Übergänge Reiten

Übergänge sind das Herzstück der Reiterei und Prüfstein für die Ausbildung von Pferd und Reiter. Schon aus diesem Grund sollten Übergänge einen festen Platz im Trainingsalltag haben. Mit korrekt gerittenen Übergängen fördern wir bei unserem Vierbeiner Losgelassenheit, Durchlässigkeit, Balance und eine verbesserte Lastaufnahme. Außerdem machen Übergänge das Pferd aufmerksamer und verlangen vom Reiter eine gefühlvolle Abstimmung der Hilfen – sprich „halbe Paraden“.

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Übergänge Reiten – Was ist gemeint?

Unter dem Begriff „Übergang“ verstehen wir beim Reiten den Wechsel von einer Gangart in die andere sowie Übergänge (Tempounterschiede) innerhalb einer Gangart. Übergänge werden durch eine Folge von halben Paraden vorbereitet, umgesetzt und begleitet.

Dabei unterscheiden wir zwischen einfachen, halben und schweren Übergänge:

1. Einfache Übergänge sind die in die nächst höhere oder niedrigere Gangart.
2. Halbe Übergänge sind Übergänge innerhalb der Gangart, etwa vom Arbeits- zum Mitteltrab.
3. Schwere Übergänge sind z.B. Schritt-Galopp und Trab-Halten. Sie verlangen erste Versammlung.

Einfache Übergänge“ vom Schritt zum Halten, vom Schritt in Trab, vom Trab in den Galopp und umgekehrt lösen das Pferd und werden bereits in E- und A- Dressuren abgefragt.
Ab 2* A- Dressuren kommen dann schon die „Schweren Übergänge“ wie Trab-Halten (z. T. schon in 1* A- Dressuren) sowie Galopp-Schritt und Schritt-Galopp dazu. Ab Klasse L werden dann korrekte einfache Wechsel (Galopp-Schritt-Galopp) verlangt. Diese Übergänge dienen schon der Hinführung zu versammelnden Übungen und somit zur weiterführenden Ausbildung.

Übergänge innerhalb der Gangart („Halbe Übergänge„), also Arbeitstrab-Mitteltrab und Arbeitsgalopp-Mittelgalopp sowie die Vorstufe – Tritte und Sprünge verlängern – werden in einer A- Dressur abgefragt und gelten als Prüfstein der Schwungentfaltung. Mir diesen Übergängen können wir auf Dauer den Bewegungsablauf im Trab und Galopp verbessern. Ein verbessertes Gleichgewicht mit besserer Selbsthaltung ist das Ergebnis.

Tempounterschiede können wir ansatzweise schon von jungen Pferden verlangen, in dem wir in jeder Gangart einige Tritte zulegen und wieder zurücknehmen, ohne dass der Takt dabei verloren geht. Junge Pferde werden dadurch schön dynamisch. Ab Klasse L und höher kommen dann noch weitere Tempiunterschiede dazu (z.B. versammelter Trab – Mitteltrab – starker Trab). Hier zeigt sich dann, ob das Pferd gerade gerichtet ist. Wird es beim Zurücknehmen schief und weicht aus, hat es noch Defizite.

Sinn und Zweck von Übergängen

Da Pferde von Natur aus vorhandlastig gebaut sind, ist es unser Ziel ihre Körperbalance zu schulen. Durch das Reiten von Übergängen nimmt das Pferd mit der Zeit mehr Last mit der Hinterhand auf und gewinnt dadurch mehr Schulterfreiheit, einen lockeren Rücken und lässt den Hals zwanglos fallen. Wechseln wir häufig zwischen den Gangarten, werden ständig andere Muskeln beansprucht, die das Pferd locker machen. Reiten wir dagegen ständig im Einheitstempo, werden die Muskeln einheitlich beansprucht und lassen das Pferd eher ermüden.

Vor allem in der Lösungsphase kann durch das Reiten von Übergängen die Durchlässigkeit des Pferdes enorm verbessert werden. Gleichzeitig sind Übergänge immer der Prüfstein für die Durchlässigkeit. Im Verlauf einer Trainingseinheit und auch der gesamten Ausbildung sollten die Übergänge mit zunehmender Losgelassenheit und Gymnastizierung an Geschmeidigkeit und Fluss gewinnen.
D. h. das Pferd bleibt vor, während und nach dem Übergang im Gleichgewicht und an den Hilfen des Reiters, die immer feiner und unsichtbarer gegeben werden können. Besonders in den Übergängen zeigt sich, ob der Reiter das Zusammenwirken der Hilfen verstanden hat und situativ umsetzen kann.

Besonders wertvoll sind „einfache“ Übergänge vom Trab zum Galopp und zurück und sollten daher öfter in die Trainingseinheit eingebaut werden. Richtig geritten bewirken sie eine verbesserte Rückentätigkeit und Losgelassenheit, weil sich im Galopp beide Stränge des Rückenmuskels nahezu gleichzeitig dehnen und wieder zusammenziehen, im Trab dagegen wechselseitig.

Übergänge zwischen Schritt und Trab sind super um die Feinabstimmung zwischen Reiter und Pferd zu verbessern…  Nach der Lösungsphase geritten, in sehr kurzen Abständen, fördern wir die Aufmerksamkeit und bringen das Hinterbein in Schwung. Sie helfen, das Pferd geschlossener zu bekommen und damit die versammelnde Arbeit vorzubereiten.

Tempounterschiede sollten ebenso frühzeitig mit ins Training eingebunden werden, denn zum einen verbessert der Reiter sein Bewegungsgefühl sowie die Abstimmung der Reiterhilfen und zum anderen bekommt er wertvolle Informationen über die Durchlässigkeit seines Pferdes. Außerdem verbessern Tempounterschiede neben der Schwungentfaltung auch die Selbsthaltung.

Qualität an erster Stelle

Aus Sicht der Bewegungslehre sollten korrekte Übergänge folgende Kriterien erfüllen: Das Gleichgewicht, also die Bewegungsübertragung innerhalb des Pferdes von hinten nach vorne und zurück, muss ebenso erhalten bleiben wie der Bewegungsrhythmus und der Bewegungsfluss. Es ist also die Hinterhand, die den Übergang einleitet und steuert. Für den Betrachter von außen ergibt sich dann ein harmonisches Bild mit weichen, fließenden Bewegungen. Wird der Übergang so geritten, dient er auch der Pferdegesundheit, denn so werden Bewegungsprobleme oder Krankheiten verhindert.

Werden Übergänge nicht korrekt geritten, ist es wie bei allen anderen Lektionen auch: Sie schaden mehr als dass sie nutzen. Deshalb kann man mit ihnen auch die korrekte Ausbildung überprüfen. Die wahre Rittigkeit eines Pferdes zeigt sich z.B. durch das Einleiten einer Trabverstärkung und dem Zurückführen. Man kann also sagen: Übergänge sind die Momente der Wahrheit.
So kommt es dazu, dass der Pferdekörper negativ belastet wird, wenn ein Pferd von Gangart zu Gangart, bei Übergängen innerhalb einer Gangart oder auch von Lektion zu Lektion vorrangig durch zu starke Zügelhilfen zu Übergängen veranlasst wird, anstatt durch das feinfühlige Zusammenwirken aller Hilfen.

Wie wir die verschiedenen Übergänge korrekt reiten und am besten in die Trainingseinheit einbeziehen, erfahrt ihr im zweiten Teil „Übergänge richtig reiten *2“.


Weitere wertvolle Tipps für die Ausbildung des Reitpferdes findet ihr hier: Losgelassenheit ist nicht gleich Entspannung.

 Nun freuen wir uns auf euer Feedback, liebe Grüße von eurer Silvana

Silvana Wessig das Horseland-Team und war bis 2013 als Bereiterin in Australien tätig. Sie bietet (neben ihrer Beschäftigung bei Horseland) mobilen Reitunterricht und Beritt an. Sie berät Sie sehr gerne bei Problemen und Fragen rund um das komplexe Thema PFERD.
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