Natürliche Bedürfnisse der Pferde

Weißt du eigentlich was die natürlichen Bedürfnisse der Pferde sind? Was braucht ein Pferd wirklich? Hier sind einige Anmerkungen zusammen getragen, die dir eventuell helfen dein Pferd noch besser zu verstehen und es nicht zu „vermenschlichen“…

Anzeige

Kurzer Abstecher in die Geschichte

Als erstes möchte ich mit euch einen kurzen Abstecher in die Geschichte machen. Wusstet ihr das die Entwicklungsgeschichte des Pferdes einer der besten dokumentierten der Gruppe Säugetiere ist? Aus dem etwa fuchsgroßen, mehrzehigen Blätterfresser wurde das anmutige, langbeinige, grasfressende Tier.
Diese Entwicklung dauerte rund 55 Millionen Jahre. In dieser Zeit wanderte das Hyracotherium mit seinem gewölbten Rücken, kurzen Hals, der kurzen Schnauze, den kurzen Beinen und einem langen Schwanz aus dem Wald heraus in die Steppe und entwickelte sich immer weiter. Es passte sich an, wuchs, wurde schneller, änderte sein Essverhalten. Seit 1,5 Millionen Jahren hat sich das Erscheinungsbild des Pferdes nicht mehr groß verändert. Viel mehr haben sich die Pferde an Umweltbedingungen angepasst. Sprich Temperaturen, Luftverhältnissen und Bodenveränderungen.

Jetzt gibt es das Pferd also schon fast 1,5 Millionen Jahren und wie kam das Pferd zum Menschen und wann ? Vor 6000 fingen die Menschen an, Herr und Hüter über die kraftvollen Tiere zu werden. Mit dem Pferd konnte sich der Mensch endlich besser und schneller fortbewegen, konnte seine Welt erkunden, Kriege gewinnen und die Entwicklung der Landwirtschaft voran treiben.

Ist es dann nicht verwunderlich, dass Pferde heutzutage fast nur noch im Sport gesehen und eingesetzt werden ? Werden die natürlichen Bedürfnisse des Pferdes eigentlich noch gestillt?

Fressen, Wachen und Ruhen

Fressen, Wachen und Ruhen bestimmen den Tagesrhythmus der Pferde. In einer Herde beobachtet einer die Umgebung und hält Ausschau nach Gefahren. In der Zeit wo das eine Pferd wacht, können die anderen Pferde entspannen. Sie widmen sich zum Beispiel der Nahrungsaufnahme, denn Pferde sollten am Tag 16-18 Stunden fressen. Pferdemägen sind von Natur aus auf eher kleinere Futtermengen eingestellt. Das liegt daran; wenn die Pferde früher auf der Flucht waren, musste das Pferd in kürzester Zeit auf Höchstgeschwindigkeit kommen. Mit vollem Magen, kennt ihr ja wahrscheinlich selber, ist das echt schwierig. Aus diesem Grund ist das Volumen des Magens eher klein. Damit Pferde keinen Hunger haben, müssen sie dafür lange Nahrung zu sich nehmen. Wenn ihr wissen wollt welches Futter optimal für euer Pferd ist schau doch mal hier vorbei. Die Fresshaltung ist für Pferde unheimlich entspannend, es streckt den langen Rückenmuskel. Aus diesem Grund wollen wir beim Reiten, das unser Pferd den Kopf runter nimmt. Es entspannt den Rücken und ist eine ganz natürliche Haltung.
Für Pferde ist es auch unheimlich wichtig tief durchatmen zu können. Ungesunde, hohe Luftfeuchtigkeit, Kondenswasser, Staub, und Pilze in der Luft schädigen auf dauer die Lunge des Pferdes. Zusätzlich zu der frischen Luft brauchen Pferde unbedingt Licht. Pferde sind „Licht-Hungrig“. Der Stoffwechsel wird dadurch angekurbelt, das Immunsystem gestärkt und der Hormonhaushalt geregelt.

Diese drei Sachen sind wichtige Bestandteile im Pferdealtag: Futter, Luft, und Licht.

Kommen wir nun noch zu dem Punkt Ruhen. Die Ruhezeiten sind bei Pferden oft kurz aber intensiv. Meist stehen sie und dösen. Tagsüber schlafen Pferde seltener als nachts und auch nachts sind Pferde kaum länger als eine halbe Stunde im Tiefschlaf.

 

Körperpflege

Wie oft ärgern wir uns, wenn wir unser Pferd von der Wiese holen und es sieht aus wie ein Schlammmonster. Das heißt stundenlanges Putzen und danach selber aussehen wie ein kleiner Staubklumpen 😆 . Pferde wälzen sich unheimlich gerne um das Fell natürlich zu reinigen und von Parasiten zu befreien. Sie benutzen dafür meist trockene , sandige Stellen und prüfen den Boden vorher durch scharren. Die Beine reinigen Pferde mit Hilfe ihrer Zähne. Durch die bewegliche Wirbelsäule kommen sie ganz einfach an Stellen, die beim Wälzen einfach nicht gereinigt werden. Dennoch gibt es so verflixte Stellen am Pferdekörper, da kann sogar die bewegliche Wirbelsäure nicht mehr weiter helfen. Genau da kommt wieder die Wichtigkeit der Artgenossen ins Spiel. An diesen Stellen wird sich nämlich gegenseitig geholfen und der eine reinigt den anderen mit den Zähnen. Also ärgert euch nicht zu sehr über ein dreckiges Pferd, denn an dem Spruch „ein dreckiges Pferd ist ein glückliches“ scheint doch viel dran zu sein..

Fazit

Also lange Fressphasen, saubere Luft, genug Bewegung (Reiten ersetzt keine natürliche Bewegung), ausreichend Licht, eine Herde in der das Pferd seine Sozialkontakte pflegen kann und einen verantwortungsvollen Platz hat, das sind seine natürlichen Bedürfnisse.

Wir sollten einfach nicht vergessen, dass Pferde mit uns nicht gleichgestellt sind. Sie gehören bei vielen von uns zur Familie. Trotzdem sind es immer noch Lebewesen, die wie viele anderen Tiere, ihren Bedürfnissen nachgehen möchten und nicht vermenschlicht werden dürfen. Klar gibt es unterschiedliche Größen , Temperamente und Kaliber von Pferden, jedoch sind die Grundbedürfnisse alle gleich. Ein Pferd kann auch bei Kälte, schlechtem Wetter und Sonne draußen stehen und hat eine ganz andere Wohlfühltemperatur wie wir Menschen, dazu hatten wir im September 2016 bereits einen Artikel verfasst; http://pferdewiese.com/winter-kommt-pferde-eindecken-ja-oder-nein/. Auslauf bei jedem Wetter, ist besser als den ganzen Tag in einem Stall stehen, wo es nicht ausreichend Bewegung, Luft und Sozialkontakte hat. Und dann ist es nicht schlimm, wenn das Pferde mal einen Tag nicht geritten wird, solange es sich auf der Wiese oder dem großem Paddock bewegen kann und seine Artgenossen um sich hat.

Wir hoffen dieser Beitrag hat euch ein wenig zum Nachdenken angeregt. Teilt eure Erfahrungen mit uns. Was sagt euer Pferd zur Boxenhaltung oder hat euer Pferd einen Wechsel von Box zu Offenstall gemacht und ihr könnt uns sagen, wie euer Pferd das fand?

Dieser Artikel vom 15.09.16 könnte dich ebenfalls sehr interessieren: Die Augen des Pferdes – wie sieht ein Pferd seine Umwelt…? Und falls ihr mal etwas lustiges zum Thema „Pferd“ lesen möchtet, haben wir hier etwas für euch, diesen Artikel solltet ihr wirklich nicht verpassen !!  > http://pferdewiese.com/schicksal-pferd-eine-lustige-geschichte/

 

Posts published: 10

2 comments

  1. Helga Köhler sagt:

    Sehr schön beschrieben und bestätigt mich in der Offenstallhaltung mit NICHT STÄNDIG wechselnden Pferden.Mein Pony steht seit ca 5J in einer beständigen gemischten 4er Herde & ist im Gegensatz zu vorher total ausgeglichen !!!

    1. Sophia Hasenburg sagt:

      Hallo Helga, vielen Dank für deinen Kommentar. Uns freut es sehr zu hören, dass dein Pferd so gut mit der Offenstallhaltung klar kommt. Viele Pferde verändern sich zum positiven, wenn man mehr darauf achtet was dem Pferd gut tut und was ihm gefällt. Einige Pferde sind auch vollkommen mit 12h/12h Stundenversion zufrieden. Mein Pferde zum Beispiel hat Sommerekzem und ist super glücklich und zufrieden mit dieser Haltung. Sie kommt abends rein, wenn die Fliegen schlimmer werden und schubbert sich dadurch nicht mehr wund und trägt tagsüber nur noch eine Fliegendecke. Als sie im Sommer 24h Stunden draußen war musste sie ständig eingecremt. Also da sind Pferde wie Menschen sehr unterschiedlich.
      Es ist einfach wichtig darauf zu achten, was einem Pferd am Besten gefällt und und dabei im Hinterkopf zu halten, dass es so nah wie möglich an den natürlichen Bedürfnissen liegt!
      Bis Bald!

      Sophia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Copyrights © 2017 PFERDEWIESE. All Rights Reserved. Design: kathrinpyplatz.com