Schicksal Pferd – Eine lustige Geschichte

Lustige Kurzgeschichten für Reiter
Heute haben wir mal etwas anderes für euch. Ich habe bei der FN ein amüsantes Buch gefunden: Schicksal Pferd – des Reiters Freud, des Partners Leid. Es beschreibt den Alltag von Menno Kalmann, der mit einer begeisterten Dressurreiterin verheiratet ist und selber eigentlich nichts mit Pferden am Hut hat.

Dieses Buch hält uns Pferdeliebhaberinnen einen Spiegel vor, denn wir finden uns irgendwann alle darin wieder. Ich hatte einen Heidenspaß beim Lesen! Ich habe mal zwei Kurzgeschichten aus dem Buch für euch herausgesucht. Viel Spaß beim Lesen! 😀
Auf dem Turnier

Erschrocken fahre ich hoch und schlage auf den Wecker. Sonntagmorgen, 4.30 Uhr. Es muss ein Irrtum sein. Hat die Winterzeit begonnen? Steht der Beginn einer Ferienreise an? Oder habe ich Fieber und es ist bereits halb 5 nachmittags?

Meine Frau sieht mich an, auch sie erschrocken, sinkt dann erschöpft in die Kissen zurück und befiehlt im Telegrammstil: Du fütterst, ich zieh mich an, dann flechte ich. Da fällt es mir wieder ein: Ich bin mit einer Verrückten verheiratet, die nicht nur sich selbst, sondern auch ihre gesamte Umgebung mit ihrer Freizeitbeschäftigung terrorisiert.

Als ich die erstaunten Pferde gefüttert habe („Ist es schon so spät?) und durchgefroren vor meiner Tasse Kaffee sitze, kommt der Portier eines gediegenen englischen Hotels die Treppe hinunter, in einem lächerlichen Frack und mit einem Zylinder auf dem Kopf, der sich bei näherer Betrachtung als meine Frau zu erkennen gibt – „Sitzt mein Haarknoten auch gut?“ Und wehe, wenn man dann, in so einem wichtigen Moment einen Scherz macht.

Pferdebegeisterung ist eine genetische Abweichung und ist man nicht pferdebegeistert, gilt man an Wettkampftagen plötzlich nichts mehr. Hat man sich die ganze Zeit über für eine respektable Person gehalten, die einen guten und wichtigen Job erledigt und sich in einer Partnerschaftsbeziehung befindet, in der man höflich und mit Respekt behandelt wird – am Tag des Turniers wird man dann plötzlich zum Fußabtreter degradiert, zu einem infantilen Trottel, der sich den ganzen Tag lang herumkommandieren und beschimpfen lassen muss, dem man unangenehme Aufgaben überträgt und der offenkundig an allem und jedem die Schuld trägt.

Rasend vor Wut sieht sie mich an. „Warum regnet es jetzt, verdammt!“ Ich murmele eine Entschuldigung und versuche mich in meine Kaffeetasse zu verkriechen. „Hast du auch das Fliegenspray ins Auto gepackt?“ Ich springe sofort auf. „Nein“, faucht sie „bleib du nur sitzen. Ich mache es lieber selbst, wie immer!“

Endlich sind wir unterwegs. Sie fährt, natürlich. Ich bin in diesem Moment weniger als ein Nichts, oder schlimmer: ein Klotz an ihrem Bein, der ständig dumme Dinge von sich gibt, wenn pferdevernarrtes Publikum dabeisteht. Einer, der nie die Frage beantworten kann, was für eine Abstammung das Viech hat (für mich stammt es von den Ponydinosauriern ab). Doch Scherze werden nicht geduldet und später äußerst hart bestraft. „Es ist noch ziemlich früh, was?“, wage ich einen vorsichtigen Versuch, doch ich werde totgeschwiegen. Ist die wütend oder bloß nervös?

Nach einer guten Stunde Fahrt biegen wir im Schritttempo auf den Parkplatz. Sie stellt den Motor ab, sieht mich ein paar Sekunden durchdringend an und sagt dann voller Verachtung: „Wehe, wenn du falsch vorliest …“

Meine Frau versucht, leise fluchend, in der Spiegelung der Seitenscheibe des Autos Haarknoten, Hut und Augenbrauen in Form zu bringen. Als ich frage, ob ich vielleicht etwas für sie tun könne, schlägt sie nur wortlos die Augen zum Himmel.

Die erste Prüfung macht sie aus dem Kopf. Ich stehe nervös am Rand und lese für mich leise mit, um gleich im Anschluss lobende Kritik äußern zu können. „Die Schlangenlinie war super“, rufe ich und strecke den Daumen hoch. Doch die war überhaupt nicht dabei gewesen, wie sich hinterher herausstellt – ich habe falsch abgelesen. Meine Frau lässt ihren Blick über das Gelände schweifen, als ob sie jeden gut kennen würde, jeden außer mir.

Die zweite Prüfung lese ich laut vor, dabei das richtige Mischungsverhältnis aus untertänig, hilfsbereit, führungsstark und routiniert suchend. Sehr viel später, als ich zermürbt im Anhänger sitze und warte, öffnet sich plötzlich die Tür, und sich sehe eine orange und rote Schärpe (in den Niederlanden bedeutet die orangefarbene Schleife den Sieg, die rote Schleife steht für den zweiten Platz) sowie einen undefinierbaren silbernen Gebrauchsgegenstand auf mich zuschweben. „Hast gut gelesen!“, sagt sie, umarmt mich und gibt mir einen Kuss. Ich bin froh, dass ich ihr auch dieses Mal wieder eine echte Hilfe gewesen bin.

Wenn euch diese Kurzgeschichte gefallen hat, solltet ihr den Blogbeitrag vom 16.06.2016;  Der TT (Turnier-Trottel) unbedingt lesen 😆 http://pferdewiese.com/der-tt-turnier-trottel/

Fortpflanzung

Mit zweihundert Stundenkilometer raste ich, die Gefahr der Beschlagnahme und Stilllegung meines Autos ständig vor Augen, auf dem letzten Stück Landstraße nach Hause. Auf dem Rücksitz stand eine Kühlbox, die eine Styroporschachtel mit einem Röhrchen Glibber enthielt, der pro Gramm achtmal so viel kostet wie unverschnittenes Heroin.

Pferdehaltung ist nun einmal teuer und deshalb war sich meine Frau sicher, dass noch ein weiteres Pferd dazu kommen sollte. Denn schließlich muss man in sechs Jahren ja auch noch etwas zu füttern und auszumisten haben.

An diesem Morgen fuhren wir mit Anhänger und Stute zum Pferdedoktor. Der zog diese Handschuhe an, sie man derzeit auch bei der Tankstelle bekommt, damit kein Benzin auf die Hand tropft. Doch bei ihm reichten sie bis zu den Schultern – eine Art Schaftstiefel für die Arme. Was hatte der Mann vor?

Hand und Handgelenk verschwanden in unserer ächzenden Stute, was ich schon ein wenig gruselig fand. Es folgten Ellbogen und Unterarm, wobei der Doktor mit seiner selbst gedrehten Zigarette fast ein Loch in das Hinterteil der wimmernden Stute gebrannt hätte. „Da sitzt ein hübsches kleines Ei“, lautet die Diagnose, „du kannst losfahren!“

Ich sprang also ins Auto und fuhr von Holland Richtung Oldenburg. Es war das zweite Mal, dass ich nach Deutschland musste, um Samen zu holen, und das sechste Mal, dass die Stute besamt wurde. Die ersten vier Male wurde der Samen von einem Kurier bei uns zu Hause abgeliefert, meist um halb 5 nachmittags, sodass ich immer wieder auf einen sinn voll verbrachten Tag zurückblicken konnte, an dem ich ab 9 Uhr morgens zähneknirschend am Fenster gesessen und auf ihn gewartet habe. Es wurde ein festes Programm: zuerst mit der Stute zum Hengst, um sie dann mit einem enormen Radau, Sich-Aufbäumen und Gebrüll aneinander riechen zu lassen, danach der Trick mit dem Verschwindenlassen des tierärztlichen Oberarms – Hurra, ein Ei! – und schließlich die Kommunikation mit Oldenburg und der Kurier. Doch leider: Jedes Mal ging irgendetwas schief und ich hoffte bereits im Stillen, dass die Sache im Sande verlaufen würde.
Eine Pferdefrau lässt sich jedoch nicht so leicht unterkriegen und so wurde ich an einem Montagmorgen – montags brauche ich glücklicherweise nie zu arbeiten – aus dem Bett gezerrt: „Sie ist rossig, wir fahren nach Oldenburg!“ Der diesem Ausspruch zugrunde liegende Gedanke war der, dass Samen, der nur sechzehn Meter vom Hengst zur Stute zurückzulegen hat, mehr Motivation besitzen würde als Samen, der, noch benommen von seiner Todesfahrt durch halb Europa, seinen Dienst versehen muss.

So standen wir also in einem langen Stau auf der Autobahn, mit einem hin und her schaukelnden Anhänger, in dem ein gelangweiltes Pferd stand und herumscharrte, und schlugen die Zeit damit tot, uns hübsche Pferdenamen auszudenken, die mit einem W anfangen.

Im Stall in Oldenburg sahen wir dann berühmte Reiterinnen auf kleinen Fahrrädern herumfahren sowie Stallburschen in makellosen Uniformen, und man bereitete uns einen Empfang wie in einem Fünfsternehotel. Ich fühlte den Pulsschlag meines Portemonnaies bereits steigen. Eine strenge, aber gerechte Frau ging vor unserer Stute her und brachte sie in ihren Luxusstall mit Minibar, Pay-TV und Blick auf den angrenzenden Park – alles sehr sauber und gepflegt. So müsste es klappen, fanden wir, und nahmen Abschied, nachdem wir unserer Stute etwas Taschengeld gegeben und ihr noch einmal eingeschärft hatten, früh schlafen zu gehen. „Und“, so fügten wir hinzu, „nicht mit den anderen Pferden auf den Putz hauen, hörst du, und immer hübsch brav eine Antwort geben, wenn du etwas gefragt wirst – wir sind hier schließlich in vornehmer Gesellschaft!“

Hoffentlich hattet ihr Spaß beim Lesen, ich musste dauernd schmunzeln, denn es kommt mir einiges seeeehr bekannt vor  😳 
Kennt ihr ähnliche Geschichten oder Bücher die ihr uns empfehlen möchtet? Dann her damit ….
Eure Silvana 

Silvana Wessig das Horseland-Team und war bis 2013 als Bereiterin in Australien tätig. Sie bietet (neben ihrer Beschäftigung bei Horseland) mobilen Reitunterricht und Beritt an. Sie berät Sie sehr gerne bei Problemen und Fragen rund um das komplexe Thema PFERD.
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