Ich glaube, fast jeder Pferdebesitzer kennt diesen Moment: Man schaut sein Pferd an und denkt plötzlich; irgendwie ist es ganz schön rund geworden. Vielleicht war es anfangs nur ein kleiner Bauch. Dann wurde der Hals etwas kräftiger, die Rippen waren schlechter zu fühlen und irgendwann merkt man, dass aus einem eigentlich gut genährten Pferd ein deutlich übergewichtiges Pferd geworden ist.
Und genau hier sollten wir genauer hinschauen. Denn ein bisschen „zu rund“ ist bei unseren Pferden leider nicht immer nur ein optisches Problem. Gerade bei leichtfuttrigen Pferden kann Übergewicht schnell zu einem gesundheitlichen Thema werden.
Übergewicht beim Pferd ist nicht selten, jedoch warum werden Pferde überhaupt so dick?
Die Gründe sind eigentlich gar nicht so schwer zu verstehen. Unsere Pferde bekommen heute häufig sehr energiereiches Futter angeboten und haben gleichzeitig deutlich weniger natürlichen Bewegungsbedarf als ihre Vorfahren. Besonders die Weidesaison kann für viele Pferde zur echten Herausforderung werden.
Grünes, saftiges Gras ist für uns ein wunderschöner Anblick, für ein leichtfuttriges Pferd kann eine üppige Weide allerdings schnell bedeuten, dass es deutlich mehr Energie aufnimmt, als es tatsächlich benötigt.
Dazu kommen Heu, Kraftfutter, Leckerlis und vielleicht hier und da noch ein kleines Extra. Und genau diese Kleinigkeiten summieren sich.
Was ich dabei besonders tückisch finde: Die Gewichtszunahme passiert oft schleichend.
Man sieht sein eigenes Pferd jeden Tag und gewöhnt sich dadurch an die Veränderung. Was uns vor zwei Monaten noch aufgefallen wäre, erscheint plötzlich ganz normal. Deshalb finde ich es wichtig, regelmäßig ganz bewusst hinzuschauen oder Stallkollegen bzw. den Tierarzt mal zu fragen.
Ein Pferd darf rund sein aber wann ist es zu viel?
Nicht jedes kräftige Pferd ist automatisch adipös. Es gibt natürlich unterschiedliche Körperbauten, Rassen und Typen.
Trotzdem sollte man sich nicht nur auf die Optik verlassen. Ich schaue zum Beispiel darauf, ob die Rippen noch gut fühlbar sind, wie sich der Hals verändert hat und ob sich deutliche Fettpolster bilden. Auch Schweifansatz, Schulterbereich und Rücken können Hinweise darauf geben, dass das Pferd zu viel Gewicht angesetzt hat.
Gerade bei einem Pferd, das innerhalb relativ kurzer Zeit deutlich zunimmt, würde ich genauer hinschauen. Denn Übergewicht ist keine reine Schönheitsfrage.
Warum Vorsicht bei adipösen Pferden geboten ist
Ein dauerhaft zu hohes Körpergewicht kann den gesamten Organismus belasten. Besonders bei leichtfuttrigen Pferden und Ponys sollte man deshalb aufmerksam sein.
Starkes Übergewicht kann unter anderem mit Stoffwechselproblemen und einem erhöhten Risiko für Hufrehe (lese hier unseren Blogartikel „Achtung Hufrehe – wie füttere ich im Sommer ein Rehe-Pferd“ verbunden sein. Auch Erkrankungen wie das Equine Metabolische Syndrom, kurz EMS, spielen bei übergewichtigen Pferden eine wichtige Rolle.
Hufrehe kennt ja fast jeder, jedoch was ist EMS?
EMS (Equines Metabolisches Syndrom) ist eine Stoffwechselstörung beim Pferd, vergleichbar mit Typ-2-Diabetes beim Menschen. Es ist eine typische Wohlstandskrankheit, die entsteht, wenn ein Pferd zu viel Futter mit zu vielen Kalorien bekommt und sich zu wenig bewegt. Der Körper des Pferdes wird unempfindlich gegenüber dem Hormon Insulin, wodurch der Zuckerhaushalt entgleist.
- Starkes Übergewicht und hartnäckige Speckrollen.
- Ein dicker, fester Mähnenkamm (sogenannter Speckhals).
- Fettpolster über den Augen oder am Schweifansatz.
- Wiederkehrende, schmerzhafte Hufrehe (eine Entzündung der Huflederhaut), die durch die hohen Insulinwerte ausgelöst werden kann.
- Veranlagung: Ponys und Robustrassen (wie Haflinger, Isländer oder Shetlandponys) sind besonders gefährdet, weil ihre Vorfahren an karge Nahrung angepasst waren.
- Das Hauptrisiko: Die gestörte Insulinregulierung führt oft direkt zu Hufrehe, was für das Pferd lebensgefährlich werden kann.
Wenn ein Pferd deutlich zu dick ist oder sich sein Körperzustand plötzlich verändert, würde ich deshalb nicht einfach nur die Futterration reduzieren und hoffen, dass sich alles wieder einpendelt.
Im Zweifel sollte immer der Tierarzt mit einbezogen werden. Vor allem dann, wenn bereits Auffälligkeiten bestehen oder das Pferd trotz angepasster Fütterung nicht abnimmt.
Die Weide – wunderschön, aber manchmal einfach zu viel
Ich liebe es, Pferde auf der Weide zu sehen. Sie können sich bewegen, frisches Gras fressen, ihre sozialen Kontakte pflegen und einfach Pferd sein. Deshalb möchte natürlich niemand einem Pferd unnötig den Weidegang wegnehmen.
Aber gerade bei sehr leichtfuttrigen Pferden müssen wir manchmal einen Mittelweg finden. Nicht jedes Pferd kann viele Stunden uneingeschränkt auf einer üppigen Weide stehen. Hier kann es sinnvoll sein, die Weidezeit zu begrenzen, das Weidemanagement anzupassen oder die Grasaufnahme anderweitig zu reduzieren.
Eine Möglichkeit kann dabei eine Fressbremse sein. Eine gut passende Fressbremse kann helfen, die Aufnahme von Gras zu reduzieren und dem Pferd gleichzeitig weiterhin Weidegang, Bewegung und Kontakt zur Herde zu ermöglichen. Wir empfehlen unseren Kunden die fellunterlegte Fressbremse.

Natürlich ist eine Fressbremse aber kein Freifahrtschein. Sie muss richtig passen, regelmäßig kontrolliert werden und das Pferd sollte sich damit wohlfühlen.
Bewegung ist wichtig – aber nicht die alleinige Lösung
Natürlich spielt Bewegung eine große Rolle. Aber ein sehr dickes Pferd einfach deutlich mehr zu reiten, ist für mich nicht der richtige Ansatz. Das zusätzliche Gewicht belastet schließlich auch Gelenke, Sehnen, Bänder und den gesamten Bewegungsapparat. Deshalb sollte eine Gewichtsreduktion immer mit Augenmaß erfolgen.
Es geht nicht darum, das Pferd möglichst schnell dünn zu bekommen. Viel wichtiger ist eine langsame und kontrollierte Veränderung von Fütterung, Haltung und Bewegung.
Und natürlich muss jedes Pferd individuell betrachtet werden.
Ein älteres Pferd hat andere Bedürfnisse als ein junges Pferd. Ein Freizeitpferd andere als ein Sportpferd. Und ein Pony kann mit derselben Futtermenge völlig anders umgehen als ein Großpferd.
Was viele dabei vergessen: Der Sattel kann plötzlich nicht mehr passen
Einen Punkt finde ich gerade bei deutlicher Gewichtszunahme besonders wichtig: Auch der Sattel sollte kontrolliert werden. Denn wenn ein Pferd stark zunimmt, verändert sich sein Körper.
Der Rücken kann breiter werden, die Muskulatur verändert sich und Fettpolster können entstehen. Ein Sattel, der vor einigen Monaten noch gut gepasst hat, kann dadurch plötzlich nicht mehr optimal sitzen.
Und genau deshalb sollte man bei einer deutlichen körperlichen Veränderung nicht einfach davon ausgehen, dass der bisherige Sattel weiterhin passt. Ich würde den Sattel begutachten beziehungsweise von einem Fachmann überprüfen lassen und gegebenenfalls entsprechend anpassen lassen. Denn was nützt es, wenn wir uns Gedanken über Fütterung und Bewegung machen, gleichzeitig aber mit einem nicht mehr passenden Sattel reiten?
Mein persönlicher Blick auf Übergewicht beim Pferd
Ich finde, wir sollten bei unseren Pferden viel früher hinschauen. Nicht erst dann, wenn das Pferd offensichtlich viel zu dick ist.
Gerade weil wir unsere Pferde jeden Tag sehen, fällt uns eine langsame Veränderung manchmal gar nicht mehr auf. Deshalb lohnt es sich, regelmäßig bewusst den Körperzustand zu überprüfen und sich ehrlich zu fragen:
Ist mein Pferd wirklich gut genährt – oder ist es inzwischen einfach zu dick? Und manchmal ist die Antwort eben nicht ganz angenehm.
Unsere Pferde können sich körperlich innerhalb weniger Monate enorm verändern. Aus einem Pferd, das im Frühjahr noch relativ schlank war, kann nach einer üppigen Weidesaison ein sehr rundes oder sogar deutlich adipöses Pferd werden. Dann verändert sich nicht nur das Aussehen.
Auch die Fütterung muss möglicherweise angepasst werden, die Bewegung sollte überdacht werden und sogar der Sattel kann plötzlich nicht mehr richtig passen.
Für mich gehört deshalb zu einer verantwortungsvollen Pferdehaltung auch, solche Veränderungen ernst zu nehmen und rechtzeitig gegenzusteuern.
Wer bei seinem Pferd die Grasaufnahme reduzieren möchte, findet in meinem Horseland-MK Onlineshop auch verschiedene Produkte rund um die Haltung und das Wohlbefinden unserer Pferde.
Eine Fressbremse kann dabei eine sinnvolle Unterstützung sein – aber immer passend zum einzelnen Pferd und mit regelmäßiger Kontrolle. Denn am Ende geht es nicht darum, dass unser Pferd möglichst schlank aussieht.
Es geht darum, dass es gesund bleibt, sich gerne bewegt und wir möglichst viele schöne gemeinsame Jahre miteinander haben.











