Saisonabschluss – Nach der Turniersaison ist vor der Turniersaison!

Ab Oktober werden die Turniere weniger und für viele Reiter geht es dann in die Winterpause. Nur wenige nehmen das ganze Jahr über an Turnieren teil. Meistens sind das unsere Spitzenreiter und/oder Berufsreiter, die u.a. hochkarätige Hallenturniere wie die Frankfurter Festhalle besuchen.


Für uns „Normalos“ ist in der Regel im Oktober/November Saisonende. Da wir ja meistens auch nicht so viele verschiedene Pferde zur Verfügung haben, so dass alle zwischendurch ihre Turnierpause haben und wir trotzdem jedes Wochende Turnier reiten könnten, ist das auch gut so. Davon abgesehen ist es auch für uns Reiter gut mal Pause zu haben und abschalten zu können. Außerdem ist die Winterpause sehr wertvoll für Pferd und Reiter im Hinblick auf die nächste Saison. Warum? Lest weiter! 😉

Noch ist die Saison in vollem Gange, aber die letzten Turniere sind genannt und es geht in den Endspurt. Jetzt möchte man gern nochmal gute Platzierungen erzielen um selbst zufrieden in die Pause zu gehen,  um das ein oder andere Pferd gut verkaufen zu können oder vielleicht ist sogar noch ein Start in der höheren Klasse geplant. Was auch immer die Beweggründe des Einzelnen sind, im Grunde möchten wir alle das Gleiche … erfolgreich und zufrieden in die Winterpause gehen. Im Idealfall haben wir die Ziele, die wir für die Saison gesetzt hatten, erreicht und das letzte Turnier war der krönende Abschluss. Doch sind wir ehrlich, so traumhaft läuft es bei weitem nicht für Jeden.

Vielleicht kommt es sogar vor, dass wir uns bei den letzten Starts selbst noch unter Druck setzten … „Jetzt muss es aber nochmal klappen!“ … und dann läuft es erst recht schief und wir sind enttäuscht. Versucht doch stattdessen mal ohne Erwartungen in die Prüfung zu gehen, wir haben ja immerhin noch einen sensiblen Partner, der auf unsere Gemütslage sofort reagiert. Und sowieso … je mehr Erwartungen wir haben, umso mehr werden wir enttäuscht, wenn es nicht so gut klappt. An dieser Stelle möchte ich euch mal eine kleine Geschichte von mir erzählen…
Mein Joungster ging letztes Jahr seine erste Turniersaison mit 5 Jahren. Nach anfänglichen Schwierigkeiten war er erfolgreich in Eignung, Springpferde A und A Springen. Zum Ende der Saison bin ich ganz ohne Erwartungen 2 Springpferde L geritten. Auf dem vorletzten Turnier haben wir die Springpferde L ganz überraschend gewonnen. Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Ich bin aber auch ganz ohne Druck in die Prüfung geritten. Beim letzten Turnier wollte ich es nochmal gut machen und hatte natürlich schon die Vorstellung dass es gut werden muss. Das Gegenteil war der Fall. Ich war furchtbar enttäuscht: „So wollte ich die Saison nicht beenden!“ „Hätte ich doch letztes Wochenende aufgehört!“ … Dann sagte mein Freund: „Sieh es doch mal anders. Letztes Wochenende hat er (mein Pferd) dir gezeigt dass er es kann und dieses Wochenende, an was ihr noch arbeiten müsst.“ Ich muss sagen, mir ging es danach besser! Nun hatte ich ein klares Ziel für die Winterarbeit!

Ich finde es wichtig, dass man sich nach der Saison mal mit dem Trainer, Freunden und/oder Familie zusammen setzt und die letzten Monate Revue passieren lässt … Was hat gut geklappt, was nicht? Hat man das Saisonziel erreicht? Wenn nicht, woran könnte es gelegen haben? Waren die Anforderungen (zu schnell) zu hoch? Hat man auf eine falsche Art und Weise trainiert oder nicht die richtigen Möglichkeiten gehabt? Konnte man die Winterpause entsprechend nutzen? Müssen Pferd und Reiter vielleicht noch mehr zusammen wachsen? Ist das Pferd einfach noch jung und unerfahren? Hat man selbst zu viel verlangt? Liegt das Problem bei einem selbst? … Seid ehrlich mit euch selbst und geht wenn nötig lieber nochmal einen Schritt zurück.

Ich musste genau das am Anfang dieser Turniersaison auch tun. Mein Youngster bekam auf einmal in den L Springen ein Vertrauensproblem in Kombinationen. Uns hat aus gesundheitlichen Gründen ein bisschen die Winterarbeit gefehlt und ich durfte Anfang der Saison kaum A Springen reiten. Ich denke das dass für mein noch junges Pferd dann einfach etwas zu schnell ging. Also ritt ich dann für eine Weile nur noch A Springen, bis wir beide wieder unsere Sicherheit zurück hatten. Nun klappt es auch wieder in den L Springen. Allerdings müssen wir im Training vor den Turnieren immer Kombinationen üben … auf ein und auf zwei Galoppsprünge. Habe ich mal nur Einzelsprünge gesprungen, konnte es sein dass er auf dem Turnier in der Kombination wieder gezögert hat. Solche Erfahrungen muss jeder Reiter ganz individuell mit seinem Pferd machen.

Geht nach einem misslungenen Turniertag nochmal in euch … Was habt ihr beim letzten Mal, als es gut geklappt hat, anders gemacht? … im Training, beim Abreiten und in der Prüfung. Oder hat euer Pferd heut vielleicht nur einen schlechten Tag gehabt? Oder auch ihr? Wichtig ist auch auf sein Bauchgefühl zu hören. Ich habe das in dieser Saison zweimal gehabt. Beim ersten Mal hatte ich während des Trainings außerhalb das Gefühl, dass ich unbedingt nochmal Kombination auf ein Galoppsprung üben sollte. Nun stand da aber keine Kombination … ich sagte mir dann: Wird schon gehen. Auf dem Turnier stand dann eine Kombi auf ein Galoppsprung … mein Pferd sprang nicht. Dann habe ich viel Kombi auf ein Galoppsprung geübt und es klappte auch auf dem Turnier wieder. Die Kombinationen waren dann auch fast nur noch auf einen Galoppsprung gebaut und im Training hatte ich länger schon keine Kombi auf zwei Galoppsprünge geritten. Irgendwann im Training kam dann das Gefühl auf: Vielleicht sollten wir nochmal eine Kombination auf zwei Galoppsprünge reiten!? Mein Kopf schaltete sich dazu und sagte: Kombi auf zwei sprang er ja immer. Also übten wir sie nicht mehr. Auf dem Turnier war dann natürlich eine Kombi auf zwei Galoppsprünge und was machte mein Pferd? Er sprang nicht. Ab da an übte ich dann im Trainiung beide Arten von Kombinationen von links und rechts und einmal mit Steilsprung und einmal mit Oxer als Einsprung. Seitdem ist er vor Kombinationen nicht mehr stehen geblieben. Was ich damit sagen möchte ist, hört unbedingt auf euer Bauchgefühl, also das erste Gefühl bevor man anfängt nachzudenken. Es ist meistens das Richtige.

Videoanalysen sind auch sehr hilfreich. Lasst euch auf dem Turnier in der Prüfung filmen und schaut euch danach an wie ihr geritten seid. Was habt ihr gut gemacht und wo lag der Fehler, bei euch oder am Pferd? Nur wenn man wirklich ehrlich erkennt woran es gelegen hat, kann man im Training daran arbeiten. Und das ist euer Ziel für die Winterarbeit. Ihr müsst wissen was ihr verbessern wollt und was eure Ziele für die nächste Saison sind. Das kann sein: einfach nur mehr Sicherheit und Routine in der gleichen Klasse wie dieses Jahr bekommen, eine Klasse höher starten und dementsprechend Sicherheit (im Springen) bei der Höhe bekommen und bei der Linienführung, in der Dressur neue Lektionen erarbeiten. Das Pferd soll rittiger werden (erreicht man gut mit Cavalettiarbeit auf verschiedensten Linien ( gerade und gebogen) und wo man die Galoppsprunganzahl variieren muss …), auch für Dressurpferde ist Cavalettiarbeit und leichte Springgymnastik sinnvoll. Für mehr Kraft und einen besseren Sprungablauf beim Springpferd solltet ihr öfter Gymnastikreihen ins Training einbauen. Auch um Vertrauen zur Höhe zu bekommen machen sich passend gestellte Reihen super.

Achtet auf genügend Abwechslung in der meist eintönigen Winterarbeit. Egal ob Dressur- oder Springpferd. Beide Sparten sollten neben dem Lektionen üben oder (Parcous-) springen auch ins Gelände gehen, mal an der Longe oder Doppellonge gearbeitet werden, Cavalettiarbeit und Springgymnastik absolvieren oder auch mal Bodenarbeit machen. Je vielfältiger ihr euer Pferd im Winter arbeitet, umso fitter, rittiger und motivierter startet es in die nächste Turniersaison!!
Und als Dank, dass euer Pferd meistens sein Bestes gibt und euch weiterhin immer auf die Turniere begleitet 😆 hat es eine Pause verdient. Gebt ihm ruhig mal eine kleine Auszeit bevor ihr das Wintertraining aufnehmt. Mit kleine Auszeit meine ich aber nicht; sperrt es 24 Stunden in eine Box ein, auch im Winter sollte es wenigstens ein paar Stunden draussen an der frischen Luft Pferd sein dürfen und sich dort vom Turnier erholen! Nicht nur ihr, auch euer Pferd braucht mal Zeit wo es ein wenig die Seele baumeln lassen kann. Lasst ihm einfach mal ein paar Tage frei oder geht nur ins Gelände oder longiert locker, aber kein hartes Training. In der Regel klappt es nach einer Pause sowieso wieder besser.

Nun seid ihr an der Reihe; Was habt ihr in dieser Turniersaison erlebt und gelernt? Wie geht es nun für euch weiter? Was sind eure Ziele und wie möchtet ihr diese umsetzen? Wir sind total gespannt auf eure Geschichten und können bestimmt auch von euch etwas lernen !

Silvana Wessig das Horseland-Team und war bis 2013 als Bereiterin in Australien tätig. Sie bietet (neben ihrer Beschäftigung bei Horseland) mobilen Reitunterricht und Beritt an. Sie berät Sie sehr gerne bei Problemen und Fragen rund um das komplexe Thema PFERD.
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