Geschichte des Reitstiefels – der Stiefel heute

Wie sich bestimmte Dinge entwickelt haben, fand ich schon immer interessant. Häufig stelle ich mir selbst die Frage „wieso hat sich etwas genau so entwickelt“? Um Antworten zu finden, bedarf es häufig einer größeren Recherche. Vieles hat sich über viele Jahre entwickelt und bewährt.

Heute möchten wir uns mit einem Produkt befassen, ohne dem das Reiten heutzutage wohl nicht das Gleiche wäre. Wie sind wir eigentlich zu unserem heutigen Reitstiefel gekommen, den wir jeden Tag zum Reiten anziehen?

Die ersten Reitstiefel entstanden bereits im Mittelalter. Sie wurden gefertigt, um das Bein des Reiters im Krieg besser zu schützen. Zudem gab er dem Reiter einen besseren Halt im Sattel und Stiefel waren bei tagelangen Ritten meist bequemer zu tragen. Absätze kamen ab dem 12. bis 13. Jahrhundert zu den normalen Stiefeln dazu. Sie sollten das Durchrutschen mit dem Fuß durch den Steigbügel verhindern. Die glatte und flexible Sohle sorgt für ein schnelles Herausrutschen aus dem Bügel. Bei Stürzen beugt es vielen Verletzungen vor. Bis heute hat sich diese durchgehende Sohle mit Absatz bewährt.

Nicht nur im Krieg, sondern auch in der Freizeit stellten sich die Reitstiefel als ideale Lösung heraus. Die flexiblen Lederstiefel waren robust, widerstandsfähig und angenehm zu tragen. Stiefel aus anderen Stoffen waren zu Zeiten von Ludwig XIV sehr beliebt. Da andere Materialien schnell verschleißen, waren diese allerdings nur beim Adel zu finden.
Ab dem frühen 19. Jahrhunderts entwickelten sich die ersten Ledermanufakturen. Durch die Industrialisierung wurden diese ausgebaut. Noch heute gibt es einige dieser Traditionsbetriebe. Petrie produziert seit 1857 in den Niederlanden. Noch heute ist Petrie ein Familienbetrieb.

Sehr lange war nur das klassische schwarz auf Turnieren, aber auch bei vielen Freizeitreitern, zu finden. Nach und nach wurden ausgefallene und farbige Reitstiefel immer moderner. Meredith Michaels-Beerbaum war eine der Vorreiterinen mit farbigen Reitstiefeln. So sah man sie als erstes mit hellbraunen Reitstiefeln. Bei den Springreitern sieht man häufiger Farbe und gewagte Kombinationen. In der Dressur herrscht das klassische Schwarz weiter vor. Aber auch hier hat sich der Wandel bemerkbar gemacht; Glitzer, Lack, Krokooptik, Schnallen… selbst hier gibt es fast keine Grenzen. Kreativität und Individualität zeichnen heutzutage die meisten Stiefel aus.

Ob Profi oder Amateur, alle setzen auf die Qualität des Lederreitstiefels. Neben der Qualität ist auch die Passform und der Sitz der Stiefel sehr wichtig. Profireiter bzw. Berufsreiter haben den Reitstiefel fast den ganzen Tag an. Da muss er sitzen wie ein bequemer Schuh. Da Reit-Stiefel meist aus sehr hochwertigem Rinds- oder Kalbsleder hergestellt werden, passen sie sich nach einer Einlaufzeit, perfekt an den Fuß und das Bein an. Druckstellen und Blasen an den Füßen sollten nach einer gewissen Zeit nachlassen. Ohne die Einlaufzeit funktioniert es leider nicht. „Ein Stiefel, der nie wehgetan hat am Anfang, hat nie passt nicht“. Hinter diesem Satz steckt ein Hauch Wahrheit. Den ein Reiterstiefel muss eng sitzen und sich an das Reiterbein anpassen. Wie lange es dauert bis der neue Reitstiefel richtig passt, hängt von der Art ab. Feste und hohe Dressurstiefel brauchen deutlich länger als weichere Spring- oder Allroundstiefel. Hinzu kommt wie oft und wie lange man den Stiefel trägt.

Die Stiefelhersteller selber, sorgen dafür dass die Stiefel stets an die extremen Anforderungen im modernen Reitsport angepasst sind. Die anatomischen Formen der klassischen Reitstiefel haben in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. In Zusammenarbeit mit Sportmedizinern und High-Tech-Materialien, sind die neuen Stiefel auf dem höchsten Sicherheitsniveau und anatomisch angepasst. So findet man z.B. kaum noch Reitstiefel ohne Reißverschluss. Dieser lässt das Schuhwerk viel enger am Bein anliegen und ist angenehmer beim Aus- und Anziehen. Der RV beim Stiefel ist eine geniale Erfindung, die allerdings natürlich einen Nachteil mit sich bringt; das Leder des Stiefels kann arbeiten und sich anpassen, der RV nicht und bei schlechter Handhabung/ Pflege gehen die Reißverschlüsse früher oder später kaputt.

Dressurstiefel

Wie oben bereits kurz angeschnitten sind Stiefel für die Dressur oft deutlich fester und höher. Dressurreiter legen viel Wert auf ein gerades und langes Reiterbein. Die Innenseite der Stiefel ist häufig weicher als die Außenseite des Stiefelschafts. So entsteht ein besseres Gefühl zum Pferd.
Der hohe Dressurbogen an der Außenseite des Schafts verlängert das Bein optisch nochmal.

Ob der Reißverschluss direkt auf der Vorderseite oder versteckt vorne an der Innenseite angebracht ist, ist Geschmacksache.

Zum Einlaufen sollte man sich etwas Zeit nehmen. Durch das verstärkte Leder dauert es, bis das Leder anfängt sich zu setzen und sich an das Bein anpasst. Als kleiner Tipp: wir empfehlen den Stiefel zu Hause anzuziehen, Treppen zu steigen oder mit dem Hund spazieren zu gehen 😉 .
Es sollte stets berücksichtigt werden, dass hartes Leder (Rindbox) sich weniger weitet und ausdehnt. Man sollte harte Lederstiefel nie zu eng kaufen und bedenken dass sich der Umfang der Waden nachmittags evtl. verändern kann.

 

Springstiefel

Diese sind häufig weicher und flexibler als Dressurstiefel. Eine Schnürung vorne auf dem Spann lässt jede Fußbewegung und sehr kurze Bügel zu. Die hochwertigen Varianten sind hier aus weichem Kalbleder gefertigt.


Der Reißverschluss ist meistens hinten zu finden. Der Bogen am Stiefel ist oft nicht so stark ausgeprägt wie bei der Dressurvariante. Wichtig ist hier die hohe Beweglichkeit. Die Schnürung ist heutzutage fast immer elastisch und lässt so jede Bewegung im Knöchelbereich zu. Zudem sitzt der Stiefel viel enger am Knöchel. Viele Reiter bevorzugen diesen engen Sitz. Ein weicher Stiefel sollte immer sehr eng gekauft werden, da das weiche Kalbsleder mehr nachgibt als z.B. das härtere Rindboxleder.

Allroundstiefel

Die Allroundstiefel sind eine Mischung aus dem Dressur- und Springstiefel. Gerne wird er als Freizeitstiefel oder bequemer Trainingsstiefel für jeden Tag genutzt. Weiches Leder kombiniert mit dem hohem Dressurbogen, überzeugt Reiter, die in beiden Bereichen unterwegs sind. Das weiche Leder lässt bequem einen kurzen Springbügel zu. Die Beweglichkeit des Fußes wird nicht eingeschränkt. Der hohe Dressurbogen lässt das Bein immer lang aussehen. So kann der Reiter direkt von dem Dressursattel in den Springsattel umsteigen.

Der Reißverschluss ist meistens hinten zu finden. Dort stört er auch nicht beim angewinkelten Bein im Springsattel. Ein Reißverschluss vorne an der Innenseite stört im Springsattel bei kurzen Bügeln und könnte den Sattel auch zerkratzen.
Für Jugendliche eigenen sich diese Art von Reitstiefeln bestens. Es gibt viele Stiefel, die mit leichten Gummizügen ausgestattet sind. Diese Sitzen meistens direkt neben dem Reißverschluss. Sie haben den Vorteil, dass Kindern und Jugendlichen der Stiefel deutlich länger passt, da er mitwächst. Auch Erwachsene profitieren davon. Unser Bein ändert sich, wie unsere Finger, je nach Wetterlage. Zu dem schwellen unsere Beine im Laufe des Tages an. Büro- und Stehjobs sind hier häufig am schlimmsten betroffen. Durch das lange Sitzen (oder stundenlang Stehen) passt auf einmal, der sonst so perfekt sitzende Stiefel, nicht mehr. Ein Gummizug schafft hier Abhilfe.

Pflege

Was keiner von uns umgehen kann, ist die gute Pflege unserer Reitstiefel. Genau wie unsere anderen Lederprodukte benötigen sie die richtige Pflege um uns lange Freude zu bereiten.
Als Erstes sollte der Stiefel gründlich gereinigt werden. Ich benutze dafür die Effax Leder-Creme-Seife oder den Tack Cleaner von Carr& Day& Martin. Beide sind einfach aufzutragen und reinigen sehr gründlich. Bei beiden benötigt man kein Wasser, was dem Leder bei dauerhafter und ständiger Nutzung schadet.

Ganz wichtig danach ist eine hochwertige Lederpflege. Hier nutze ich das Effax Leder-Balsam, den Tack Conditioner von Carr& Day& Martin oder das altbewährte Stübben Hamanol. Der Reißverschluss muss, wie das Leder, gepflegt werden. Regelmäßiges säubern um den Schmutz herauszuholen, hilft den Reißverschluss lange zu erhalten. Spanner helfen ebenfalls bei der Langlebigkeit des Stiefels und des Reißverschlusses. Die Stiefel setzten sich nicht so stark und bilden weniger Falten. Der Reißverschluss wird immer wieder gerade, so können die Zähnchen des weiterhin perfekt ineinandergreifen. Wenn diese Stiefelroutine einmal in den normalen Ablauf integriert ist, sind es nur ein paar Minuten Zeit und ihr habt lange was von euren schönen Stiefeln.

Wie ihr am liebsten eure Stiefel mögt, müsst ihr natürlich selber entscheiden. Wenn ihr euch nicht sicher seit, geht am besten in ein gutes Reitsportgeschäft, dem ihr vertraut. Dort werdet ihr vernünftig beraten und könnt Stiefel anprobieren. Wer seine Reitstiefel wirklich jeden Tag an hat, sollte nicht am falschen Ende sparen. Ein wirklich guter Reitstiefel ist in der Anschaffung natürlich deutlich teurer. Hier ist es ratsam zu sparen und einen Reitstiefel eines altbewährten Stiefelherstellers zu kaufen.

Solltet ihr euren Stiefel nicht so regelmäßig gebrauchen, tut es natürlich auch ein etwas günstigeres Model. Das Reitsportgeschäft eures Vertrauens kann euch garantiert gut beraten und den richtigen Stiefel verkaufen.
Ich persönlich reite am liebsten mit Reitstiefeln. Das Bein kommt einfach besser zum Liegen und unterstützt so meinen Sitz. Reitstiefel sind und bleiben das Nonplusultra im Reitsport.

Nun sind wir auf eure Erfahrungen und Meinungen gespannt…Womit reitet ihr am liebsten? Und gibt es z.B. absolute Dressurreiter unter uns, die aber lieber einen Springstiefel tragen?
Ganz zum Schluss habe ich noch ein paar Fotos für euch von Petrie Reitstiefeln, die wir für unsere Kunden nach Wunsch zusammen stellen. Wir arbeiten mit der Firma Petrie seit 6 Jahren zusammen und sind begeistert von der Qualität, den Kreationen und dem Service!

Viel Spaß … Eure Tanita

Sie ist das Herz von Horseland, mit viel Liebe und vor allem jahrelangen Erfahrung führt sie erfolgreich ihr Reitsportgeschäft. Sie selbst reitet seit 23 Jahren, besitzt zwei Pferde, um die sie sich, neben zwei Katzen und ihrer geliebten Jill, einer Straßenhündin – die sie aus dem Tierheim gerettet hat – fürsorglich kümmert. Ihre Devise lautet: „Erst das Pferd, dann der Reiter“
Posts published: 253

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Schnapp' Dir unseren kostenlosen Guide!

"Die 10 häufigsten Fehler beim Springreiten und wie DU sie vermeiden kannst"

We respect your privacy.
Suchen

Copyrights © 2017 PFERDEWIESE. All Rights Reserved. Design: kathrinpyplatz.com