Die Gerte; kein Strafstock sondern ein Zauberstab

Es gibt sie in zig Ausführungen, Farben und Designs; kurz, lang, als Dressur- oder Springgerte, leicht, schwer, schwingend, starr und und und…… Fast jeder ist schon mal damit geritten oder hat sie einmal in der Hand gehabt. Aber viele Fragen sich so oft, welche Gerte nehme ich für welchen Zweck, wann ist einen kurze und wann eine längere geeignet. Eine Reitgerte, auch Reitstock genannt, ist zwischen 50 und 130 cm lang und wird als Reithilfe in allen Reitbereichen verwendet. Früher wurde der Kern der Gerten aus Hölzern wie Haselnussruten, Rattan, Flechten oder Weidenstäben gefertigt, in heutiger Zeit kommt vornehmlich leichter und stabiler Fiberglasstab oder mittlerweile sehr leichter Carbon zum Einsatz.

Durch eine entsprechende Ummantelung des einen Endes wird ein etwa handbreiter Griff geformt, der dann in einen langen Stab – zwischen 25 und 120 cm lang – übergeht. Am Griff befindet sich manchmal noch eine Handschlaufe aus Leder oder Kunststoff, damit die Gerte weniger leicht verloren geht. Früher war die Handschlaufe gängig, heute sieht man sie immer weniger und meistens nur noch bei Kindern. Gerten mit Handschlaufen sind nicht immer empfehlenswert, weil sie ein zusätzliches Verletzungsrisiko darstellen.

Da ein Reiter meist schon nach kurzer Zeit lernt, wie er trotz Zügel seine Gerte sicher hält, ist eine Handschlaufe eigentlich unnötig. Wer dennoch unbedingt eine Handschlaufe möchte, sollte unbedingt auf eine Sollbruchstelle achten, dass im Falle eines Sturzes oder wenn die Handschlaufe versehentlich irgendwo hängen bleibt, die Handschlaufe vor dem Handgelenk nachgibt. Als Abschluss (Ende der Gerte) werden sowohl kleine versteifte Schnüre eingesetzt (mit Busch am Ende), was der auch bei Peitschen üblichen Knallschnur entspricht, oder sie enden in einer breiten Lasche, die aus einem Stück Leder oder Kunststoff besteht.

Stock und Griffe werden entweder mit Kunststoff ummantelt oder mit Leder überzogen (meistens bei Springgerten oder sehr hochwertigen Gerten). Springreiter benutzen kürzere Gerten, Dressurreiter längere. Mit der Gerte kann der Reiter seine treibenden Hilfen unterstützen. Auf Turnieren sind Gerten nur bis zu einer bestimmten Länge erlaubt.

Laut LPO darf in der Dressur die Gerte 120cm, im Springen bis 75cm sein. Der Reiter kann die Gerte an verschiedenen Stellen des Pferdekörpers einsetzen. Die normale Position für den Gerteneinsatz ist die Flanke des Pferdes, möglichst nahe der Stelle, an der auch der Unterschenkel zur treibenden Hilfe benutzt wird. Bei jungen Pferden treibt der Reiter auch oft mit der Gerte vorne an der Schulter. Zur Verbesserung der Hankenbeugung kann die Gerte bei der Arbeit an der Hand, bzw. vom Boden aus, von einem geübten Ausbilder auch auf der Kruppe des Pferdes eingesetzt werden.

Die Dressurgerte
Da Dressurgerten länger sind als andere, muss man bei ihnen vor allem darauf achten, das Material nicht zu weich zu wählen. Ist die Gerte zu weich, schwingt sie zu stark mit und kann das Pferd unbeabsichtigt berühren. Damit wird das Pferd gegen die Gertenhilfe abgestumpft oder reagiert unvermittelt auf die vermeidliche Hilfe. Gerade, wenn der Reiter nicht darauf gefasst ist, kann das vor allem bei sehr temperamentvollen Pferden, äußerst unangenehm werden.

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Dressurgerte „DeLuxe“ von Waldhausen

Die richtige Elastizität einer Dressurgerte findet man am ehesten heraus, wenn man die Gerte am Handgriff in die Hand nimmt und einige Male hin und her bewegt. Schwingt das Gertenende sehr stark, ist die Gerte zu weich. Ideal ist es, wenn die Spitze etwa 20-30 cm ausschlägt.

Man kann dann mit einer leichten Bewegung des Handgelenks die richtige Gertenhilfe geben und die Gerte ist dennoch fest genug, dass sich die Gertenspitze in den höheren Gangarten nicht selbstständig macht. Farblich erlaubt ist, was gefällt. Allerdings empfiehlt es sich, auf Turnieren eine schwarze Gerte zu benutzen.

Grelle Farben sind nicht gerne gesehen und weiße Gerten fallen beim Einsatz sehr auf und könnten die Richter eventuell zur Abwertung veranlassen. Jeder sollte in einem Fachgeschäft eine Gerte selber in die Hand nehmen und gucken, welcher Griff und welche Gerte ihm am Besten „in der Hand“ liegt. Eine Dressurgerte wird nicht ganz am oberen Ende angefasst, sondern etwas näher an ihrem Schwerpunkt. Dabei zeigt ihr unteres Ende schräg über den Oberschenkel des Reiters abwärts. Ohne mit der Hand im Maul zu stören, wird das Pferd dicht hinter dem Unterschenkel touchiert.

Die Dressurgerte kann auch an der Schulter touchieren, um die verwahrenden oder seitwärts treibenden Hilfen zu unterstützen. Der Einsatz der Gerte ist zweckmäßig bei wenig gerittenen Pferden, um die treibende Einwirkung von Gewicht und Schenkeln zu unterstützen sowie bei weiter ausgebildeten Pferden, die nicht genügend auf den Schenkeldruck reagieren. Der dosierte und richtige Einsatz der Gerte erfordert sehr viel Feinfühligkeit des Reiters. Ein kurzes, präzises Auffordern ist dabei sinnvoller als ein ständiges, abstumpfendes Antippen. Pferde sollten mit Respekt, aber ohne Angst auf die Gertenhilfe reagieren.

Niemals darf der Reiter sein Pferd mit der Gerte schlagen. Das Anlegen der Gerte sollte genauso im Bewegungsrhythmus erfolgen wie auch der vortreibende Schenkeldruck. Zur Unterstützung der besonders bei Reitanfängern noch nicht gefestigten Hilfengebung empfiehlt sich eine Gerte von 1,00 bis 1,10 Metern Länge. Sie darf nicht zu weich sein, damit sie nicht schon durch die Bewegung des Pferdes ständig im Takt wippt und den Pferdekörper ungewollt berührt. Auf der anderen Seite soll die Gerte natürlich so elastisch sein, dass sie bereits bei kleinsten Bewegungen der sie tragenden Hand gezielt eingesetzt werden kann.

Die Springgerte
Springgerten sind generell kurz und haben eine Klatsche am Ende, die meist aus Leder oder Kunstleder besteht. Mit dieser kann man dem Pferd zum Zeitpunkt des gewünschten Absprungs einen kleinen Klaps verpassen. Das durch die Klatsche entstehende Geräusch setzt einen zusätzlichen Reiz. Je kleiner die Klatsche, desto leiser das entstehende Geräusch. Wichtig: Sehr sensible Pferde reagieren auf das Klatschen oft sehr heftig. In diesem Fall sollte die Klatsche nur klein gewählt werden oder ganz weg bleiben.

Es empfiehlt sich, eine kürzere Gerte zu wählen, da der Klaps sowieso nur an der Schulter ausgeführt wird. An Farbe und Form ist erlaubt, was gefällt. Es gibt sogar Springgerten, deren Klatsche einer kleinen Hand nachempfunden ist. Zum Springtraining sollte man die gleiche Gerte benutzen wie sie immer beim Springen, also auch später in einem eventuellen Turnier, zum Einsatz kommt.

Das Pferd kennt so das typische Klatschen „seiner“ Springgerte genau und reagiert präziser, die Gefahr, dass das Pferd vor einem neuen, ungewohnten Geräusch erschrickt, weil man im Turnier eine andere Gerte benutzt, ist so ausgeschlossen.

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Springgerte von Waldhausen

Rennsport
Jockeys im Rennsport benutzen Gerten mit einem kurzen Griff sowie kurzem Körper, dafür aber mit längerem Schlag.

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Galopprennen Gerten

Geländereiten
Die meisten Reiter benutzen im Gelände einer kürzere Dressurgerte (80 – 100 cm). Damit ist die Gefahr, ein anderes Pferd versehentlich zu berühren, deutlich geringer als beim Reiten mit einer Turniergerte. Sie dienen als Treibmittel oder wenn das Pferd mal nicht irgendwo vorbei möchte als leichtes Druckmittel. Einem gut ausgebildetem und geländesicherem Pferd reicht es meistens, wenn die Gerte als Hilfsmittel und Schenkelverstärkung nur an der Flanke angelegt wird.

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Reitgerte Waldhausen

Eine Gerte darf niemals gegen das Pferd verwendet werden, sondern als Hilfsmittel zur Hilfegebung. Leider sieht man zu oft in den Hallen und auf den Turnierplätzen den Missbrauch der Reitgerte, als Meinungsverstärker oder Druckinstrument…. 

Sie ist das Herz von Horseland, mit viel Liebe und vor allem jahrelangen Erfahrung führt sie erfolgreich ihr Reitsportgeschäft. Sie selbst reitet seit 23 Jahren, besitzt zwei Pferde, um die sie sich, neben zwei Katzen und ihrer geliebten Jill, einer Straßenhündin – die sie aus dem Tierheim gerettet hat – fürsorglich kümmert. Ihre Devise lautet: „Erst das Pferd, dann der Reiter“
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2 comments

  1. Sigi sagt:

    Hallo,
    bitte mal die Rechtschreibung und Zeichensetzung überprüfen. Sonst ein sehr schöner Artikel.

    Viele Grüße

    1. Marika Moga sagt:

      Hallo Sigi,

      danke das du uns auf unsere Fehler aufmerksam machst. Im Eifer geht das leider manchmal unter. Es freut uns dass dir unser Artikel gefällt.

      Liebe Grüße vom Horseland-Team

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