Hufe fetten ja oder nein?

Um kein anderes Huf – Thema kreisen so viele Mythen und offene Fragen: Fetten? Wenn ja, wie oft? Die Sohle auch? Die Hufe wässern oder nicht?

Fetten muss sein, sagen die einen. Ihre Begründung: Es hält den Huf geschmeidig. Nein, sagen die anderen. Das Fett verhindere, dass Feuchtigkeit in den Huf eindringt. Was ist nun Richtig?

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Es gibt Experten die sagen: Fett und Öl trocknen die Hufe aus. Trockene Hufe findet man vorallem dort, wo sehr intensiv gepflegt wird. Häufig sind trockene Hufe das Ergebnis von zu viel Fett und Öl, das den Huf von außen versiegelt. 

“Hufschmied Hartmut Schmidt ist der Meinung, dass das ständige einfetten der Hufe völlig sinnlos ist und unter Umständen dem Huf eher schaden kann. Das ständige fetten verhindert das der Huf Feuchtigkeit aus dem Boden aufnehmen kann. Im schlimmsten Fall trocknet die Hornkapsel ein, bricht und reist ein bis der Huf unbrauchbar wird und seine Funktionalität, das Hufbein zu schützen einbüßt.” Wenn der Huf gesund und die Glasurschicht, die äußere Schutzschicht der Hufwand, in Ordnung ist, gibt es auch keinen Grund zu fetten.

Volker Carsten, Hufbeschlagslehrmeister an der Hochschule Hannover, empfiehlt, zur Fettdose zu greifen: “Vorher sollte man die Hufe mit neutraler Seife  waschen, trocknen lassen und danach fetten.” Übertreiben sollte der Reiter es allerdings mit dem Fetten auch nicht. Laut Carstensen reicht einmal die Woche. An der Hochschule durchgeführte Studien ergaben, dass das Fetten die Hufqualität nach vier bis fünf Wochen verbessert. Der Huf wird elastischer und das Horn bricht nicht so leicht.

Soll die Sohle mitgefettet werden oder nicht? Auch in dieser Frage bekommt man verschiedene Antworten. Die einen sagen, die Sohle darf nicht gefettet werden. Über sie gelangt die meiste Feuchtigkeit in den Huf. Huffett würde die Poren verschließen. Die Folge: Die Sohle würde hart werden und schmerzhafte Risse könnten entstehen. Volker Carstensen plädiert allerdings dafür, auch die Sohle mit zu fetten.

Auch rund um das Thema “Wässern” gibt es verschiedene Stimmen. Nach wie vor ist umstritten, ob Hufe von außen überhaupt Feuchtigkeit ins Innere leiten können. Einige Tierärzte raten, den Huf, vor allem auch vor dem Fetten, nass zu machen, andere sehen darin keinen Sinn. Zu der Gruppe zählt zum Beispiel Volker Carstensen. Er sagt: Es gelangt von der Hufwand kaum Wasser ins Innere des Hufes. Allerdings transportieren der Strahl, Kronsaum und die Ballen Feuchtigkeit und zwar aufgrund  ihrer elastischen, weichen Struktur. Der Huf wird eher feucht gehalten, wenn man das Pferd im Morgentau auf die Wiese stellt.

In Sachen Pflege sollten Pferdehalter nicht nur den Huf an sich im Blick haben, sondern auch das ganze Umfeld. Saubere Einstreu ist wichtig, vorallem wenn das Pferd unter schlechter Hornqualität leidet. Sauberkeit ist in dem Fall sehr wichtig. Ist der Huf sehr stark mit Mist beklebt, hilft nur noch waschen.

Stehen die Pferde den ganzen Tag im Schlamm, können Bakterien in die Hufe eindringen. “Zu feuchte Hufe kann man mit Pinienteer, einem Gemisch aus Teebaum- und Eukalyptusöl in Verbindung mit Alkohol, einstreichen”, sagt Hufschmied Uwe Lukas. Eine weitere Möglichkeit um die Hufe vor lang anhaltender Nässe zu schützen, ist das Winter-Huf-Gel von Effol.

Damit das Horn schön und gleichmäßig wächst, benötigt es viele Nährstoffe. Um die Durchblutung zu fördern, empfiehlt es sich Lorbeeöl auf den Kronrand auftragen und mit dem Finger einzumassieren. Am besten als Kur über einem Zeitraum von sechs bis acht Wochen.

In der Sommerzeit, wenn es heiß und trocken ist, kann man den Huf unterstützen, indem man ihn vom Kronrand an zwischendurch mit dem Sommerhufgel von Effol einmassiert.

Bei spröden und rissigen, oder stark beanspruchten Hufen hat sich der Keralit Huf – Festiger oder Pedocan Hufkräftiger bewährt.

Eine gute Hufqualität kommt auch von innen. Das Pferd muss ausreichend mit Mineralstoffen, Vitaminen und Spurenelementen versorgt sein. Das Zufüttern von Bierhefe, Zink und gegebenfalls auch Biotin kann nützlich sein. Sehr gute Erfahrungen haben wir mit dem
Huf – Vital von Atcom gemacht, welches am besten auch als zwei bis dreimonatige Kur gefüttert wird.

Zusammenfassend würde ich sagen, solange der Huf gesund ist und er nicht irgendwelchen Extremen ausgesetzt ist, braucht man nichts weiter zusätzlich zu tun. Bei schlechter Hufqualität oder besonderen äußeren Einflüssen, wie z. B. andauernde Nässe oder extreme Trockenheit … kann es hilfreich sein, den Huf mit entsprechenden Pflegemitteln zu pflegen und zu schützen. Aber nach dem Motto “Weniger ist mehr.”

Wir möchten nun von Euch gern wissen: Greift Ihr zur Fettdose? Wenn ja wie oft und was macht Ihr drauf? Wässert Ihr die Hufe vor dem Fetten?
Was habt Ihr für Erfahrungen gemacht? Was sind Eure Meinungen über dieses Thema?

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4 comments

  1. Luisa sagt:

    Ich komme aktuell gut ohne Fetten aus. Mein Pferd steht jedoch auch auf vergleichsweise trockenem Untergrund und nicht im Matsch. In jedem Fall sehr interessanter Beitrag, welcher auch mal wieder zeigt, dass es sehr viele unterschiedliche Meinungen auch unter Fachleuten gibt. Seit ich komplett auf barhuf umgestellt habe (war ein langwieriges Unterfangen) habe ich gefühlt weniger Probleme und Hufen.

    1. Marika Moga sagt:

      Hallo Luisa,
      das ist doch prima!!! In deinem Fall zählt; weniger ist mehr!!
      Viele liebe Grüße und euch beiden alles GUTE
      Marika

  2. Luisa sagt:

    Ich komme aktuell gut ohne Fetten aus. Mein Pferd steht jedoch auch auf vergleichsweise trockenem Untergrund und nicht im Matsch. In jedem Fall sehr interessanter Beitrag, welcher auch mal wieder zeigt, dass es sehr viele unterschiedliche Meinungen auch unter Fachleuten gibt. Seit ich komplett auf barhuf umgestellt habe (war ein langwieriges Unterfangen) habe ich gefühlt weniger Probleme und Hufen.

    1. Marika Moga sagt:

      Hallo Luisa,
      das ist doch prima!!! In deinem Fall zählt; weniger ist mehr!!
      Viele liebe Grüße und euch beiden alles GUTE
      Marika

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