Gesunde Luft – gesunde Pferde

Staubfreies Futter und Bewegung ist, wie wir Pferdebesitzer und Reiter wissen, sehr wichtig für eine gesunde Pferdelunge aber auch das Stallklima spielt eine wichtige Rolle für die Gesunderhaltung unserer Pferde. Wie die Überschrift schon sagt; Gesunde Luft – gesunde Pferde!
Was genau dabei zu beachten ist und welche Folgen ein schlechtes Stallklima haben kann, erklären wir euch in diesem Blogbeitrag

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Steppentier Pferd

Unsere Lauf- und Steppentiere haben ganz besondere Anforderungen an die Stallhaltung. Als Steppentiere haben Pferde einen enormen Bedarf an Frischluft und Bewegung. Wenn wir sie in Boxen “einsperren” müssen wir darauf achten dass wenigstens das Stallklima “Pferdegerecht” ist, sonst sind Atemwegserkrankungen vorprogrammiert. 
Das Stallklima hat wie auch die Raumverhältnisse, die verwendete Stalleinrichtung, die Betreuung und die Fütterung der Pferde einen Bedeutenden Einfluss auf das Pferdewohl und die Tiergerechtigkeit. Das Stallklima unterscheidet sich insbesondere bezüglich Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, der Konzentration an Schadgasen und Staubpartikeln sowie des mikrobiologischen Luftkeimgehaltes mehr oder weniger stark vom Außenklima. Mit Stallklima ist in dem Sinne das Innenklima in den Ställen (Boxengasse) gemeint. Prof. Dr. Dirk Winter vom Studiengang Pferdewirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen hat verschiedene Einflussfaktoren gemessen und diese in drei Bereiche übergeordnet, die für das Stallklima wichtig sind; die physikalischen, die chemischen und die biologischen.

Physikalische Klimafaktoren

Dazu gehören die Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit und ganz wichtig: die Bewegung. Da Pferde ein gutes Vermögen haben sich an die Außentemperaturen anzupassen (-15° bis +25°C), haben sie ein höhere Toleranz als andere Nutztierarten. Für geschlossene wärmegedämmte Pferdeställe, bei denen der Luftaustausch z.B. nur durch Ventilatoren erfolgt, gilt laut DIN-Norm eine Innenraumtemperatur von 12° bis 14°C. Es ist jedoch nicht empfehlenswert, die Temperatur das ganze Jahr über (vor allem in der kalten Jahreszeit) gleich zu halten, da es dann an Frischluft fehlt und dies zu erhöhten Schadstoffgasen führt. Somit wird die Anfälligkeit für Krankheiten (der Pferde und vor allem der Lunge) gesteigert. 

Neben der Temperatur spielt auch die Luftfeuchtigkeit eine wichtige Rolle. Die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen empfiehlt eine Luftfeuchte von 60 bis 80%. Im Stall sind die Pferde selber die Hauptquelle der Luftfeuchtigkeit, durch die Atmung und die Verdunstung des Harns. Laut Dr. Dirk Winter wird allein durch die Atmung der Pferde pro Stunde und pro Pferd 0,3L Wasser freigesetzt. 
Eine unpassende Luftfeuchtigkeit bringt deutliche Nachteile für das Stallklima. Bei dauerhafter Erhöhung, führt sie zu schlechter Wärmeabgabe der Pferde und schafft zusätzlich günstige Vermehrungsbedingungen für Schimmelpilze und Sporen. Wie gefährlich diese für die Atemwege sind, haben wir bereits in unserem Blogartikel “Der Heubedampfer – Bessere Gesundheit durch besseres Heu.” geklärt.
Ebenfalls ist eine zu niedrige Luftfeuchtigkeit nicht empfehlenswert. Dann erhöht sich das Staubaufkommen in der Luft, was zur Reizung der Atemwege führen kann. 

Zu den physikalischen Klimafaktoren zählt auch die Luftzirkulation. Sie sorgt durch die Luftbewegung und den mit ihr einhergehenden Luftaustausch für eine Abtransport der Schadgase und eine ständige Frischluftzufuhr. In einem Innenstall sollte die Fensterfläche 1/20 der Boxenfläche betragen. Laut Dr. Winter soll auch der Luftzug großflächig auf das Pferd treffen um die Thermoregulation zu aktivieren. Selbstverständlich sollte man sehr starke Zugluft vermeiden.

Chemische Klimafaktoren für eine gesunde Luft – gesunde Pferde

Chemische Klimafaktoren umfassen die Konzentration von unterschiedlichen Schadgasen, die für das Pferd gefährlich werden können. Das sind in erster Linie; Kohlendioxid, Ammoniak und Schwefelwasserstoff. Ein wichtiger Anzeiger für die Luftqualität im Pferdestall ist das Kohlendioxid, das beim Ausatmen von Mensch und Tier freigesetzt wird. Es wird als verbrauchte, schlechte Luft gesehen.
Ammoniak ist ein stechend riechendes Reizgas, das aus der bakteriellen Zersetzung von Harnstoff und Kot des Pferdes entsteht. Ammoniak gilt als Hauptschadgas in allen Tierställen. Es reizt die Schleimhäute und Atemwege. Zusätzlich hat Ammoniak negative Auswirkungen auf die Hornqualität. Daher haben Pferde die sehr viel drin stehen und wenig rauskommen zum Teil deutlich schlechtere Hufe als Pferde, die nicht den ganzen Tag in ihrem Urin/ Kot stehen. 
Schwefelwasserstoff ist ein übelriechendes, sehr giftiges Gas. Es entsteht bei der Zersetzung von schwefelhaltigen Aminosäuren. Prof. Dr. Dirk Winter sagt jedoch dass es in der Regel in Pferdeställen nicht vorkommt. Außer in Ställen mit extrem unhygienischen Zuständen!

Biologische Klimafaktoren

Bei den biologischen Stallluftfaktoren handelt es sich um Bioaerosole. Das sind luftgetragene Teilchen biologischer Herkunft. Sie umfassen Mikroorganismen wie Bakterien, Pilze, Viren und Milben. Vor allem Schimmelpilze spielen hier eine wichtige Rolle und haben bei der Qualität der Stallluft eine besondere Bedeutung. Sie haben ihren Ursprung überwiegend hygienisch auffälligem Raufutter wie z.B. Heu. Aber auch das Einstreu wie Heu oder Späne machen ca. 55% der Gesamtkeime der Luft aus. Die Pilzbelastung der Stallluft ist höher, je staubiger das Heu ist. Insbesondere bei Pferden die unter Equinem Asthma leiden, ist auf eine minimale Staubbelastung zu achten.
In dem Fall ist es auch besser auf Heulage, die nahezu staubfrei ist, zu verfüttern. Auch das bedampfen von Heu wäre sehr wichtig. Mit dem Thema “Bedampfen” haben wir uns bereits vor einiger zeit befasst. Hierzu solltet ihr unseren Artikel “Der Heubedampfer” unbedingt lesen. 

Entscheidend für die Schadstoffwirkung der Aerosole ist die Größe der Partikel und ihre Verweildauer in der Luft. Je kleiner die Partikel und je länger sie in der Luft sind, desto intensiver können sie Pferden aufgenommen werden. Aber auch von Menschen… Man sollte daher die Staubpartikel bei Fegen, Füttern und Misten beachten. Diese Arbeiten sollten nach Möglichkeit gemacht werden, wenn die Pferde NICHT im Stall sind! Vor dem Fegen ist es zu empfehlen die Stallgase zu befeuchten. Außerdem sollten nur hygienisch einwandfreie Futtermittel und Einstreu verwendet werden. 

Fazit, wie verbessere ich das Stallklima..?

Sehr wichtig für ein optimales Pferdestall-Klima ist die Temperatur. Sie sollte am bestem die dem Außenbereich angepasst sein. Daher geht mittlerweile der Trend zum “Kaltstall” und weg vom “Warmstall”, sehr zum Leid der Reiter 😅, die ungerne frieren. Jedoch ist die kalte Außentemperatur viel besser für ihre Pferde. 
Gute Luftzirkulation (keine Zugluft) sollte gegeben sein. Türen und Fenster sollten das Eindringen von Frischluft ermöglichen. Häufig ist in Pferdeställen die sogenannte Trauf-Frist-Lüftung. Bei der durchdachten Lüftungsvariante strömt von den Seiten frische Luft ein und kann durch den First an der Decke entweichen. 

Ein Beispiel für eine First-Belüftung

  Grundgedanke der Trau-First-Lüftung

Zusätzlich sollte das Dach gut gedämmt sein, das ist vor allem bei sehr hohen Temperaturen im Sommer sehr wichtig. 

Zudem sollte auf gutes und staubfreies Einstreu geachtet werden. Zudem spielt auch die Wasseraufnahmekapazität eine wichtige Rolle bei der Wahl des richtigen Einstreus. In einer Studie an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen konnte ermittelt werden dass strohbasierte Einstreumittel eine höhere Wasseraufnahmekapazität im Vergleich zu holzbasiertem Streu aufweisen. Das am meisten im Pferdestall verwendete Langstroh (Weizen- oder Roggenstroh) hat den großen Vorteil, dass es auch nahrhaft ist und zudem zur Beschäftigung dient. Wir gehen natürlich davon aus dass es eine gute und hochwertige Qualität hat. Einstreu auf Holzbasis eignet sich gut für Pferde, die kein Stroh fressen dürfen. 

Wie wir nun erfahren haben gibt es viele Faktoren, die eine wichtige Rolle spielen. Diese beginnen bereits bei der Stallplanung, gehen über die Auswahl des Raufutters, Krippenfutters und des Einstreus bis hin zu dem täglich Mist- und Betriebsablaufs. Zur Kontrolle sollten die Klimafaktoren regelmäßig überprüft werden. Pferdebetriebe sollten zusätzlich regelmäßig Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsmessungen vornehmen und auch die Schadgasgehalte und die Staubgehalte ermitteln. Mittelweile gibt es auch gute Digitale Messgeräte mit automatischen Warnmeldungen, die einem dabei helfen. 

Nun seid ihr gefragt, habt ihr einen eigenen Stall? Habt ihr bei der Planung des Stall auf die Klimafaktoren geachtet? Wie geht ihr bei der Auswahl des Einstreus und Futters vor? 

Quelle: www.pferdebetrieb.de / Pferdebetrieb Profi-Magazin

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