Was ist die “No Blood Rule” im Reitsport ?

Um kein anderes Thema wird im Reitsport aktuell mehr diskutiert als um die No‑Blood‑Rule. Doch worum geht es überhaupt bei diesem heißen Satz? Die No-Blood-Rule war eine Tierschutzregel im internationalen Turnier-Reitsport – vor allem bei der Fédération Équestre Internationale (FEI) –, die im Kern folgendes festlegte: Wenn beim Pferd im Wettkampf sichtbares Blut festgestellt wird (z. B. an Maul, Flanke, etc.), führt das sofort zur Disqualifikation (Ausschluss) der Prüfung bzw. des Starts. Die Idee dahinter: Blut gilt als klares Signal für eine Verletzung oder zumindest mögliche Überbeanspruchung des Pferdes – und damit als Verletzung von Tierschutz-Grundsätzen. 

In diesem Blogartikel möchten aufklären und die Gedanken hinter der Lockerung erläutern. Jedoch wichtig vor ab: Wir möchten in diesem Artikel nicht Stellung nehmen, sondern nur aufklären und informieren, was die Rule besagt und wieso sie gekippt wurde. 

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Nachdem der Weltreiterverband (FEI) im November 2025 eine Lockerung beschlossen hat, die ab 2026 gilt, geht es heiß her im Reitsport. Die Regel besagt, dass Pferde mit sichtbaren Blutspuren nicht mehr automatisch disqualifiziert werden, sondern nach einer tierärztlichen Untersuchung entscheiden können, ob sie “fit to compete” sind. National gibt es Widerstand gegen diese Änderung; beispielsweise hat die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) dagegen gestimmt. 

Warum wurde die “No Blood Rule” geändert / „gekippt“?

Bei der FEI-Generalversammlung im November 2025 wurde beschlossen, die No-Blood-Rule deutlich zu lockern. Konkret:

  • Künftig darf ein Pferd weiter teilnehmen, auch wenn sichtbares Blut festgestellt wurde, wenn ein Tierarzt/ Veterinär-Delegierter feststellt, dass das Pferd „fit to compete“ („wettkampftauglich“) ist.  
  • In Disziplinen wie dem Springreiten war ein Vorschlag, bei einer ersten direkten Blutung eine Verwarnung statt sofortigem Ausschluss auszusprechen, bei bestimmten „indirekten“ Blutungsformen (z. B. Pferd hat sich die Zunge gebissen) sogar nur Wischen/Abwaschen und Weiterreiten zu erlauben.  
  • Die Änderung tritt voraussichtlich ab 1. Januar 2026 in Kraft.  

Warum wurde das gemacht?

  • Befürworter argumentieren, dass nicht jede Blutung gleich eine schwerwiegende Verletzung ist – z. B. ein Biss auf die Zunge oder eine kleine Hautverletzung durch Ausrüstung.  
  • Außerdem wurde angeführt, dass strikte Null-Toleranz in manchen Fällen sportlich unfair oder unpraktisch sei.  
  • Kritiker wiederum sehen darin eine Schwächung des Tierschutzseiten und ein schlechtes Signal für die Glaubwürdigkeit des Pferdesports.  

Welche Bedeutung hat das für den Turnier-Reitsport? Die Lockerung der Regel hat mehrere wichtige Auswirkungen:

    1. Tierschutz-Debatte und Außendarstellung
      Der Pferdesport steht zunehmend unter gesellschaftlicher Beobachtung hinsichtlich des Tierwohls. Eine Regeländerung, die nach Auffassung vieler eine „Ausnahme bei Blut“ erlaubt, kann das Vertrauen der Öffentlichkeit und Sponsoren in die ethische Führung des Sports beeinträchtigen. 
      Für nationale Verbände wie die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) ist das ein rotes Tuch: Der Präsident sagte, man brauche „keine Grauzonen“.  
    2. Regelwerk und Wettkampfablauf
      • Die Neuerung bedeutet, dass bei sichtbarem Blut nicht mehr automatisch ein Start/Weiterreiten verhindert wird, sondern nun eine veterinärmedizinische Einschätzung erfolgen muss.
      • Wettkampfgericht und Veterinärdelegierte erhalten damit mehr Ermessensspielraum – das kann zu Uneinheitlichkeit bei Entscheidungen führen (z. B. wie stark die Blutung sein muss, unter welchen Umständen weitergeritten werden darf).  
      • Für Reiter, Veranstalter und Pferde bedeutet das: verstärkte Aufmerksamkeit auf den Zustand des Pferdes, eventuell neue Verfahren zur Kontrolle/Bewertung bei Blutung.
    3. Sportliche Wettbewerbsvorteile und Fairness
      Bisher hatte die No-Blood-Rule eine klare Linie: Blut = raus, was einerseits klare Spielregeln schuf. Mit der Lockerung entsteht potenziell unterschiedliches Vorgehen weltweit – dies kann Sorgen hinsichtlich Fairness und Wettkampfgleichheit hervorrufen.

    4. Rechtliche und versicherungstechnische Implikationen
      Wenn künftig Blut nicht zwingend zur Disqualifikation führt, sondern weiter geritten werden darf, stellt sich die Frage nach Verantwortung: Wer entscheidet die Wettkampftauglichkeit? Was passiert bei Folgen einer Blutung im Nachhinein? Auch national kann das zu Anpassungen führen, denn manche nationale Verbände wollen die alte Regel intern beibehalten.  

    5. Signalwirkung für den Amateur- und Freizeitsport
      Selbst wenn die Änderung vor allem die FEI-Spitzenregeln betrifft, so sendet sie ein Signal an alle Ebenen des Reitsports: Wie strikt wird Tierschutz gehandhabt? Wie transparent sind Entscheidungen? Wie viel Spielraum bekommen Wettkämpfer bei „leichter“ Blutung? Damit wird auch das Bewusstsein von Trainern, Richtern und Pferdehaltern beeinflusst.

 

Was sagt die FN konkret zu der No‑Blood‑Rule..?

Die FN positioniert sich klar gegen die Lockerung der ursprünglichen No-Blood-Rule. FN-Präsident Martin Richenhagen erklärte: „Blut hat im Pferdesport nichts zu suchen. … Wir brauchen keine Grauzonen.“  Nach FN-Angaben will die FN bei nationalen Wettkämpfen in Deutschland an einer Null-Toleranz-Haltung festhalten — also: Sichtbares Blut = Ausschluss.  

Welche Auswirkungen kann die Lockerung der Blut-Regel im deutschen Turniersport haben?

  • Regelwerk und Wettkampfpraxis: Obwohl die FEI-Regelung ab 1. Januar 2026 in Kraft tritt, bedeutet das nicht automatisch eine Änderung der nationalen Regelungen unter der FN. Die FN hat angekündigt, ihre strengere Linie weiterhin zu verfolgen.  
  • Vereinheitlichung vs. nationale Abweichung: Damit entsteht eine Situation, in der internationale FEI-Turniere und nationale FN-Turniere unterschiedliche Maßstäbe haben könnten. Das kann für Reiter und Veranstalter zu Verwirrungen führen (z. B. was gilt wenn das Pferd international startet vs. national).
  • Tierschutz- und Außenwirkung: Die FN sieht das Thema als Schlüssel für das öffentliche Image des Reitsports. Sichtbares Blut wird als „Signal“ verstanden, das kritisch von Öffentlichkeit und Medien wahrgenommen wird.  
  • Verantwortung und Kontrolle: Auch wenn die FEI eine tierärztliche Untersuchung bei sichtbarem Blut vorsieht, bleibt offen, wie konsequent und einheitlich diese Prüfungen überall durchgeführt werden. Die FN befürchtet dadurch eine Absenkung der Mindeststandards.  

Fazit, für den deutschen Turniersport bedeutet das konkret:

  • Wer an nationalen FN-Turnieren teilnimmt, kann sich weiterhin darauf einstellen, dass bei sichtbarem Blut eine konsequente Disqualifikation erfolgen kann – zumindest so lange die FN ihre Linie beibehält.
  • Bei internationalen Startmöglichkeiten (unter FEI-Regeln) gilt ab 2026 eine gelockerte Regelung – aber auch dort mit Bedingungen (z. B. „fit to compete“-Feststellung durch Tierarzt) → es entsteht eine Doppel-Regelungslage.
  • Für Veranstalter, Reiter, Trainer bedeutet das erhöhte Aufmerksamkeit: klar definierte Abläufe, Dokumentation, Tierarztentscheidungen, Kommunikationskonzepte sind wichtiger denn je.
  • Es bleibt wichtig, dass Pferde- und Tierschutz in der öffentlichen Wahrnehmung nicht als nachrangig behandelt werden – die FN sieht darin eine langfristige Herausforderung.
  • Die Ausrüstung wir z.B. Sporen und Gebisse sollten angepasst werden. D.h. es gibt sehr viele Folterinstrumente, die auf dem Reitsportmarkt zugelassen sind. 

Da wir beim Thema Tierschutz sind, möchten wir euch auch folgenden Blogartikel nahe legen Bestrafungen beim Pferd. Wir beschäftigen uns damit wann Bestrafungen beim Pferd sogar Tierschutzwidrig sind?

Und nun seid ihr gefragt. Wie steht ihr zu dem Thema? Habt ihr evtl. selber mal das Erlebnis gehabt dass euer Pferd auf dem Turnier geblutet hat? Evtl. auch unbegründet? Her mit euren ehrliche Meinungen. Lasst uns gemeinsam über das “blutige” Thema diskutieren. 

 

 

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