Ostheopatie, Physiotherapie, Chiropraktik beim Pferd

Was in der Humanmedizin und im Sport kaum mehr weg zu denken ist, kommt auch im Reitsport immer mehr zum Einsatz. Die Beanspruchungen bei Sportpferden steigen stetig an und auch im Freizeitbereich treten immer wieder Probleme auf. Die Pferdeosteopathie, Pferdephysiotherapie und Chiropraktik für Pferde könnte hier die richtigen Antworten haben. Der Pferdekörper ist unglaublich komplex. Ursachen für Erkrankungen liegen häufig in ganz anderen Körperabschnitten als vermutet. Um dieser Komplexität gerecht zu werden, bedarf es einer ganzheitlichen Therapieform.

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Für den Pferdebesitzer ist es oft schwer einzuschätzen, in welchem Bereich des Körpers das Pferd ein Problem hat. Dementsprechend ist es auch schwierig zu entscheiden, welchen Therapeuten man am besten holt. Pferdephysiotherapeut? Pferdeosteopath? Chiropraktiker für Pferde? Jede Technik hat seine Stärken und Schwerpunkte, aber auch Schwächen.Wir möchten hier alle drei Bereiche vorstellen, mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden.

Chiropraktik – Blockaden lösen

Als Chiropraktik bezeichnet man die Diagnose und Behandlung von Schmerzen und Funktionsstörung des Bewegungsapparates. Im Mittelpunkt stehen hierbei das Becken und die Wirbelsäule. Die Behandlung erfolgt über einen gezielten, schnellen Impuls, der aber nie über das normale Bewegungsausmaß hinausgeht. Der Impuls holt seine Wirksamkeit aus der Geschwindigkeit und Genauigkeit der Ausführung. Deshalb hat Pferdechiropraktik nichts mit Reißen an den Beinen zu tun.

Die Pferdechiropraktik behandelt hauptsächlich das Nervensystem, auch wenn der Behandlungsimpuls an den Gelenken stattfindet. Ist die normale Beweglichkeit in den Wirbelgelenken nicht gegeben, kommt es häufig zu Nervenkompressionen. Der Nerv wird an der Wurzel eingeklemmt. Hierdurch kann die Impulsweiterleitung im Nerv gestört werden und das Pferd hat Schmerzen oder Missempfindungen. Diese Störung der Weiterleitung führt dazu, dass die Ursache eines Problems häufig in ganz anderen Körperregionen liegt, als die eigentliche Symptomatik. Die Ursache einer Taktunreinheit kann zum Beispiel in der Wirbelsäule liegen, nicht im Bein.

Im Gegensatz zu Osteopathen und Physiotherapeuten gibt es für Chiropraktiker ein anerkanntes Studium, welches aber in der Regel Tierärzten vorbehalten ist.

Schwächen:

–  Es wird nicht immer im natürlichen Bewegungsspektrum des Pferdes gearbeitet.
–  Wirbel/ Gelenke werden manchmal mehr manipuliert als mobilisiert.
–  Untere Extremitäten werden meist nicht berücksichtigt.

Osteopatie – sanft und ganzheitlich

Pferdeosteopathie ist eine sehr sanfte Heilmethode bei der es darum geht, den Körper des Pferdes als eine Einheit wahrzunehmen, in der alle Strukturen und Organe zusammenwirken und sich gegenseitig beeinflussen. Muskulatur, Sehnen, Bänder, Faszien, Gelenke und Organe können Ursache einer Störung sein. Der Pferdeosteopath führt sowohl seine Untersuchung als auch die Behandlung ausschließlich mit seinen Händen durch. Er ertastet Einschränkungen in der Beweglichkeit der Gelenke und Muskeln und löst diese durch spezielle Techniken. Bei der Pferdeosteopathie geht es nicht nur um die Heilung bestehender Krankheiten, sondern auch um die präventive Gesundheitsvorsorge.

Die Verbesserung der Biomechanik des Bewegungsapparats wirkt sich aufgrund der Verknüpfung aller Strukturen des Organismus in der Folge auch auf das Nerven-, Atem-, Verdauungs- und Herz-Kreislauf-System aus. Die Effekte der osteopathischen Behandlung sind daher ganzheitlich. Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass der Körper sich bei Störungen selbst heilt und er durch den Pferdeosteopathen nur den richtigen Impuls braucht.

Schwächen:

– Es ist möglich, dass vereinzelte Therapeuten auf dem alt erlernten Stand stehen bleiben, da es keine offiziellen Weiterbildungen gibt.
– Evtl. besteht die Gefahr von minder ausgebildeten Therapeuten, da es kein anerkanntes staatliches Studium bzw.  Ausbildung gibt.

Physiotherapie – Leben ist Bewegung

Physiotherapie nutzt als natürliches Heilverfahren die passive und aktive Bewegung des Pferdes und den Einsatz physikalischer Maßnahmen zur Heilung und Vorbeugung von Erkrankungen.

Die Muskulatur ist die Struktur am Pferdekörper, die sich am besten mit Pferdephysiotherapie behandeln lässt. Oft kommt es beim Pferd zu Muskelverhärtungen, Rückenverspannungen oder Muskelverklebungen, hierbei kommen verschiedene Massagetechniken  zum Einsatz. Bei Muskelverkürzungen eignen sich besonders Dehnungen, um die Elastizität der Muskulatur wieder herzustellen.

Bei der Physiotherapie für Pferde ist die Ökonomie und Harmonie des Bewegungsablaufs von entscheidender Bedeutung. Dafür kann der Pferdephysiotherapeut mit gezielten Griffen die einzelnen Gelenke untersuchen und behandeln. Jede Behandlung schließt mit einem Eigenprogramm für den Besitzer ab, hier eignen sich die Techniken aus der Pferdephysiotherapie besonders gut.

Schwächen:

–  Es gibt oft nur 14- Tage Seminare in denen man zum Physiotherapeuten ausgebildet wird.
–  Bleiben oft auf dem alt erlernten Stand stehen (siehe Osteopath).
–  Nicht alle Osteopathen haben genügend Wissen über das Gesamtbild wie Hufe, Sattel, Zähne usw. die ebenfalls Auslöser von Problemen sein können.

Eine wichtige Gemeinsamkeit ist, dass alle drei Therapeuten (so sollte es zumindest sein) das Pferd vorab in einem Gangbild begutachten, um das Problem des Pferdes lokalisieren zu können.
Alle drei Therapeuten wollen dieses dann Beheben, nur eben auf unterschiedliche Wegen:
Der Chiropraktiker versucht dies mit Hilfe der Korrektur der Wirbel und Becken,
der Physiotherapeut durch das lockern der Muskulatur/ lösen der Blockaden innerhalb der Muskulatur und der Osteopath durch das Korrigieren der Gelenke und der Wirbelsäule.

Grundsätzlich kann man sagen, dass diese drei Behandlungsformen alle eine sehr ähnliche Zielsetzung haben und diese lediglich mit unterschiedlichen Mitteln beziehungsweise Techniken versuchen zu erreichen. Gemeinsame Basis bildet dabei der Einsatz der Hände zur Mobilisierung des Bewegungsapparats und zur Gesunderhaltung des gesamten Organismus.

Ich selbst habe bisher sehr gute Erfahrungen mit diesen Behandlungsformen gemacht, wobei ich nur einmal einen Chiropraktiker aber mehrmals Osteopathen und Physiotherapeuten da hatte.
Alle hatten ein sehr gutes und breit gefächertes Wissen, nahmen an Fortbildungen teil und hatten auch verschiedene Zusatzqualifikationen wie: Akupunktur, Akupressur, Magnetfeldtherapie, manuelle Lymphdrainage, Elektrotherapie, therapeutischer Ultraschall, Lasertherapie, flexibles Pferdetaping, Sportpferde-Therapie (spezielle physiotherapeutische Turniervorbereitung, Rehabilitation …) Stresspunkt-Therapie, Softlaser-Akupunktur …

Die meisten Osteopathen und Physiotherapeuten/Tierheilpraktiker kombinieren diese Behandlungstechniken (wenn nötig auch mit chiropraktischen Griffen) um dem komplexen Bewegungsapparat mit all seinen verschiedenen Strukturen gerecht werden zu können.
Bei Bedarf erstellen sie auch einen auf das Pferd zugeschnittenen Trainings- und Therapieplan.
Bei meinem Pferd haben die Behandlungen immer super angeschlagen und ich konnte danach eine deutliche Verbesserung warnehmen.
Das waren zumindest meine Erfahrungen die ich bisher mit diesen Therapeuten machen durfte 🙂

In einem weiteren Blogartikel von uns „Alternative Heilverfahren“ könnt ihr euch über weitere natürliche Heilmethoden informieren, z. B. über Homöopathie, Kräuterheilkunde, Bachblütentherapie, Biochemie (Schüßler-Salze) und die Anwendung ätherischer Öle.

Wie sieht es bei euch mit Erfahrungen bezüglich chiropraktiker, Osteopathen und Physiotherapeuten aus? Und welchen Therapeuten würdet ihr an eurem Pferd vorziehen?
Wir freuen uns auf eure Feedbacks, eure Silvana

 

 

 

Silvana Wessig das Horseland-Team und war bis 2013 als Bereiterin in Australien tätig. Sie bietet (neben ihrer Beschäftigung bei Horseland) mobilen Reitunterricht und Beritt an. Sie berät Sie sehr gerne bei Problemen und Fragen rund um das komplexe Thema PFERD.
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