Reitlehrer und Bereiter – “Anforderungen” im Wandel

Die Anforderungen an einen Reitlehrer & Bereiter haben sich mit der Zeit etwas verändert. Unser aller Leben hat sich verändert. Trainer sollten heutzutage nicht nur über die Reitlehre bescheid wissen, sondern auch über ein Grundwissen der Bewegungs- und Sportlehre sowie Pädagogik verfügen.

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Da man sich heut im Internet über fast alles informieren kann, kommt es leider auch dazu, dass Leihen als vermeintliche “Spezialisten” fungieren und es oft “besser wissen” als der Trainer selbst.

In den letzten 20 Jahren hat sich einiges verändert. Es ist alles viel schnelllebiger geworden, die Menschen haben mehr Stress und sind z. T. überfordert mit der Lebenssituation. Dazu kommt, dass unsere kulturelle Entwicklung dazu geführt hat, dass wir uns weniger bewegen als unsere Vorfahren. Viele gehen einer sitzenden Tätigkeit nach, verbringen viele Stunden im Auto, Kinder und Jugendliche spielen häufig nur noch am PC, gehen weniger raus und bewegen sich. Diese einseitigen Belastungen des modernen Lebens, Fehlbelastungen und Überbelastungen führen zu Versteifungen sowie verkürzten Muskeln.

Aufgrund der Bewegungsarmut leiden bereits Kinder an muskulären Defiziten, das muskuläre Gleichgewicht ihres Körpers ist unausgewogen. Die fundamentalen Grundlagen für das Reiten als Gleichgewichtssportart fehlen somit. Sie sind daher oft nicht in der Lage, Bewegungsanweisungen des Ausbilders in die Praxis umzusetzen. Somit fungieren wir des öfteren weniger als Trainer, sondern vielmehr als als vermeintliche “Krankengymnasten” bzw. “Bewegungstherapeuten” mit dem Ziel, den Schülern ihren eigenen Körper näher zu bringen.
Kenntnisse aus der Reitlehre reichen nicht mehr aus. Wir als Trainer brauchen ebenso Kompetenz in den Bereichen Bewegungs- und Sportlehre sowie Pädagogik.

Faktor Stress vor der Reitstunde

Zu den körperlichen Defiziten unser heutigen Zeit, kommt die psychische Ebene. Erwachsene Reitschüler kommen meist gestresst zum Pferd. Wenn sie nicht gerade aktive Turnierreiter sind, wollen diese einen Ausgleich zum stressigen Alltag. Sie müssen erstmal runterkommen und wollen in der Regel nicht gleich mit dem Training loslegen. Lieber erstmal etwas Small Talk und sich die Sorgen von der Seele reden. All das müssen wir als Trainer auffangen. 

Schon die Kinder haben einen vollen Terminplan, hetzen von einer Unternehmung zur anderen. Dabei bleibt immer weniger Zeit sich auf eine Sache richtig zu konzentrieren und sie mit Herzblut auszuführen. Es wird von Kindern und Jugendlichen viel abverlangt. Dabei kommt oft das Spielen und Ausprobieren, das Kindsein zu kurz. Das merkt man dann auch am Pferd. Die Kinder sind gestresst, können sich selten richtig auf das Pferd einlassen, sind meist gedanklich schon wieder woanders. Selten wird sich neben dem Reiten mit dem Pferd beschäftigt. So wie wir das früher getan haben, den ganzen Tag draußen, im Stall bei den Pferden, das ist heut kaum noch möglich. Die Beziehung zum Lebewesen Pferd geht immer mehr verloren.

Trotzdem wird dann verlangt, dass die Schüler schnell Fortschritte machen und wenns geht erfolgreich auf Turnieren sind. Doch wie soll das funktionieren wenn die körperlichen Vorraussetzungen fehlen und sich der Schüler noch nicht einmal mit seinem Partner Pferd beschäftigt?! Wir Ausbilder können leider nicht zaubern. Wenn dann die gewünschten Ergebnisse nicht schnell eintreffen, wird der Trainer gewechselt. 

Hinzu kommt das sich die Profis heut gegen selbsternannte “Trainer” durchsetzen müssen, die meinen sie könnten ohne die nötige Erfahrung anderen Reitern guten Unterricht geben und das dann noch für lau. Guter Reitunterricht der Pferd und Reiter im Sinne der Ausbildungsskala fördert und der Gesunderhaltung des Pferdes dient, hat seinen Preis! Und Jeder, dem sein Pferd am Herzen liegt und es gesund halten möchte, sollte nicht an Unterricht sparen.

Ähnlich sieht es auch beim Beritt aus

Pferdebesitzer erwarten oft vom “Profi”, dass Probleme unter dem Sattel sehr schnell gelöst werden. Es darf nicht nicht viel kosten, es darf nicht lang dauern und dann muss das Pferd nur so durch die Halle schweben. Wenn wir das nicht in kürzester Zeit hinbekommen, heißt es: “Der/die tagt einfach nichts!” Viele Besitzer haben leider eine falsche Vorstellung von richtiger Ausbildung. 
Die Pferde (vor allem junge) bekommen nicht mehr die nötige Zeit die sie brauchen, um körperlich und mental reifen zu können.
Dann kommen auch oft solche Sätze, wie: “Wenn der erstmal unter einem guten Reiter geht….”

Aber Fakt ist, dass viele Pferde keine gute Grundausbildung mehr vorweisen können, auf die wir zurückgreifen könnten.
Viele Bereiter sitzen so auf im Grunde nicht ausgebildeten Pferden und versuchen herauszufinden, mit welchem Problem man zuerst beginnen sollte.
Über Jahre antrainierte Verhaltensweisen verschwinden nicht einfach so.  Es dauert. Und je öfter zwischendrin der Besitzer im “alten Muster” reitet, desto länger dauert es an.

Bereiter stehen nicht selten unter einem massiven Erfolgsdruck!
Jeder Freizeitreiter weiß es mittlerweile besser und “Trainerhopping” ist zum Trend geworden. Wie soll ein Bereiter ein massives Problem lösen, ohne gleich von den Besitzern verurteilt und massiv kritisiert/ hinterfragt zu werden?
Selbstverständlich ist ein kritisches Auge auf den Trainer gut und richtig aber man sollte es nicht übertreiben.

Es gibt Menschen die glauben, nach 10 Minuten, die sie einem Trainer bei der Arbeit zugeschaut haben, die Arbeit dessen wirklich beurteilen zu können.
Die Korrektur von “Problempferden”, unrittigen Pferden, festen, stürmischen oder triebigen Pferden sieht nicht immer schön aus… auch wenn wir uns das alle sehr wünschen.

Viele Bereiter scheitern in Ihrer Arbeit an den weiteren Umständen:
wird das Pferd nicht ausreichend gefüttert, hat nicht genug Bewegung auf der Wiese oder Paddock, passt der Sattel nicht, … dann kann man als Trainer zwar drauf hinweisen, aber ob der Besitzer das dann ändert, steht auf einem anderen Blatt.

Dann steht der Bereiter vor der Wahl: Hinschmeißen oder weitermachen, trotz widriger Umstände?

Am falschen Ende sparen

Viele Pferdebesitzer (nicht alle) sparen zuerst am Trainer.
Stallmiete, Tierarzt, die neue Eskadron- Schabracke… alles unverzichtbar, aber der Trainer… 
So trifft mancher Trainer seine Kunden nur sehr sporadisch alle paar Wochen/Monate und wird dann kritisiert, dass man sich die Fortschritte schneller vorgestellt hätte.
Auch mobiler Beritt nützt nichts, wenn der Bereiter nur alle drei Wochen auf dem Pferd sitzt. Dies ist auch höchst unfair dem Pferd gegenüber, welches immer wieder von vorn “korrigiert” werden muss.

Ein Pferd zu bereiten heißt, es nach klassischen Grundsätzen der Reitlehre zu fördern und auszubilden  und zwar so, dass es in die Lage versetzt wird, das mit der Zeit Gelernte sicher zu zeigen, auch unter anderen vielleicht schwächeren Reitern. Ziel ist immer die größtmögliche Harmonie zwischen Mensch und Pferd und die Verbesserung der Durchlässigkeit des Pferdes. Fakt ist: das braucht seine Zeit und geht nicht von Heut auf Morgen!
Die beste Gesundheitsvorsorge ist es, dem Pferd eine gute Ausbildung bei einem einfühlsamen Bereiter, der sein Handwerk versteht, zukommen zu lassen. 


Wer sich über den Beruf Pferdewirt informieren möchte, kann das hier tun: Beruf Pferdewirt.

Was meint ihr zu diesem Thema? Habt ihr selbst Erfahrungen dieser Art gemacht oder beobachtet? Wir würden uns gern mit euch darüber unterhalten.

 

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One comment

  1. Kandzia Sabina sagt:

    AUCH wen Man täglich den gleichen trainer hat heist es nicht das Man davon lernt Man sollte schon seine trainer wechseln damit Man AUCH lernt bodentrainer muss AUCH einmal die woche mit mir und meinen pferden arbeiten ich muss mindestens 3 bis 4 std pferde versorgen inklusive training Reiten oder ausreiten ansonsten ist mir das persönlich zu stressig ich brauche zeit mit meinen pferden und die nehme ich mir AUCH fur uns damit wir Eine gute beziehung Haben zusammen

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