Neue Studien für die Pferdefütterung

Man kann es auch als never ending Story bezeichnen… Wie füttere ich mein Pferd richtig? Wieviel braucht mein Pferd an Rauhfutter, Mineralfutter und Kraftfutter??

Wir versuchen Euch in diesem Blog auf dem laufenden zu halten. Wir haben eine neue Studie von der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie in der Reitsportfachzeitschrift Equitrends (nur für den Fachhandel) entdeckt, die folgende Anforderung an die artgereche Pferdefütterung hat :
Anatomisch ausgerichtet, physiologisch sinnvoll und ethnologisch angebracht.
Diese drei Punkte greifen ganz klar ineinander, denn in seiner biologischen Laufbahn hat sich das Pferd zu einem „Dauerfresser“ entwickelt. Dh. die Pferdeherde streift 12 bis 16 Stunden durch die Steppe und nimmt langsam grasend kleine Mengen an rohfaserreicher Nahrung auf. Dieses versuchen wir unseren Pferden im Sommer, mit viel oder dauerhaftem Weidegang, zu bieten. Wobei immer dabei darauf zu achten ist, dass unsere Weiden im Vergleich zur Steppe viel zu fett sind und meist nicht extensiv genutzt werden. Dadurch sind wir manchmal gezwungen den Pferden durch eine Fressbremse, einteilen der Weidefläche und stundenweise Weidenpause zu verordnen, damit sie nicht zu fett werden oder gar gesundheitliche Schäden davon tragen.

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Der Verdauungstrakt unserer Pferde hat sich evolutionsbedingt eben zudem entwickelt, wie er heute ist. Auch die Suche nach Futter bringt den Pferden eine gewisse Beschäftigung, sie haben was zu tun, mit sich, der Futtersuche und dem Herdenleben.

Das neue Wort für diesen Trend ist Heu ad libitum, das Heu wird dem Pferd ohne Grenzen zur Verfügung gestellt, in Heuraufen, immer vollen Heunetzen oder Futterautomaten. Die Idee ist gut gemeint, doch ist dabei darauf zu achten dass die Pferde es nicht übertreiben und zu dick werden, dann muss die Heumenge doch wieder rationiert werden. Denn eine Untersuchung von Coenen, Kienzle und Zeyner von der  Universität Leipzig ( Institut für Tierernährung, Ernährungsschäden und Diätetik ) ergab, dass Shetlanponys eine Rauhfuttermenge von 280 % zu sich nahmen. Die Warmblüter waren nicht wesentlich weniger bescheiden, bei ihnen lag die verzehrte Menge bei 199%.

Dennoch ist auf eine verteilte Futteraufnahme auf eine Dauer von ca 12 Stunden zu achten.
Damit erreichen wir den Verdauungstrakt so zu „füttern“ wie er es braucht, das Pferd ist zumindest ansatzweise beschäftigt, die nötige Kauaktivität ist gegeben und es wird Verdauungstörungen und Verhaltensauffälligkeiten vorgebeugt.

Pferde mit geringer Arbeitsbelastung oder im Erhaltungsmodus können durchaus nur mit ausreichend Rauhfutter und einem vitaminierten Mineralfutter, z.b. Basis Mineral von Lexa oder den leicht zu fütternden Mineraltabs von Mühlendorfer. Als Faustformel gilt; die Mindestmenge an Raufutter ist 1,5 kg pro 100 kg Gewicht. D.h. wiegt das Pferd 600 kg benötigt es mindestens 9 kg Heu am Tag!

Die bisherigen Futterberechnungen basieren auf der verdaulichen Energie, abzüglich der Kotenergie. Neue Futterstudien haben eine neue Energiebewertung aufgestellt :
Bruttoenergie minus Kotenergie = verdauliche Energie minus Harnenergie und der Energie der Darmgase = Umsetzbare Energie minus Wärmeenergie = Nettoenergie
Somit haben die alten Berechnungen die Harnenergie, die Energie der Darmgase und die benötigte Wärmeenergie nicht berücksichtigt. Trotzdem fällt die Neubewertung für die metabolisierbare Energie geringer aus. Wichtiger ist die Optimierung der Proteine und Aminosäuren. Die Rohproteine sind verdaulich in der Raufutterportion genügend vorhanden.

Schwieriger wird es bei den essenziellen Aminosäuren, denn in den Futterangaben sind diese in der Regel nicht angegeben. Wichtig bei den Angaben der Futterhersteller ist daher die vom Pferd verdauten und im Dünndarm aufgespaltenen Rohproteinen und den lebenswichtigen Aminosäuren. Der Bedarf an Calcium und Natrium wurde überschätzt, auch die Versorgung an notwendigen Spurenelementen und  fett- und wasserlöslichen Vitaminen sind geprüft und angepasst worden. Die Futtermittelhersteller reagieren dem entsprechend und werden die Beratungsunterlagen ihrer Produkte überarbeiten.

Die stärkelastige Fütterung mit zuviel Hafer, Gerste oder Mais, hat hingegen gezeigt, dass Schädigungen im Darm und an den Magenschleimhäuten auftreten können. Die Grenze für ein Pferd von 500 kg liegt bei 500 gr Stärke pro Mahlzeit. Berechnen lässt es sich wie folgt :
Hafer enthält ca 40 % Stärke , d.h. 1 kg Hafer enthält 400 gr Stärke. Bei 500 gr Stärke pro Portion sind das 1250 gr Hafer im Trog. Da muss das Pferd schon ganz schön viel für arbeiten, um solche Portionen zu bekommen.
Auch Futterfette sind wie Stärke auf 1 gr Fett pro 1 kg Lebendgewicht zu begrenzen. Auch darüber haben wir bereits hier im Blog geschrieben, den Öl in der Pferdefütterung ist sehr wichtig. 

Die neuen Bedarfswerte zur Versorgung von Pferden bringen Neuerungen mit sich, die wir wieder lernen sollten, damit wir unser Pferd den neuen Erkenntnissen gerecht füttern können. Die Berücksichtigung von den anatomischen, physiologischen und ethnologischen Ansprüchen spielen eine große Rolle, darauf sollten wir bei der täglichen Fütterung, ob Rauh- oder Kraftfutter, eingehen.

Was macht Ihr mit dem Futter Eurer Pferde? Lest Ihr die Angaben auf dem Futtersack und lasst Ihr Euch davon beeinflussen? Recherchiert Ihr was Euer Pferd braucht selbst oder habt Ihr einen Futtermittelexperten zu Rate gezogen? Schreibt uns Eure Erfahrungen zu Thema Futter.

Hafer – ein heikles Thema, die einen sind dafür und die anderen dagegen. Wer sich ausführlich darüber informiert, was für Pferde bei der Fütterung besonders gesund ist, wird sehr schnell feststellen, wie gesund Hafer für Pferde ist. Unbedingt solltet ihr den Artikel „Hafer in der Pferdefütterung“ lesen !!

 

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2 comments

  1. pfotenkater sagt:

    kraftfütter ist billiger als heu, die fütterung von kraftfutter geht schneller als die heufütterung…. danach wird in vielen ställen gefüttert, egal ob die tiere krank werden. und wenn sie fütterungsbedingt krank werden sollten, was der stallinhaber immer bestreiten wird, dann wird halt noch weniger raufutter gegeben… kenne das aus eigener erfahrung.

  2. Hilke Stiekel sagt:

    Hallo, wir haben seit ca. 17 Jahren eigene Pferde. Ich finde das die Fütterungsempfehlungen auf den Futtersäcken zu hoch angesetzt sind. Meine Meinung ist, das Pferde mehr Raufutter als Kraftfutter braucht. Wenn ich so lese wie viel Kraftfutter ein ca. 600kg Pferd bekommen soll laut Hersteller, müsste jedes Pferd ein Hochleistungssportler sein. Wir haben und füttern heute immer noch bedarfsgerecht, dass heißt unser Wallach wiegt 644kg und er bekommt morgens ca. 500gr. Müsli plus ein paar Möhren, Rotebeete und eine Hand voll Luzerne. In der zwischen Zeit steht er auf der Weiden, bis Nachmittags. Dann holt meine Tochter unser Pferd und arbeitet ihm Dressur und / oder macht Zirkuslektion mit ihm. Er hat mächtig Muskulatur über den Winter aufgebaut, bekommt dann Abends zur Fütterung ca. 1,3kg Müsli, ca. 600gr. Luzerne und noch Möhren und Rotebeete, mal auch noch Äpfel oder Bananen.
    Meine Tochter hat unseren jetzt 9jährigen Wallach in der Dressur L bis Anfang M Ausgebildet, aber er braucht nicht mehr Kraftfutter, aber dafür viel Heu und Gras. Laut Futterhersteller, sollte er eigentlich viel mehr Kraftfutter bekommen. Ich finde, das er nicht mehr Kraftfutter braucht. Mir zeigt es, dass wir so richtig liegen, denn wir brauchen kaum einen Tierarzt.
    Wenn ich mir so anschaue wie viel die Pferde und Ponys an Hafer, Gerste und Müsli bekommen, wundert mich das nicht, das viele Pferde Steig gehen, die Beine bei jungen Pferden leicht geschwollen sind, usw. Ich bin immer noch der Meinung, dass viele Pferde zu viel Kraftfutter bekommen, weil die meisten Pferde nicht genug arbeiten um diese Menge Kraftfutter verarbeiten können.
    Die Devise der Stallbetreiberin ist, wenn das Pferd nicht vorwärts geht, dann muss es mehr Kraftfutter bekommen und weniger Heu. So sollen die Pferde rittiger werden und nicht so müde sein.
    Darüber kann ich nur lachen.
    Wir sind vor knapp 3Jahren von Schleswig-Holstein nach Berlin gezogen und stehen mit unserem Wallach in einen Reitstall am südlichen Rande von Berlin. Die unterschiede sind so enorm, dass haben wir uns nicht träumen lassen. Großstadt-Menschen gehen ganz anders mit Pferden um, als Menschen aus einem Pferdeland.

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