Stroh – das Ur-Mineralfutter für Pferde

Stroh ist vielmehr als einfach nur Einstreu. Früher war es eine wertvolle Futterkomponente, die gezielt in der Pferdefütterung eingesetzt wurde. Zu recht, denn Stroh zeichnet sich durch einen hohen Raufaser- aber geringen Eiweißgehalt aus, verbessert die Verdauung, liefert Energie und kann eine gute Mineralstoffquelle sein. Deshalb ist Stroh neben dem Heu ein wichtiger und fast unverzichtbarer Bestandteil der Pferdefütterung.

Der Stellewert von Stroh in der Pferdefütterung

Die am häufigsten verwendeten Strohsorten sind Haferstroh, Gerstenstroh und Weizenstroh. Roggenstroh eignet sich, aufgrund des hohen Gehalts des Bitterstoffes Lignin, nicht so gut für die Pferdefütterung.
Haferstroh ist am besten als Futterstroh geeignet, da es einen hohen Energie-, Zink- und Siliziumgehalt hat. Wenn wir 3kg Haferstroh füttern, stehen unserem Pferd etwa 16 Megajoule Energie zur Verfügung, die leicht ein Kilogramm Hafer ersetzen können. Außerdem verfügt Stroh über eine interessante Mineralienzusammensetzung. So liegt der Zinkgehalt im Haferstroh bei 70 Milligramm pro Kilo.

Da der Rohfasergehalt im Stroh recht hoch ist und ein Großteil aus unverdaulichem Lignin besteht, können die Pferde die Mineralien nur dann richtig aufnehmen und verwerten, wenn das Stroh fein gehäckselt ist. Das war wohl früher in der Pferdefütterung gang und gäbe. Hier sollten wir aber beachten, dass die Häcksel zum Verfüttern mindestens 3 bis 5 cm Länge haben. Kürzere Häcksel können zu Schlundverstopfungen führen. Das sind dann u.a. Strohprodukte, die mechanisch verkürzt wurden und im Handel als „Strohhäcksel“ oder „Strohmehl“ angeboten werden. Sie verfügen über eine gute Saugkraft und werden gerne als Einstreu eingesetzt.

Stroh Ballen

Wie viel Stroh darf gefüttert werden?

Da Stroh schwerer verdaulich ist als Heu, sollten wir nicht mehr als 0,8 Kilogramm Stroh je 100 Kilogramm Körpergewicht füttern da es sonst zu Verstopfungskoliken kommen kann. Wenn unser Pferd von allein sehr viel Stroh aus der Einstreu aufnimmt, sollte aus Sicherheitsgründen auf eine andere (nicht fressbare) Einstreu ausgewichen werden und gezielt nur die Menge an Stroh zusätzlich zum Heu angeboten werden, die es auch wirklich fressen darf.

An dem Punkt möchte ich erwähnen, dass das Stroh auch eine Beschäftigung gegen Langeweile und somit gegen Verhaltensstörungen oder andere Unarten bietet. Pferde die lange Zeit in der Box stehen, wühlen gern mit der Nase im Stroh und knabbern an den Halmen herum um ihr immenses Kaubedürfnis zu befriedigen und sich die Zeit zu vertreiben. Aus diesem Grund sollten auch Pferde die bewusst auf nicht fressbarer Einstreu stehen, wenigstens etwas Stroh zum Knabbern zur Verfügung haben. Gründe, warum Pferde nicht mit Stroh eingestreut werden gibt es mehrere. Wenn Pferde allergisch auf Stroh bzw. den Staub reagieren, sollte am besten Heu zur freien Verfügung angeboten oder wenigstens dreimal am Tag gefüttert werden.

Qualität ist eine Grundvorraussetzung 

Selbstverständlich sollte beim Stroh, genauso wie beim Heu, auf die gute Qualität geachtet werden. Das Stroh muss trocken sein, eine gold/gelbe Farbe haben, angenehm & aromatisch duften und nicht groß stauben. Muffig-staubiges, graues oder sonstwie verfärbtes, sowie klammes Stroh zeugt für Verpilzung und sollte nicht verfüttert oder eingestreut werden. Solche Verunreinigungen können bei Pferden schnell zu Leber-, Atemwegs- und Darmerkrankungen führen.

Stroh Ballen

Wollen wir Stroh ausschließlich zum Einstreuen verwenden, eignet sich am besten Gersten- und Weizenstroh, da sie eine höhere Saugkraft besitzen als Haferstroh. Desweiteren gibt es einen Unterschied zwischen Lang- und Kurzstroh. Langstroh ist sehr staubarm, aber ist nicht so saugstark wie Kurzstroh. Außerdem ist der Aufwand beim Ausmisten größer als bei der kürzeren Variante. Desto kürzer das Stroh umso mehr saugt es.
Allerdings sollten wir, wie oben schon beschrieben, auf sehr kurzes Stroh verzichten wegen der Gefahr von Darm- und Schlundverstopfungen. Am besten eignet sich ein Mittelding zwischen Kurz- und Langstroh zum Einstreuen. Hier besteht auch keine Gefahr wenn es gefressen wird. Wenn sich viel Flüssigkeit in der Box ansammelt, kann man z.B. auch Strohhäcksel unter die Strohmatte streuen um einen größeren Saugeffekt zu haben.

Wie wird Stroh am besten gelagert?

Stroh sollte ausreichend auf dem Acker getrocknet und nicht beregnet werden. Ein einmaliges sorgsames Wenden bei hoher Sonneneinstrahlung und das Pressen in lockere 15-Kilo-Ballen würde Stroh zu einem wirklich guten Pferdefutter machen. Die Lagerung unter dem Dach in trockenen, aber luftigen Scheunen ist der Lagerung von Rundballen-Getreidestroh unter Planen im Freiland vorzuziehen.

Stroh Haufen

Die Strohsorten

Zum Abschluss möchten wir euch noch die verschiedenen Strohsorten im Vergleich vorstellen:

Haferstroh
Das Haferstroh wird von den Pferden fast am liebsten gefressen weil es des öfteren noch ein paar Haferkörner enthält. Es ist auch am besten verdaulich und die langen Stängel bilden eine weiche Einstreu. Die Saugkraft ist dagegen eher gering. Die Herstellung von Haferstroh ist aich recht schwierig, da es leicht Schimmel ansetzt und daher wirklich gut getrocknet werden muss.

Weizenstroh
Das Weizenstroh ist das am häufigsten verwendete Stroh. Die Saugkraft ist im gegenüber den anderen Strohsorten am höchsten und den Pferden schmeckt es auch gut, da es reich an Stärke ist und wenig Bitterstoffe enthält.

Gerstenstroh
Gerstenstroh hat einen hohen Nährwert, allerdings saugt es weniger gut als Weizenstroh. Ein weiterer Punkt ist, dass Gerstenstroh öfter durch Windhalme verunreinigt ist. Dieses Unkraut wächst öfter auf Gerstenfeldern kann beim Pferd zu Darmverstopfungen führen.

Roggenstroh
Das harte und faserreiche Roggenstroh besitzt ebenfalls gute Saugeigenschaften, bleibt aber trotzdem noch hinter dem Weizenstroh. Es enthält (wie bereits beschrieben) hohe Mengen an Lignin. Dieser Bitterstoff ist der Grund warum Pferde das Roggenstroh auch nicht so gern fressen.

Nun zu EUCH; wie sind eure Pferde eingestallt? Stehen Sie auf Einstreu oder Stroh? Und wieso stehen sie so, gibt es dafür bestimmte Gründe? Berichtet uns davon – wir können auch davon lernen !!

 

Silvana Wessig das Horseland-Team und war bis 2013 als Bereiterin in Australien tätig. Sie bietet (neben ihrer Beschäftigung bei Horseland) mobilen Reitunterricht und Beritt an. Sie berät Sie sehr gerne bei Problemen und Fragen rund um das komplexe Thema PFERD.
Posts published: 55

2 comments

  1. Marika Moga sagt:

    Hallo Birgit,
    ich finde es toll, dass ihr einen passenden Weg für euch gefunden habt. Bei einem Pferd, welches das Stroh „inhaliert“, würde ich es genau so machen. Klappt das Rationen zuteilen bei euch ohne Probleme?

    Liebe Grüße vom Horseland-Team

  2. Birgit sagt:

    Mein Andalusier steht auf Leinstroh. Steht er auf Stroh, so schlingt er einfach seine Einstreu in sich rein. Er ist da einfach nicht zu bremsen. Daher haben wir dann irgendwann entschieden, dass es besser ist, wenn er seine Ration zugeteilt bekommt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Schnapp' Dir unseren kostenlosen Guide!

"Die 10 häufigsten Fehler beim Springreiten und wie DU sie vermeiden kannst"

We respect your privacy.
Suchen

Copyrights © 2017 PFERDEWIESE. All Rights Reserved. Design: kathrinpyplatz.com