Lästige Insekten – Was hilft gegen den Feind? Teil 2

Im ersten Teil Lästige Insekten – wie ticken diese Plagegeister eigentlich…? Teil 1 unserer Serie haben wir uns damit beschäftigt wie die Plagegeister ticken. In diesem Teil geht es darum, wie die Repellenten gegen die Insekten wirken und was denn nun wirklich hilft, …denn die Auwahl ist ja enorm, aber was ist wirklich wirksam…??

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Im Fachjargon lautet die Kriegsstrategie gegen Insekten “push oder pull”. Das bedeutet dass man die Lästlinge durch Repellents fern hält (push) oder in eine Insektenfalle lockt (pull).
Repellents sind Chemikalien, die die Insekten verseuchen sollen – entweder durch den Geruch oder dem Kontakt mit dem Mittel. Zitronenöl zum Beispiel, wie lang es als Repellent wirkt, ist gut untersucht worden.
Der Tierarzt Daniel Zaspel schreibt in einer Dissertation von 2008, in der er die verschiedensten Insektenabwehrmethoden zum Schutz von Pferden diskutiert: “Zunächst kamen ätherische Öle wie Essenzen von Gewürznelken, Muskatnuss, Wacholderbeeren, Pinie oder Kiefer zum Einsatz. Sehr gebräuchlich war und ist auch Zitronenöl, welches heut in Verbindung mit Insektiziden wie z.B. Pyrethrum verwendet wird. Nachteilig bei diesen Stoffen ist ihre relativ kurze Wirkungsdauer. Zitronenöl wirkt etwa vier Stunden und Pyrethrum etwa einen Tag.” Öle aus Lavendel, Teebaum oder Nelke zur Insektenabwehr wurden von Zaspel als wenig wirksam charakterisiert.

Ein Deo fürs Pferd

Hierbei ist der Gedanke, durch ein Deodorieren mit Ölen den Pferdeduft gewissermaßen zu überdecken. Burkhard Bauer vom Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin der freien Universität Berlin bezweifelt allerdings, dass es Repellents mit wirksamer Deo-Wirkung gibt. Demnach müsse der Geruch der Repellents so abschreckend wirken, dass der Fluchtreflex bei den Insekten stärker wird als ihr Jagdtrieb.
Die synthetischen Wirkstoffe DEET (Diethyltoluamit) und Icardin (beide Mittel bereits häufig in Repellents benutzt) sind nach heutigem Wissensstand am effektivsten. Sie sind nach der Meinung von Burkhard Bauer auch die einzigen Wirkstoffe, die hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und gesundheitlichen Verträglichkeit ausreichend getestet wurden. Sie wirken gegen alle relevanten Insekten und Zecken.
DEET, 1946 von der US-Armee entwickelt, verwirrt die Insekten, indem es die Nervensignale ihrer Geruchsrezeptoren verändert.

Gifte aus Blumen


In der Dissertation von Daniel Zaspel ist über die handelsüblichen Sprays zu lesen, dass sie Erfahrungsberichten zufolge zwar eine gewisse Wirksamkeit haben, dass andererseits aber keine Prüfungen oder Zulassungen vorliegen und Nebenwirkungen daher nicht nicht ausgeschlossen sind.  Auf den üblichen Produkten im Reitsporthandel fehlen oft genaue Angaben der Inhaltsstoffe. Des öfteren enthalten sie Pyrethrin-Extrakte, die aus Chrysanthemen gewonnen werden, oder deren synthetische Varianten. Pyrethrin ist kein Repellent, sondern ein Insektizid – es tötet die Insekten, da diesen das Enzym fehlt, das sie benötigen, um diesen Stoff abzubauen. Pyrethrin schädigt das Nervensystem der Insekten und tötet sie, wenn sie mit dem Mittel in Kontakt kommen. Für uns und unsere Pferde ist Pyrethrin aber weitaus weniger giftig … seine Wirkung ist 4.400-mal schwächer.

Die einzigen in Deutschland zugelassenen Präparate mit insektizider und repellierender Wirkung sind Wellcare von Essex und Ungeziefer-Spray von Gimborn. Der einzige in Deutschland am Pferd geprüfte Wirkstoff ist Permethrin, eine künstlich nach erzeugte Variante des Natur-Pyrethrums. Dieser ist in der Wellcare Emulsion für Pferde von Essex enthalten, während das Produkt von Gimborn die natürliche Variante Pyrthrin enthält. Wellcare Emulsion ist apothekenpflichtig und nur beim Hersteller oder beim Tierarzt erhältlich. Die Wirksamkeit dieses Präparates gegen Fliegen und Bremsen über mehrere Tage bis Wochen  und seine gute Verträglichkeit wurden nachgewiesen und es wurde daher als Tierarzneimittel zugelassen. Wichtig ist hierbei: nicht zu viel benutzen! Eine Überdosierung kann zu Ödembildung führen.

Decken mit Imprägnierung


Der künstlich erzeugte Wirkstoff Permethrin ist in der Imprägnierung der Decke Amigo Bug Buster der Firma Horseware enthalten … eine übliche Netzdecke zur Abwehr nach dem Push-Prinzip (siehe Anfang), die zusätzlich mit dem Permethrin-Stoff getränkt ist, so dass sie nach dem Pull-Prinzip Insekten anzieht und abtötet. Diese Wirkung, Fliegen, Mücken, Zecken und Flöhe abzuweisen, soll bis zu 25 Wäschen lang anhalten. “Problematisch” bei den Fliegenschutzdecken aller Art ist, dass sie die Beine frei lassen. Burkhard Bauer erklärt: “In der Regel stechen Insekten vorallem an den Beinen, an den Innenschenkeln und am Unterbauch, vermutlich, weil die Pferde dort dünnhäutiger sind.Nicht umsonst haben die Salzbauern auf der französichen Insel Ré früher die Beine der Esel und Maultiere, mit denen sie das Salz abtransportierten, mit Hosen geschützt. Ob diese Maßnahme auch im Reitsport praktikabel wäre und von den Pferden akzeptiert würde, ist fraglich.” Fliegendecken könne bei der Insekten abwehr zwar helfen (müssen aber extrem engmaschig sein), die beliebteste Angriffsfläche schützen sie aber nicht.
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Die Unterschiede zwischen den einzelnen Fliegensprays liegen in der Konzentration und der Zusammensetzung der Wirkstoffe. Gel-Produkte für empfindliche Körperstellen, wie der Bereich der Augen, haben eine geringere Wirkstoffdichte. Die Insektenabwehr soll aber trotzdem gut funktionieren, da der Wirkstoff von diesen weniger behaarten Körperstellen von der Haut besser aufgenommen werden kann. Die geringe Dosierung soll vermutlich die toxische Wirkung auf das Pferd und die Gefahr einer Reizung durch das Produkt mindern. Die Produkte für Pferde sind nicht unbedingt höher dosiert als die für uns Menschen.
Preisunterschiede zwischen Sprays mit gleichen Hauptwirkstoffen können durch die unterschiedlichen Gesamtrezepturen und Wirkstoff-Konzentrationen begründet sein. So weist z.B. der Effol Bremsenblocker+ eine höhere Konzentration des Hauptwirkstoffes DEET auf als das von der Firma Busse. Einige Sprays, wie z.B. Ballistol Stichfrei, haben zusätzlich einen UV-Schutz, andere pflegen zusätzlich noch das Fell ein wenig mit. Wie z.B. das Bremsenspray/ Fliegenspray Equimist Flygard von Carr & Day & Martin . Es gibt das Spray in zwei verschiedenen Stärken.

Mit Zebrastreifen gegen Bremsen


Seit ein paar Jahren gibt es immer mehr Decken im Zebrastreifenlook. In einer zeitaufwendigen, kreativen Variante wurden die Streifen mit speziellen Viehmakierungsstiften, Mehl-Wasser-Gemischen oder Pferdemalfarbe auf der Basis von Tonerde per Hand auf das Pferdefell gepinselt. Waldhausen bietet sogar ein “Zebraspray” an, das nach Angabend es Herstellers nicht nur regen- und schweißfeste Streifen produziert, sondern gleichzeitig als Repellent-Spray funktioniert. Die Wirkung der Streifen auf Insekten untersuchte 2012 eine schwedisch-ungarische Zoologengruppe im Rahmen eines in der Nähe von Budapest durchgeführten Experiments. Das Ergebnis: je schmaler die schwarz-weißen Streifen waren und je größer die Ähnlichkeit zum echten Zebramuster war, desto weniger Interesse zeigten die Bremsen.

Zäune sperren Insekten aus


Es mag erstmal verrückt klingen, Insekten fernhalten zu wollen, indem man Pferde auf bestimmte Art und Weise einzäunt. Aber diese Vorgehensweise funktioniert tatsächlich ganz gut, da die meisten Insekten im Tiefflug auf die Beute losgehen. Versuche von Wissenschaftlern der Freien Universität Berlin haben gezeigt, dass das Insektenaufkommen auf einer Weide sinkt, wenn diese mit einem Meter hohen Insektennetzen umzäunt wurde. Diese feinmaschigen Netze sind quasi unsichtbar für die kleinen Angreifer. Wenn die Insekten gegen die mit Bioziden imprägnierten Netze fliegen, sterben sie innerhalb weniger Minuten. Die Netze kombinieren Pull- und Push Strategien, da sie die Insekten einerseits physisch abhalten und sie andererseits anlocken und durch den Kontakt mit dem Gift abtöten.
Problematisch ist aber, dass dabei auch Bienen, Schlupfwespen und andere nützliche Insekten, die zum Teil unter Artenschutz stehen, töten. Im Handel sind diese Insektenschutzzäune bisher noch nicht erhältlich, da dazu noch die Genehmigung des Bundesumweltamtes fehlt. Burkhard Bauer erklärt, dass noch größere Testreihen durchgeführt und untersucht werden müssen, wie sich die Maßnahme auf die Population der nützlichen Insekten auswirkt. Er meint, ein guter Kompromiss wären vielleicht, nur Teilbereiche der Weide zu schützen, in die die Pferde sich dann bei hohem Insektenaufkommen zurück ziehen können. So könnte den blutrünstigen Insekten ihr Tiefflug doch noch zum Verhängnis werden.

Bremsenfalle


Bremsenbälle findet man nun immer öfter auf den Weiden. Sie sind absolut giftfrei und umweltfreundlich und reduzieren laut Hersteller Kerbel 95% der Bremsen. Sie sind leicht aufzubauen und decken eine großen Wirkungsbereich ab. Wer wissen möchte wie diese Bälle genau funktionieren findet dies in unserem ersten Teil über Lästige Insekten.

Vorbeugen


Tierarzt Florian Reichert rät von Anfang an gegen Mückenpopulationen vor zu gehen. Regentonnen,Wassereimer und Pfützen sind ideale Brutplätze. Fliegen hält man am besten mit Sauberkeit und Spinnweben fern. Spinnweben sehen nicht schön aus, sind mit ihren Bewohnern aber sehr nützlich da diese fleißige Insektenjäger sind. Bei großer Hitze gefällt Pferden eine etwas höher gelegene Wiese mit leichter Briese besser. Pferdeäpfel sollten regelmäßig von der Weide entfernt werden da sie beliebte Treffpunkte bilden.
Nach dem Reiten sollte ein geschwitztes Pferd nicht direkt raus. Es sollte abgeduscht werden oder genügend Zeit haben um abzukühlen. Die Ausdünstungen von einem geschwitztem Pferd sind besonders verlockend für die Blutsauger.
Fliegenstirnbänder oder Masken schützen die Augen, manche Masken gehen sogar bis zu den Nüstern.
hkm-fliegenschutz
Bei allen Repellentien sollte immer auf die Wirkdauer geachtet werden. Wichtig dabei sind auch die Umwelteinflüsse (Regen, Temperatur) und das natürlich Verhalten des Tieres (Schwitzen, Wälzen etc.). Egal ob Repellent oder Insektizit, wenn möglich sollte man versuchen, Pferd und Reiter auf natürliche Weise gegen Parasiten zu schützen. Auch dabei sollte auf Verträglichkeit für das Pferd geachtet werden. Beides sollte stehts bedacht eingesetzt werden, da sie bei falscher Anwendung sowohl negative Auswirkungen auf Pferd und Halter als auch auf die Umwelt haben können.

Ein mega tolles Produkt mit dem Wirkstoff Deet ist unserer Meinung nach (selber getestet und als das BESTE empfunden) das Carr & Day & Martin Fliegenspray Flygard Extrastark. Es ist in der ergiebigen Alu-Flasche und daher kommt man wirklich lange damit hin. Es ist geräuschärmer und perfekt für schreckhafte Pferde geeignet. Oder ideal auch für Pferde die sich nicht gerne einsprühen lassen. Der Sprühnebel ist fein und wirklich wirksam!!
Ihr erhaltet es hier: Carr Day Martin Fliegenspray Flygard Extra stark

Quelle: Equitrends Ausgabe 04/2016

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