Mein Shetty – nicht nur ein Rasenmäher

Viele von uns Pferdebesitzern und Reitern kommen früher oder später mit den knuffigen Shetlandponys in Berührung. Heutzutage sind sie fast nicht mehr wegzudenken. In immer mehr Reitschulen und Reitvereinen findet man sie. Durch ihre geringe Größe sind Kinder von den kleinen Ponys schnell begeistert.


Viele Leute sehen leider nur einen praktischen Rasenmäher in den Zwergen. Das sind sie definitiv nicht. Selbst ein Shetty ist unglaublich vielseitig und sehr gelehrig. Genau wie die großen Pferde, müssen die kleinen Ponys beschäftigt werden, vernünftig gehalten und gefüttert werden. Und wichtig; in Gesellschaft leben.
Um euch die Shettys näher zu bringen, stelle ich euch heute unseren Harry vor. Bevor ich aber etwas über Harry erzähle, kommen wir erst zu der Geschichte der Shetland-Ponys.

Geschichte des Shetland-Ponys

Wie der Name schon sagt, stammen die kleinen Ponys von den Shetlandinseln. Durch die harten Lebensbedingungen auf den Inseln, kamen nur die robustesten und härtesten Ponys durch. Durch diese Selektierung entstanden die ersten Shettys. Wer genau die ersten Pferde bzw. Ponys mit auf die Insel brachte, ist nicht bekannt. Vermutet wird, dass um 500 vor Christus die Pikten die ersten Ponys einführten.
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts, im Rahmen der industriellen Revolution, wurden die Shettys auf das britische Festland gebracht und als Grubenponys eingesetzt. Durch ihre geringe Größe und doch großer Zugkraft wurden die Ponys bis in die 30er Jahre im Bergbau unter Tage eingesetzt.

Das Shetland- Pony heute

Bis ca. 1950 war die Linie frei von fremden Bluteinflüssen. Über die Jahre und durch neue Bluteinflüsse, entstanden mehrere Linien Shettys. Dazu gehören die Minishettys, das Deutsche Part-Bred Shetland Pony, Deutsches Classic-Pony, American Miniatur Horse, Falabella, American Shetland Pony, Nederlands Appaloosa Pony und die Nederlands Mini Paarden. Viele der Unterrassen sind durch die Farbgebung und dem Exterieur entstanden. In der reinen Shetland Linie dürfen keine Tigerschecken oder sportliche Typen vorkommen.

Die Zeit der Grubenponys ist vorbei. Heute erfreuen sich viel an den bunten Ponys. Ob als ausdauernde und kräftige Zugponys vor der Kutsche oder als Kinderreitpony. Auch als Show-Pferd trifft man die Zwerge an. Dabei sind sie genau so gelehrig und talentiert wie ihre großen Kumpels. Ein Dauerthema bei den Mini-Ponys ist die Fütterung: viele Ponys sind zu dick und leiden aufgrund der nicht angepassten Fütterung unter Stoffwechselerkrankungen. Allgemein kann man sagen, dass ein Mini-Pony oder Mini-Pferd, das nicht oder wenig gearbeitet wird, sehr gut ohne Kraftfutter auskommt., wenn qualitativ hochwertiges Heu  und etwas Mineralfutter zur Verfügung stehen. Auch mit der Fütterung von Silage oder Heulage ist bei den Minis Vorsicht geboten, da der erhöhte Eiweißgehalt schnell zu gesundheitlichen Problemen und Übergewicht führen kann. Tipp: als Kraftfutter eignet sich haferfreies Müsli in sehr kleinen Portionen. Aber wirklich nur wenn die Tiere bewegt wurden und sich angestrengt haben. Sonst reicht eine Möhre!! Wer dies nicht beachtet, hat leider schnell mit Hufrehe zu tun…

Nun zu unserem Harry

Harry wohnt seit Anfang Dezember 2016 mit seinem Freund Murphy bei uns.

Murphy gehört unseren Nachbarn und ist im gleichen Alter. Harry hat mit seinen 3 Jahren zurzeit ein Stockmaß von 76 cm. Er gehört zu den Appaloosa Shettys aus den Niederlanden. Zurzeit sieht er aus wie eine kleine Plüschkugel. Appaloosa verfügen über weniger üppiges Langhaar als normale Shettys. Gespannt bin ich sehr, wie er im Sommer aussehen wird.

 

Hauptsächlich kümmert sich mein kleiner Bruder (15 Jahre) um den Zwerg. Für ihn ist es das erste eigene Pony. Vor Harry konnte ihn kein Pferd oder Pony wirklich begeistern. Nun kümmert er sich großartig um das kleine Pony und will ihm viele Dinge beibringen.

Harry begeistert aber nicht nur uns. Auch unsere Nachbarn (ja tatsächlich die Männer!) sind begeistert von dem Süßen. Sobald Kumpel Murphy von ihnen besucht wird, gibt es immer was für Harry. Auf Spaziergängen sind es immer die Männer, die den Kleinen nehmen möchten. 🙂 

Seit dem Harry bei uns ist, lernt er alles was auch große Pferde können. Schnell merkten wir, dass er sehr gelehrig ist. Angefangen beim Führen, Anbinden und Putzen. Viel hatte er beim Vorbesitzer noch nicht gelernt. Sowas einfaches wie den „Huf geben“ kannte er nicht. Aber selbst das verhasste Hufe geben, hatten wir schnell drin. Ehrlich gesagt; sogar schneller als bei unseren anderen Shettys vorher.

Unser Shetty-Beschäftigungs-Programm

Am liebsten geht Harry mit uns spazieren. Dort freut er sich über die Abwechslung und über die Hunde in seiner Größe. 😉

Des Weiteren wird er longiert und eingefahren. Da er noch so jung ist, alles sehr spielerisch. Wichtig ist mir, dass er auch Spaß an der Arbeit hat. Zu diesem Programm kommen demnächst noch kleine Tricks und Kunststückchen.

Longenarbeit und Langzügel

Mit dem Longieren haben bereits wir begonnen und es lief von Anfang an sehr gut. Um ihn einzufahren, habe ich mit Langzügelarbeit angefangen. Nach dem longieren machte er das wie ein Profi. Nur das Stillstehen klappt noch nicht immer. Das wäre aber auch zu viel verlangt für so ein junges Pony. Bisher hat Harry schneller gelernt als manch einer von den Großen. 😀

Das erste mal Geschirr anlegen

Um ihn langsam an das Ziehen von einem Schlitten oder einer Kutsche zu gewöhnen, wollte ich probehalber das Geschirr anlegen. Da gab es die erste Überraschung… …es war zu groß! Mein Geschirr hat schon die kleinste Größe, die es gibt. Ich weiß ja dass er schon wirklich klein ist, dass er so winzig ist, habe ich ehrlich nicht mit gerechnet. Nach vielen neuen Löchern und ein paar Änderungen mit der Schere konnte ich es endlich anlegen.

Los geht es mit dem Ziehen

Um Harry an das Ziehen zu gewöhnen, habe ich mir meine Schwester Katinka dazu geholt. Wir haben das schön öfters zusammen gemacht, daher weiß ich dass es mit ihr gut funktioniert.
Die beiden Schlaufen, die mit dem Bruststück verbunden sind und später zum Ziehen sind, hielt Katinka locker in der Hand. Da ich die Ponys immer ganz langsam an das Gewicht zum Ziehen gewöhne, musste Harry natürlich erst nur laufen.


Wie es der Zufall wollte, stolperte und rutschte Katinka aus. In der Not nicht hinzufallen, hielt sie sich am Geschirr feste. Und was machte Harry? Er zog los, als hätte er nie was anderes gemacht! Ich war total begeistert. Auf dem geraden Stück angekommen, testeten wir es noch ein paar Mal (diesmal gewollt), mit dem Ziehen. Mit sichtlich viel Spaß zog er immer wieder.

Tricks und Kunstückchen

Diesen Part habe ich meinem Bruder überlassen. Er fing langsam an, Harry Tricks beizubringen. So ist er körperlich und geistig beschäftigt. Angefangen hat er mit „Küsschen“. Harry begriff schnell, dass es immer ein Leckerchen gab, wenn er auf das Wort „Küsschen“ genau dies tat.

Nun fangen wir mit einer kleinen Verbeugung an. Dies klappt noch nicht immer und braucht häufig noch mehrere Anläufe. Manchmal kann man schon das Ergebnis sehen. 🙂 

Reiten

Anreiten steht erst mal hinten an. Harry ist so klein dass ich bisher niemanden gefunden habe, der ebenfalls klein genug ist. Wenn wird es eher so sein, dass ganz kleine Kinder in Zukunft auf ihm geführt werden können. Mehr wird er nicht machen müssen. Seine Hauptaufgaben werden weiterhin die Kunststücke und das Ziehen sein.

Springen

Auf unserem kleinen Reitplatz lassen wir gerne unsere Ponys zur Abwechslung Freispringen. Harry haben wir leider noch nicht richtig Springen lassen. Der Winter hat uns da einen Strich durch die Rechnung gemacht 😉 Bei den Spaziergängen läuft er nicht nur sehr gerne mit, sondern springt über Äste und Pfützen mit dem größten Vergnügen. Im Frühling, wenn der Platz wieder benutzbar ist, werden wir uns an das erste Mal Freispringen machen.

 

Obwohl Harry erst so kurze Zeit bei uns ist, hat er schon unheimlich viel gelernt. Kleine Ponys müssen nicht nur Beisteller oder Rasenmäher sein. Sie sind genau so vielseitig wie große Pferde. Genau so sollten Shettys auch behandelt werden. Wenn sie nicht ordentlich erzogen und behandelt werden, werden sie häufig frech. Sie können häufig einen richtigen Dickkopf haben, wenn sie nicht ihren Willen bekommen. Dies macht sie für mich sehr liebenswert. Gerade eine Herausforderung reizt uns doch oder?

Gibt es vielleicht noch ganz andere Dinge, mit den ihr eure Zwerge beschäftigt? Über Berichte und Geschichten zu euren Shetty-Erfahrungen würde ich mich sehr freuen und kann bestimmt noch daraus lernen und auf Harry übertragen!!

Liebe Grüße, eure Tanita

 

Ps. noch etwas was mir sehr am Herzen liegt; 
leider werden Shettys nach der ersten Begeisterung häufig stiefmütterlich behandelt. Weil sie nicht geritten werden können, wird sich nicht genug darum gekümmert. Vorallem die American Miniatures und Falabellas werden in der Regel nicht geritten, weil ihr Rücken für das Reitergewicht zu schwach ist. Trotzdem verfügen sie über eine enorme Zugkraft und können problemlos 150 kg ziehen. Dies entspricht einer leichten, luftgefederten kleinen Kutsche mit einem Erwachsenen. Zu viert angespannt können Minis natürlich auch deutlich mehr ziehen. 

Die fröhliche Turniereiterin Tanita Schwerdt ist seit August 2015 dabei. Im Stall aufgewachsen, weiß sie genau was benötigt wird. Egal ob für Pferd oder Reiter. Sie bringt jeden Tag gute Laune mit und ist für alle Aufgaben schnell zu begeistern.
Posts published: 23

4 comments

  1. Sahra sagt:

    Harry ist das allertollste und liebenswerteste Mini-Pony, das ich bisher kennenlernen durfte. Dieser Charme, die Offenheit und „Zärtlichkeit“ (nicht Zartheit) haben sogar dem kleinen Nicklas die Angst und Vorbehalte gegenüber Ponies genommen. Auch er findet ihn grossartig. Ich freue mich sehr darauf zu sehen, was noch alles in diesem kleinen Persönchen steckt.

    1. Marika Moga sagt:

      Liebe Sahra, vielen Dank für dein nettes Feedback. Freut mich dass du Harry kennst und noch etwas Nettes zu ihm schreiben kannst… Liebe Grüße

  2. Sigi sagt:

    Hi, leider liegt euer Brustblatt auf dem Foto immer noch zu tief…
    Guck mal nach Sieltec, die passen das Geschirr ganz genau an und es gibt tolle Farben!

    Liebe Grüße Sigi

    1. Marika Moga sagt:

      Hallo Sigi,
      vielen lieben Dank, dass du uns darauf hinweist. Auf dem Foto ist es noch zu tief, in dem Moment da war ich noch am Verstellen. Und dabei war Harry so niedlich, dass ich unbedingt ein Foto machen musste. In Wirklichkeit liegt es nun genau, wo es hingehört – versprochen!
      Liebe Grüße Tanita

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