, stellte ich fest dass dieses Jahr zum ersten Mal fast nur Geländesprünge dort standen. Von da an war ich wirklich gespannt was mein Pferd dazu sagen würde…

Bei dem gemeinsamen Mittagessen wurden auch direkt die Gruppen von Jutta Briel (Landestrainerin Vielseitigkeit) eingeteilt. Da ich direkt in der ersten Gruppe war, machte ich mich auf den Weg das Pferd fertig zu machen. In der großen Halle inspizierten wir direkt beim Schrittreiten die Sprünge. Ein wenig guckte meine Stute schon; Tische, Bürstensprünge, Schweinerücken (so nennt man Geländesprünge) wurden direkt tapfer begutachtet. Vor dem Abreiten musste ich aber noch die Sicherheitsweste anziehen. Ohne Schutzweste wird nicht über Geländesprünge gesprungen. Ich bin normalerweise kein großer Fan von Sicherheitswesten aber bei den festen Sprüngen finde ich es sehr wichtig eine zu tragen. Pferd und Reiter stürzen nun mal schneller, wenn keine Stange fallen kann.

Wie jedes Jahr zeigte die große Halle ihre Wirkung, alle Pferde waren wach, spannig und freuten sich auf das Galoppieren in der Halle. Nachdem wir alle erst mal ein paar Runden schön vorwärts galoppierten, wurden die Pferd ruhiger. Zum Einspringen nahmen wir einen normalen Sprung mit Stangen. So konnte ich mich zum Glück erst mal wieder an das Springen mit Weste gewöhnen. Nach den ersten Sprüngen gingen wir dann zu den ersten festen Hindernissen über; ein kleiner Baumstamm und im Anschluss einen kleinen Bürstensprung.

Ganz ehrlich…? …ich bin erfahren aber war trotzdem schon ein bisschen gespannt. Evita sprang die Sprünge ohne zu zögern. Nach und nach wurden nun auch die höheren Sprünge dazu genommen. Nach dem ersten Parcoursspringen war ich hellauf begeistert. Wir sind über alle Geländesprünge gesprungen und es hat sooo viel Spaß gemacht. Selbst über die hohe und schmale Ecke vor der ich ehrlich gesagt ein bisschen Respekt hatte. Die erfahrenen Geländepferde streichen mit den Beinen immer durch Hecken und Bürsten, meine Stute natürlich nicht, in Springpferdemanier wurden diese Sprünge überwunden. Ich bin ganz froh dadrüber dass sie das so macht, schließlich will ich keine Vielseitigkeit reiten.

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Zum Schluss gingen wir noch nach draußen, mit dem Wetter hatten wir ja Glück, der Regen verschonte uns und so konnten wir in aller Ruhe ins Wasser reiten. Noch etwas Neues für mein Pferd, Pfützen sind schließlich nie so groß und tief. Nach kurzem zögern drehten wir selbst da tapfer unsere Runden im Wasser. Doch garnicht so beängstigend.

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Im Wasser

Nachdem alle Pferde versorgt und alle Stunden beendet waren, wurde zusammen zu Abend gegessen. Den Abend ließen wir gemeinsam am Kamin ausklingen, herrlich…. Dort stellten wir fest dass wir dieses Jahr nun zum 13. mal in Folge den Hof Schulze-Niehues besuchten… Uns macht uns allen immer wieder auf`s Neue Spaß!

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Die Jugend am Kamin

Der nächste Tag begann mit einem leckeren Frühstück. Heute wollte Jutta mehr auf die Springreiter eingehen (ich gehörte dazu). So wurden über die kleinen Sprünge Stangen gelegt. Alles klappte super, bis ich zum vorletzten Sprung kam (die schmale Ecke vom Vortag). Ich bin wirklich schlecht hingeritten, eindeutig mein Fehler, im Absprung entschied Evita dann, dass es so nicht passen würde.

Ehe ich mich versah trennten sich unsere Wege.

Es rumste ordentlich und ich landete mit dem Oberschenkel oben auf der Ecke. Das Pferd hielt ich aber tapfer am Zügel fest und kam sogar wieder auf den Füßen zum stehen. Als erstes kontrollierte ich alles beim Stütchen, ob ihr auch wirklich nichts passiert war.

Alles sah gut aus.

So stieg ich wieder auf trabte und galoppiert eine Runde und sprang noch ein paar feste und normale Sprünge. Diese klappten wieder einwandfrei. Bis jetzt weiß ich nicht wer von uns beiden sich mehr erschrocken hat. Zum wohlverdienten Abschluss gingen wir noch mal in das Wasser draußen. Leider war uns das Wetter am Sonntag nicht mehr so wohl gesonnen und wir bekamen noch einen ordentlichen Regenguss ab. Gut dass wir sonst die große Halle nutzen konnten.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen machten wir uns alle zufrieden auf den Heimweg.

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Mein Fazit nach diesem Wochenende: Ich konnte wunderbar an meine Fehlern arbeiten und hatte eine schöne Abwechslung zum normalen Springtraining. Jutta nimmt sich immer beim Training sehr viel Zeit und geht auf jeden einzelnen und seine genauen Probleme ein. So haben wir alle immer die Möglichkeit an unseren Fehlern zu arbeiten, solange bis es klappt.

Zwei intensive Tage hintereinander lohnen sich, auch bei dem eigenen Trainer. Oft höre ich dass viele meinen dass es ihnen nichts bringt, einen Lehrgang bei seinem alltäglichen Trainer zu nehmen. Ich bin da einer anderen Meinung, meist sind wir zu Turnieren auf einem anderen Platz/ Halle, da haben wir nur einmal die Möglichkeit den Parcours zu reiten.

Es besteht keine Möglichkeit den Parcours zu wiederhohlen und der Reitlehrer kann auch nicht direkt einwirken wenn man Probleme hat. Bei einem Lehrgang bestehen diese Möglichkeiten. Es bringt natürlich etwas bei einem anderen Trainer zu reiten. Oft können sie bei Problemen weiterhelfen an den man vorher trotz Trainer gescheitert ist. Einfach weil sie ihr Augenmerk auf etwas anderes legen.

Ein schönes Mitbringsel: meinen Oberschenkel ziert nun ein blauer Fleck und eine Beule, das Pferd hat aber GOTTSEIDANK alles super überstanden. Aber so ist es nun mal, wer so unpassend gegen einen Sprung reitet, muss die Konsequenzen selber tragen. Das kann einem auch bei einem Lehrgang wieder ins Gedächtnis gerufen werden.

Vielseitigkeitsreiten macht wirklich Spaß, allerdings werde ich mich wohl nie an das deutlich höhere Grundtempo gewöhnen. Einmal oder zweimal im Jahr über andere Sprünge reicht mir. Mein Pferd und ich werden definitiv weiter im Springparcours unterwegs sein und freuen uns auf das nächste mal. 

Habt ihr auch Erfahrung mit festen Sprüngen? Was haltet ihr von solchen Trainingswochenenden? Oder seid ihr schon mal so ungeschickt einen Sprung angeritten dass sich eure Wege trennten? Schreibt uns doch, wir freuen uns über jeden Bericht!

Die fröhliche Turniereiterin Tanita Schwerdt ist seit August 2015 dabei. Im Stall aufgewachsen, weiß sie genau was benötigt wird. Egal ob für Pferd oder Reiter. Sie bringt jeden Tag gute Laune mit und ist für alle Aufgaben schnell zu begeistern.
Posts published: 23

3 comments

  1. Liliane sagt:

    ICH KANN NOCH NICHT SO GUT ÜBER HÜRDEN SPRINGEN!

  2. Lena sagt:

    ECHT TOLL!

    1. Marika Moga sagt:

      Danke !!

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