Wichtige Regeln für ein gutes Stallklima

In öffentlichen Reitställen kommen viele Pferdemenschen zusammen und das diese nicht immer einfach im Umgang sind, habt ihr bestimmt auch schon erfahren.

Reiter verschiedensten Alters, unterschiedliche Reitweisen und Charaktere, ungleiche Ausbildungsstufen und natürlich auch verschiedene Meinungen prallen aufeinander. Wenn man da nicht aufpasst, ist das gute Stallklima schnell gefährdet. Dabei möchten wir doch eigentlich eine schöne Zeit am Stall verbringen und den stressigen Alltag hinter uns lassen. Schliesslich ist das unsere Freizeit…. Wenn jeder etwas Rücksicht nimmt und es klare Regeln gibt, steht einem harmonischen Miteinander normalerweise nichts mehr im Wege.

Es gibt da von der FN ein sehr schönes Plakat zum runterladen oder bestellen: 10 goldenen Stall – Regeln für ein gutes Klima
hier gehts zum kostenlosen Download  https://www.pferd-aktuell.de/shop/index.php/cat/c103_Poster—Postkarten.html


Diese besagen in Kurzform:

  1. Freundlich „Guten Tag“ und „auf Wiedersehen“ sagen.
  2. Stall- und Bahnregeln erkennen und einhalten.
  3. Auch mal unaufgefordert helfen.
  4. Rücksicht auf schwächere Reiter/innen nehmen.
  5. Missstände ansprechen und klären.
  6. Auch um das Wohl anderer Pferde verantwortlich fühlen.
  7. Tratschen und kichern hinter dem Rücken ist tabu.
  8. Zusammen Feiern und Freundschaften pflegen.
  9. Jeden Neuankömmling freundlich aufnehmen, egal aus welcher Sparte.
  10. Kam es doch mal zu Knatsch, in Ruhe drüber sprechen.

Normalerweise sollte das, für Jeden im Umgang mit anderen Menschen, selbstverständlich sein. Das dies aber nicht unbedingt immer ist, sieht und hört man in den Reitställen leider öfter. Die meisten sind hauptsächlich auf ihr eigenes Wohl bedacht und tragen damit nicht unbedingt zu einem guten Stallklima bei. Solche Personen sollten freundlich darauf hingewiesen werden, wie ihr Verhalten den anderen gegenüber wirkt und das jeder am Stall, egal ob Pferdebesitzer oder Reitbeteiligung, Trainer oder Schulpferdereiter, Turnier- oder Freizeitreiter,  gleichberechtigt ist. Dazu muss es klare Regeln geben die für alle gleichermaßen zutreffen.

Wenn ihr mit etwas nicht einverstanden seid oder euch benachteiligt fühlt, sprecht mit dem Verantwortlichen darüber und macht vielleicht sogar Vorschläge wie man es besser machen könnte. Die Stallbesitzer oder diejenigen, die für Ordnung sorgen sollen, sind bestimmt dankbar für Anregungen. Dazu kann man sich mit der ganzen Stallgemeinschaft regelmäßig zusammen setzen und diese Angelegenheiten in Ruhe besprechen. So kann auch jeder der Anwesenden direkt seine Meinung dazu äußern. Damit dies in guter Atmosphäre geschieht, könnte man zum Beispiel eine Kleinigkeit zu Essen machen (jeder bringt etwas mit) oder es anderweitig gemütlicher machen.

Generell tragen kleine Veranstaltungen im Reitstall, öffentlich oder intern, zu einem besserem Miteinander bei. Das können z.B. ein regelmäßiger Stammtisch, Ausritte, Tag der offenen Tür, Grillen, Weihnachtsfeier, Turniere, Stallpartys ect. sein. Vor größeren Veranstaltungen oder als Frühjahrsputz und im Herbst, bieten sich Arbeitseinsätze an. Alle sollten mithelfen, so wie sie können. Dabei lacht man gemeinsam, jeder bringt wieder eine Kleinigkeit zu Trinken oder zu Essen mit und nach getaner Arbeit lässt man den Tag gemütlich ausklingen. Hierbei sollten nicht immer nur die gleichen helfen, sondern ALLE mal mit anpacken. Natürlich kann es sein, dass nicht immer alle an dem vereinbarten Termin können, doch sollte es auf Dauer ausgeglichen sein. Ansonsten kommt es wieder zu bösen Spannungen untereinander.

Um dem zu entgehen, kann man Regeln aufstellen oder es direkt vertraglich festhalten, dass für den Verein/Reitstall eine bestimmte Anzahl von Stunden im Monat oder Jahr geleistet werden müssen. Können diese nicht geleistet werden, ist eine bestimmte €-Summe zu zahlen, die in die Vereinskasse geht. Davon können dann wieder benötigte Dinge für den Stall gekauft werden.

Wo wir gerade bei Regeln sind, ist es von Vorteil auch einen Hallenplan zu entwerfen. In vielen großen Ställen gibt es den bereits. Dieser ist wichtig, wenn es viele Reiter und auch verschiedener Disziplinen sind, die sich die Halle teilen. So kann man bestimmte Zeiten z.B. für die Springreiter machen, wo Sprünge aufgebaut werden können, ohne die anderen Reiter zu stören. Diese Zeiten können offen oder geschlossen sein, je nach Hallengröße und Anzahl der Reiter. So wird verhindert, dass sich die verschiedenen Reitdisziplinen in die Quere kommen und es so zu Stress kommt. Genauso muss geregelt sein ob Longiert werden darf wenn andere Reiter in der Halle reiten. Oder ab wie vielen Reiter in der Halle nicht mehr longiert werden darf usw. Umso klarer alles geregelt ist, umso ruhiger läuft alles ab.

Natürlich kann man nie alles genau planen und absichern. Wenn es zu Stress untereinander kommt, sollte in Ruhe darüber geredet werden können und das zeitnah bevor sich so viel anstaut, dass irgendwann die Bombe platzt. Jeder kann mal Fehler machen oder im Unrecht sein. Wichtig ist nur, dass man vernünftig darüber spricht und der andere im Gegenzug auch gut gemeinte Kritik, Vorschläge annimmt. Andersherum gibt es immer Situationen in denen man nicht gleicher Meinung mit einem anderen Stallkollegen ist. Sei es in Kleinigkeiten, bis hin zur Ausbildung des Pferdes. Hier ist es manchmal von Vorteil seine Meinung für sich zu behalten, solange es dem Pferd dabei gut geht! Wir Reiter sind halt nicht immer gleicher Meinung und das sollten wir auch akzeptieren.

Anders sieht es aus, wenn die Gesundheit des Pferdes gefährdet ist. Dann solltet ihr im Zweifelsfall auch zum Stallbetreiber o.ä. gehen und mit ihm darüber sprechen. Im schlimmsten Falle muss man dann entsprechende Konsequenzen ziehen. Ansonsten sollten wir uns immer vor Augen führen, dass wenn das Strallklima schlecht ist, unsere Pferde die tatsächlich leidtragenden sind. Auch wenn wir Jemanden vielleicht nicht so gut leiden können … sollten wir es nicht gegen das Wohl unserer Pferde ausfechten. Bringt das Pferd trotzdem mit raus auch wenn ihr mit dem Besitzer nicht ganz grün seid. Das Pferd versteht es nicht und hat es auch nicht verdient schlecht behandelt zu werden. Denkt immer daran, ihr seid wegen eures Pferdes da, welches ihr liebt! 😉  …und behandelt fremde Pferde so wie ihr es gerne hättet dass eure Pferde von fremden behandelt werden!

Silvana Wessig das Horseland-Team und war bis 2013 als Bereiterin in Australien tätig. Sie bietet (neben ihrer Beschäftigung bei Horseland) mobilen Reitunterricht und Beritt an. Sie berät Sie sehr gerne bei Problemen und Fragen rund um das komplexe Thema PFERD.
Posts published: 57

4 comments

  1. Danke für diesen Beitrag, sehr gute Regeln! Das Plakat ist auch sehr schön. Das Stallklima macht echt viel ausm den Unterschied merkt man sofort!
    LG Sophie

    1. Marika Moga sagt:

      Liebe Sophie, danke für dein Feedback!! Wenn jeder auf ein gutes Stallklima achtet und stets freundlich zu den Miteinställern und Pferden ist, dann dem guten Stallklima nichts im Weg!!
      Liebe Grüße, Marika

  2. Eva Zehetgruber sagt:

    Mir fehlt: Der Stall ist nicht der Ort, an dem du deine privaten Streitereien ausfechten solltest. Privates kläre im Privatbereich!

    1. Marika Moga sagt:

      Liebe Eva, vielen Dank für dein Statement.
      Wo viele Menschen aufeinander treffen bleibt es nicht aus, dass man sich nicht versteht oder Streitereien aufkommen. Daher denke ich dass es fast normal, ist wenn auch im Stall Streit aufkommt. Vorallem weil es Freizeit ist… Wir meinten hauptsächlich den Freizeitbereich, nicht den privaten Bereich. Denke wenn Streit im Stall aufkommt, ist es wegen dem Pferd, der Haltung, des Reitens und wegen Lästereien… Oder ? Und nicht wegen privaten Problemen etc…. Viele haben aber nicht nur im Stall kontakt mit den anderen Einställern, sondern auch privat kontakt. Dann kann man das nicht immer so trennen.. Selbstverständlich hast du Recht dass man das trennen sollte!
      Liebe Grüße, Marika

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