Junge Reitpferde richtig Anreiten und Ausbilden Teil 3

Nach einer kleinen Unterbrechung letzte Woche, geht es nun weiter mit der Jungpferdeausbildung. Jetzt kommen wir so langsam zum interessanten Teil.

Damit wir uns bald auf das junge Pferd drauf setzen können, müssen wir es vorerst an die Ausrüstung und das Longieren gewöhnen.
Bei der Gewöhnung an Sattel und Trense geht jeder Ausbilder wahrscheinlich anders vor…je nach Erfahrungen. Da gilt das Motto: „Verschiedene Wege führen nach Rom.“ Wichtig ist nur, dass es pferdeschonend abläuft.

Gewöhnung an die Ausrüstung

Bevor ich mit der Longenarbeit und der Gewöhnung an den Sattel beginne, trense ich das junge Pferd. Dabei halte ich die Trense zuerst einmal neben den Kopf, um zu schauen ob diese so passen könnte. Das Halfter ziehe ich vorsichtshalber über den Hals, falls das Pferd sich doch mal unbeabsichtigt entzieht und stiften geht. Wenn Sie das Gebiss in das Maul schieben, sollten Sie sehr behutsam vorgehen und ein kleines Leckerchen parat haben, damit der Schützling das Auftrensen mit etwas Positivem verbindet. Große Beachtung sollten Sie auch den Ohren schenken. Manche Pferde sind da sehr empfindlich! Um so schneller und sanfter Sie das Genickstück über die Ohren gezogen bekommen, umso besser.

Es ist eine Unsitte, den Nasenriemen zu fest anzuziehen. Im Normalfall sollen zwischen Nase und Nasenriemen etwa zwei Finger Platz haben. Ziehe ich den Nasenriemen zu stramm, habe ich den Widerstand bereits vorprogrammiert. Nicht nur, dass die Luftzufuhr behindert wird, weil das Pferd nur durch die Nüstern atmet; das Pferd fühlt sich auch insgesamt eingeengt. Die Maultätigkeit ist behindert, und Widerstand gegen die Hand wird provoziert.

Um das empfindliche Pferdemaul am Anfang noch so gut es geht zu schonen, ziehe ich ein Halfter über die Trense. Den Führstrick oder die Longe schnalle ich dann in den Trensenring und gleichzeitig in das Halfter ein. Somit verhindere ich, dass das junge Pferd im Maul gestört wird.

Sie können Ihr Pferd gleichzeitig an Gamaschen oder Bandagen gewöhnen. Seien Sie nur achtsam wo Sie Ihren Kopf hin halten. Es kann nämlich passieren, dass das Pferd den Huf ganz plötzlich hoch zieht wenn es etwas an seinem Bein spürt. Wenn Sie es das erste Mal anführen, seien Sie darauf gefasst das es eventuell einen kleinen Satz nach vorn macht. Es könnte aber auch sein, dass es erst nicht vorwärts laufen möchte oder die Beine sehr stark anhebt. Aber das ist alles halb so wild und gibt sich ganz schnell wieder.

Bei der Gewöhnung an den Gurt/ Sattel sollten Sie sich aus Sicherheitsgründen in der Reitbahn befinden, da einige Pferde erstmal los bocken wollen. Am besten wäre es, wenn Sie die Möglichkeit haben das Jungtier in der Reitbahn frei laufen zu lassen. Wenn nicht, beginnen Sie vorher mit dem Anlongieren und erst wenn das Pferd flüssig und Zwanglos an der Longe in Schritt, Trab und Gallop außen rum läuft, sollten Sie den Gurt und später den Sattel auflegen.

Lassen Sie sich das Pferd erstmal den ersten Laufdrang ausleben, bevor Sie es in die Mitte holen. Ein Helfer, mit Leckerchen ausgestattet, hält das Pferd fest. Bevor Sie vorsichtig die Schabracke auf den Rücken legen, zeigen Sie sie ruhig Ihrem Pferd vorher und streichen Sie vorab einmal mit der Hand über die Sattellage. Anschließend legen Sie den Gurt auf. Der Helfer bietet dem Pferd immer wieder mal ein Leckerchen an.
Seien Sie vorsichtig beim Schließen des Gurtes. Lassen Sie ihn erst recht locker und führen Sie das Pferd ganz langsam ein paar Schritte an. Dann Gurten Sie ein Loch fester und Wiederholen die Prozedur bis Sie sich sicher sind, dass der Gurt nicht rutschen kann, ohne dem Pferd direkt die Luft abzuschnüren.
Anschließend machen Sie den Strick los und drücken das Pferd von sich weg. Wenn es bocken will, unterstützen Sie es mit der Peitsche damit es vorwärts geht und aufhört mit der Bockerei. Denn so etwas soll es sich gar nicht erst angewöhnen. Nach ein paar Runden holen Sie das junge Pferd wieder zu sich und kontrollieren nochmal den Gurt. Manchmal löst er sich nach ein paar Runden Traben und Galoppieren noch etwas.

Machen Sie das ganze Spiel am nächsten Tag noch einmal. Ich hatte schon junge Pferde, die am ersten Tag ganz brav waren und erst am zweiten Tag anfingen zu bocken. Wenn Sie sich sicher sind, dass das Pferd entspannt bleibt wenn Sie ihm den Gurt anlegen, können Sie diesen bereits im Stall drauf machen. Nachgurten aber wieder nach und nach in der Reitbahn.

Die Gewöhnung an den Sattel läuft eigentlich genauso ab. Bei besonders empfindlichen Pferden würde ich zunächst die Steigbügel abmachen und einen Gurt drüber schnallen, damit das Sattelblätter nicht so flattern. Wenn Ihr Pferd sich damit entspannt bewegt, in der Regel nach 2 bis 3mal, schnallen Sie die Steigbügel wieder dran, aber befestigen Sie so, dass sie nicht runter rutschen können. Hat sich das Pferd auch daran gewöhnt, lässt man die Bügel herunter. Aber achten Sie darauf das sie so kurz verschnallt sind, dass sie nicht an den Ellenbogen schlagen können. Währenddessen können Sie die Longenarbeit fortsetzen. Die ersten ein-/zweimal mit Sattel Freilaufen in der Reitbahn genügt.

Arbeit an der Longe

Die Arbeit an der Longe bereitet das erste Aufsitzen und Anreiten vor. Das Pferd lernt durch Stimme, Peitsche und Longe treibende und verhaltende Hilfen. Das Pferd wird dazu gebracht, sich an das Gebiss heranzudehnen, anfängliche Verkrampfungen abzulegen und das Gleichgewicht der Bewegungen in den drei Grundgangarten Schritt, Trab und später Galopp auf der Zirkellinie wiederzufinden.

Um dem Pferd das Gehen an der Longe zu erleichtern, ist es ratsam in einem Longierzirkel zu arbeiten oder einen Teil der Reithalle abzuteilen, damit Ihr Pferd eine optische Begrenzung hat. Somit kann das Pferd gar nicht erst anfangen nach außen zu drängeln und Sie kommen nicht in Versuchung an der Longe zu ziehen um es auf der Zirkellinie zu halten. Das würde sowieso nur das Gegenteil bewirken.

Wenn Sie keinen Kappzaum zur Verfügung haben, schnallen Sie die Longe, wie bereits beschrieben, in den inneren Trensenring und zusätzlich in den inneren Ring des Halfters mit ein.
Unverzichtbar ist eine Hilsperson. Während Sie in der Mitte stehen, führt die Hilfsperson Ihr Pferd, auf der Innenseite hinter der Longe, nach außen auf den Longierzirkel. Eine Hand ist zum beruhigenden Klopfen frei. Der Longenführer versucht, das Raustreiben mit der Peitsche vorsichtig zu unterstützen.

Achten Sie auf Ihre Position. Stehen Sie eher auf Höhe der Hinterhand, um Ihrem Pferd deutliche treibende Zeichen zu geben. Hat Ihr Pferd Angst vor der Peitsche und möchte nach vorn stürmen, nehmen Sie die Peitsche herunter aber behalten Sie sie in der Hand, damit sich Ihr Pferd langsam daran gewöhnt. Üben Sie mit der Führperson gleichzeitig das Anhalten und loben Sie ausgiebig.

Geht das problemlos, zieht sich der Führende langsam zum Longierenden zurück, der durch gefühlvolles Treiben unterstützt, damit das Pferd nicht in die Zirkelmitte läuft. Bei eher triebigen Pferden kann die Hilfsperson jetzt mit der Peitsche das Treiben übernehmen und bei Bedarf ein bis zwei Schritte dichter an das Pferd herangehen. Nutzen Sie zum Durchparieren Ihre Stimme und warten Sie geduldig bis Ihr Pferd reagiert. Üben Sie das auf beiden Händen.

Beim Anhalten zum Handwechsel kann die Führperson vorsichtig aus der Mitte heraus auf das Pferd zugehen und es festhalten, wenn es stehen geblieben ist.. Sonst wird es evtl. dazu verleitet, auf den Longenführer zuzulaufen. Dies ist oft schwer wieder abzugewöhnen und kann auch zu ungewollten Handwechseln führen. Den Handwechsel können Sie mittels einer vage angedeuteten Vorhandwendung oder via „durch den Zirkel wechseln“ durchführen. Trabt das Pferd allein auf der Zirkellinie ist das Ziel des ersten Tages erreicht.

Wiederholen Sie das die nächsten Male so bis sich das Pferd ohne Führperson sicher auf beiden Händen in Schritt und Trab bewegt. Haben Sie aber in jedem Fall noch einen Helfer parat, welcher wenn nötig schnell zur Hilfe kommen kann. Die Dauer der Longenarbeit von 20 bis 30 Minuten sollte in der ersten Zeit  nicht überschritten werden. Den Galopp an der Longe übt man frühestens nach einer Woche.

Hat Ihr Pferd gelernt sich ohne Führperson in Schritt, Trab und Galopp spannungsfrei zu bewegen und tut es dies auch mit Sattel, so können Sie es bei der Arbeit mit einem Hilfszügel ausbinden. Ich bevorzuge Dreieckszügel, da sie im Gegensatz zu Ausbindern den Vorteil haben, dass sich das Pferd vorwärts abwärts dehnen kann. Die Dreieckszügel sollen dem Trensengebiss eine ruhige Lage verleihen und das junge Pferd veranlassen, eine vertrauensvolle Anlehnung zu finden, ohne es einzuengen. Sie sollen helfen, dass das junge Pferd den Hals vorwärts – abwärts dehnt und dadurch den Rücken lockert.

Am besten beginnt man mit den Dreieckszügeln bei dem frei laufenden Pferd. Lassen Sie Ihr Pferd erst unausgebunden laufen. Dann holen Sie es in die Mitte der Bahn, damit Sie und Ihr Pferd Platz haben falls es doch mal heftig reagiert. Die Hilfszügel sollen ganz lang sein, jedoch nicht so lang, dass das Pferd in sie hinein treten kann. Treiben Sie Ihr Pferd dann energisch von sich weg. Versucht es trotzdem gegen die Dreieckszügel anzukämpfen und  sogar rückwärts zu laufen, helfen Sie durch deutliches Nachtreiben. Es soll lernen sich weiter zu bewegen und auf den Druck durch Nachgeben zu reagieren. Ihm muss klar werden, dass es nur den Weg nach vorne gibt, der ja seiner Natur als Lauftier auch entspricht.

Zeigt Ihr Pferd alle Anzeichen der Losgelassenheit, dann können Sie nach und nach die Hilfszügel verkürzen. Fangen Sie aber immer mit langem Hilfszügel an und achten Sie darauf, dass die Stirn – Nasenlinie vor der Senkrechten ist. Die Dreieckszügel werden gleich lang geschnallt. Dies ist vorteilhaft, weil der Äußere dann leicht ansteht und der Innere beim Annehmen der Longe zum Nachgeben kommt. Der innere Zügel kann später entsprechend der Zirkellinie etwa zwei bis drei Löcher kürzer verschnallt werden. Zum Schritt gehen schnallen Sie die Dreieckszügel am besten heraus.

Das Ziel des Anlongierens ist erreicht, wenn das junge Pferd mit langem Hals und vorwärts – abwärts gedehnter Nase das Gebiss und die inzwischen etwas kürzer geschnallten Dreieckszügel annimmt, an der Longe steht uns sich losgelassen und ruhig auf beiden Händen im Trab, Galopp und Schritt bewegt.
Das Longieren soll auch dazu dienen, die Muskulatur des Pferdes so aufzubauen, dass es einen Reiter schmerzfrei tragen kann. So wirkt das Longieren in der Regel Widersetzlichkeiten entgegen, baut Vertrauen zum Menschen auf und bereitet das Pferd optimal auf das erste Aufsteigen vor.

Im nächsten Teil ist es dann endlich soweit: „Wir sitzen auf“.
Aber vorher würden wir von Euch gern wissen, welche Erfahrungen Ihr gemacht habt?
Wie lange habt Ihr Euer junges Pferd vor dem ersten Aufsteigen longiert?
Geht Ihr auf die gleiche Art und Weise vor, oder habt Ihr einen anderen Weg?
Wir würden gern an Euren Erfahrungen teil haben.

Silvana Wessig das Horseland-Team und war bis 2013 als Bereiterin in Australien tätig. Sie bietet (neben ihrer Beschäftigung bei Horseland) mobilen Reitunterricht und Beritt an. Sie berät Sie sehr gerne bei Problemen und Fragen rund um das komplexe Thema PFERD.
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One comment

  1. Hannah benn sagt:

    Mein Problem bei meinem jungpferd ist dass es beim longieren nicht nach außen geht und dass es über rein beißt . Vielleicht können Sie mir da ein paar Tipps geben

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