Die Winterarbeit mit dem Pferd

In unserem Blogartikel  „Saisonabschluss – Nach der Turniersaison ist vor der Turniersaison“ vom 06.10.16 sind wir mit auf die Winterarbeit eingegangen. Viele arbeiten auf ein neues Ziel hin. Oft ist die Winterarbeit sehr eintönig, oder man will unbedingt über den Winter das gesetzte Ziel erreichen. Ein neues Problem kann entstehen: Langeweile oder verbissenes Üben der selben Lektionen.

Für die meisten Turnierreiter ist die Turniersaision rum und man möchte nächstes Jahr eine Klasse höher starten. Aber man sollte sich nicht tagtäglich in  der Halle an den selben Lektionen festbeißen, da hat kein Pferd Spaß dran!  Auch im Winter sollte sich jeder mal Zeit nehmen, um auch mit seinem Pferd wieder Spaß zu haben. Mit diesem Beitrag wollen wir ein paar Ideen aufschreiben, um den tristen Winter „bunter“ zu gestalten.

 

 

Longenarbeit

Ich muss ehrlich sagen; ich selber bin kein Longier-Fan. Dennoch zwinge ich mich, ers trecht im Winter, mein Pferd regelmäßig zu longieren. Während der Turniersaison ist es oft so, dass ich vor dem Turnier lieber noch mal reite. So überprüfe ich, ob mein Pferd wirklich locker ist oder lasse noch mal „Dampf ab“ mit ein paar kleinen Sprüngen, gerade vor einem Stil-Springen.
Dabei bin ich jedes Mal wieder überrascht, wie gut meinem Pferd das Longieren tut.

 

img_0019

Selbst beim Longieren kann jeder viel Abwechslung reinbringen. Ich baue sehr gerne Cavalettis und Stangen mit ein. Cavalettis baue ich so, dass ich im Trab und Galopp die Möglichkeit habe drüber zu longieren. Dasselbe gilt für Stangen. Auf einer gebogenen Linie können die Stangen wie ein Fächer gelegt werden. So kann in zwei oder drei Gangarten darüber gearbeitet werden, je weiter nach innen das Pferd kommt, umso kleiner die Gangart. Im Schritt lasse ich meine Stute auch gerne über Trab- oder Galoppstangen gehen. Das schult ihre Aufmerksamkeit und sie muss sich mal Strecken oder kürzer Treten.
Wie ihr am liebsten longiert und wie oft, müsst ihr auf euch und euer Pferd abstimmen. Ich longiere zwischendurch gerne mal nur mit einem Kappzaum um Abwechslung reinzubringen und um an der Biegung zu arbeiten. Seitdem ich zwischendurch mit dem Kappzaum longiere, lässt mein Pferd sich besser fallen. Damit hatten wir häufig ein Problem, den Weg in die Tiefe zu finden. Wenn ihr mehr über das Thema Kappzaum wissen wollt, könnt ihr unseren Blogartikel „Warum mit Kappzaum longieren?“ lesen.
Doppellonge bringt zusätzliche Abwechslung in das Wintertraining und eröffnet euch völlig neue Wege der Longenarbeit. Mehr zum Thema Doppellonge haben wir in dem Artigel „Warum Doppellonge?“ für euch.

 

Stangen- und Cavallettiarbeit

Genau wie an der Longe baue ich viele Stangen und Cavalettis in die Dressurarbeit mit ein. Das kann wirklich JEDES Pferd. Solltet ihr selber Angst haben, ist das nicht schlimm. Tastet euch mit einer Freundin oder eurem Trainer ganz langsam heran. Selbst eine Stange kann schon zur Gymnastizierung beitragen. Es ist auch nicht schlimm, wenn euer Pferd es nicht kennt. Nach und nach lernt ihr und euer Pferd dazu und ihr findet zusammen Spaß daran.
Bei der Stangenarbeit könnt ihr eurer Kreativität freien Lauf lassen. Um euch heranzutasten könnt Ihr euch mitten in die Halle ein Qadrat aus 3-Meter-Stangen legen. Der Vorteil hierbei ist, ihr könnt im Schritt, Trab und Galopp drüber reiten. Egal ob Pony oder Großpferd. Nutzt das Stangen-Viereck völlig aus. Reitet über die Ecken eine kleine Volte. Hierbei wird die Aufmerksamkeit eures Pferde gefordert, auf der gebogenen Linie über die Stangen zu traben. Auch geradeaus könnt ihr gut über eine Ecke traben. Durch die ganze Bahn wechseln geht hervorragend von Ecke zu Ecke. Überall kann es eingebaut werden. Im Galopp ist es nun wie ein In-Out. Viele Möglichkeiten bieten sich an. Da meine Stute Probleme mit fliegenden Wechseln hat, reite ich über die Stangen ganz viel aus dem Zirkel wechseln. Das schöne an dem Stangen-Quadrat ist, dass es immer weiter ausgebaut werden kann. Legt euch noch eine Stange davor und dahinter oder quer eine Stange rein. Probiert viel aus, so kommt viel Abwechslung in eure (Dressur-) Arbeit. Scheut euch nicht mal quer über eine Stange zu reiten. Ihr müsst nicht perfekt drüber reiten.
Wenn ihr bestimmte Lektionen reiten möchtet, gibt es auch viele Möglichkeiten Stangen oder Cavalettis mit einzubauen. Um zum Beispiel die Galoppsprünge zu verkürzen oder um an der Versammlung zu üben, legt die Stangen dichter aneinander. Zum Verlängern der Galoppsrünge legt sie weiter auseinander. Ganz toll als Übung könnt ihr erst Galoppstangen dichter zusammen legen, dann weiter auseinander und dann wieder dichter zusammen. Auch andersherum ist es ein klasse Übung für Spring- und Dressurreiter.
Das selbe kann mit Cavalettis gemacht werden. Baut auf was euch gefällt aber immer pro Pferd und durchdacht. Mehrere In-Outs hintereinander, einzelne auf gebogener Linie, abwechselnde Höhen… es gibt so viele Möglichkeiten. Sehr gerne baue ich auf gebogener Linie 3 Cavalettis als In-Out, wobei das in der Mitte höher ist als die beiden anderen. Durch die unterschiedlichen Höhen muss das Pferd extra aufpassen. Im Springtraining kann dieses auch mit einem Sprung in der Mitte gebaut werden.
Ihr solltet nur langsam anfangen und euch und euer Pferd nicht überfordern. Stangen- sowie Cavalettiarbeit ist anstrengend für Kopf und Körper von Pferd und Reiter.

 

Springtraining

Zum Springtraining zähle ich auch gerne Gymnastikreihen oder In-Out-Reihen. Wenn diese klein gebaut sind, können das auch Dressurpferde, Freizeitpferde und auch kleine Ponys. Reihen finde ich gerade in der Winterarbeit perfekt, um an seinen Schwachpunkten zu Arbeiten. In kleineren Hallen lassen sich nicht so gute Parcourse bauen wie auf dem Springplatz. Reihen bieten eine gute alternative. Hier könnt ihr die Reihe so bauen, dass ihr gezielt an euren Problemen und an eurem Sitz arbeiten könnt. Wenn ihr nächste Saison gerne eine Klasse höher starten wollt, könnt ihr euch so langsam an die Höhe gewöhnen. Durch den gleichmäßigen Rhythmus einer Reihe könnt ihr an eurem Sitz feilen. Ich lehne gerne meinen Oberkörper zu weit nach vorne über dem Sprung, in einer Reihe kann ich mich sehr gut darauf konzentrieren. Zusätzlich übe ich auch, meinen Oberkörper vor und nach dem Sprung  mehr zurück zunehmen. Meine Stute hat einen ziemlich großen Galoppsprung, so dass Kombinationen und Distanzen häufig eng für uns werden. Wir beide profitieren von Reihen.
Baut auch ruhig mal ein paar Sprünge, die ihr so nicht auf einem Turnier finden würdet. Ich habe schon mal nur bunte Sachen gebaut. Zwei blaue Tonnen nebeneinander, Dualaktivierungsgassen als Mauer, Cavalettiklötze als Sprung. Mein Pferd und ich hatten wirklich Spaß. Es ist mal etwas ganz anderes und auch bei glotzigen Pferden als Training gut. Meine fand das Vorbeilaufen viel schlimmer als das drüber springen.
Sprünge direkt aus einer engen Wendung oder auch mal schief anreiten, kann besonders gut im Winter geübt werden. Fangt ruhig klein an, die Höhe kommt dann ganz von alleine. Schaut euch dazu mal ein paar Videos im Internet von Vielseitigkeitsreitern an. Bei denen kommen öfters solche Dinge vor.
Freispringen gehört für mich besonders bei der Winterarbeit auch zum Springtraining. Dem Pferd, egal ob jung oder alt, tut es gut. Wer hierzu Inspirationen, Infos und Ideen braucht wir fündig in unserem zweiteiligen Blogthema „Freispringen“.

Spiel, Spaß und Ausreiten

Im Winter kann jeder sich einen Tag in der Woche Zeit nehmen, um etwas völlig anderes mit seinem Partner Pferd zu machen. Habt ihr schon mal versucht mit einem Gymnastikball Fußball mit eurem Pferd zu spielen? Wenn nein, probiert es aus! Bringt eurem Pferd im Spaß kleine Kunststücke bei oder nehmt euch Zeit für einen ausführlichen Beauty-Tag für euer Pferd. img_0053

Auch Turnierpferd haben Spaß an so etwas. Oder wie wäre es wieder ohne Sattel zu reiten? Als Kind, mit Pony haben wir das ständig gemacht und sehr viel Spaß dabei gehabt. Durch mehr Training ist es immer weniger geworden. Zeit es einfach mal wieder zu machen.
Ausreiten im Winter ist kalt, dafür aber wenn man warm eingepackt ist, wunderschön. Eine Schrittrunde durch den Schnee an einem sonnigen Tag werdet ihr zusammen genießen. Oder eine flotte Runde mit den Stallkollegen über das Stoppelfeld. Selbst im Gelände kann man schöne Dressurübungen reiten. Mit dem Thema haben wir uns hier bereits befasst http://pferdewiese.com/dressurreiten-im-gelaende/ 

img_0184

Gerade in der Winterpause sollte man sich und dem Pferd keinen Druck und Stress machen. Genießt ein paar freie Tage und lasst die Seele baumeln. Ihr werdet merken, danach klappt oft alles wieder viel besser und leichter.

Ich freu mich dieses Jahr auf den Winter und die kommenden kalten Tage. Was macht ihr in der Winterpause? Wir freuen uns über andere Ideen und eure Antworten 😉 

Die fröhliche Turniereiterin Tanita Schwerdt ist seit August 2015 dabei. Im Stall aufgewachsen, weiß sie genau was benötigt wird. Egal ob für Pferd oder Reiter. Sie bringt jeden Tag gute Laune mit und ist für alle Aufgaben schnell zu begeistern.
Posts published: 25

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Copyrights © 2017 PFERDEWIESE. All Rights Reserved. Design: kathrinpyplatz.com