Der TT (Turnier-Trottel)

Wenn wir alle ehrlich sind, würden wir ohne Begleitung zum Turnier ziemlich „alt“ aussehen. Egal ob es Familie, Freunde oder Stallkollegen sind, ohne sie würde nichts laufen. Diesen Blogeintrag möchte ich gerne den „armen“ Menschen widmen, die immer und immer wieder mit uns zum Turnier fahren. Ob sie nun wollen oder nicht. 😉 


TT – Turnier-Trottel 

 

Hört sich im ersten Moment sehr hart an, für die TT´s ist es das auch. Sie begleiten uns oft zu den unmöglichsten Zeiten zum Turnier. Nicht zu vergessen, dass sie vor dem eigentlichen Turniergeschehen schon brav mit am Stall geholfen haben das Pferd auf Hochglanz zu polieren und gegebenenfalls auch noch eingeflochten haben … und das nicht selten um 4 Uhr morgens.

Die besten TT´s sind sehr schwer zu bekommen. Sie nehmen dem Reiter wirklich alles ab. Vom Pferd Fertigmachen, Sattel/Trense/Stiefel putzen, Anhänger anhängen, Aufladen bis zum Abhaken an der Meldestelle. Im besten Fall noch den Reiter und sein Pferd zum Turnier fahren. Vor Ort kennt dieser TT sich bestens aus. Er weiß genau wo sich die Meldestelle, Abreitplätze und Prüfungsplätze befinden. Beim Fertigmachen des Pferdes ist er genauso fleißig, damit ja kein Fleck auf die weiße Reithose kommt. Den Schnaps oder Sekt hat dieser einmalige TT auch schon zur Hand um den aufgeregten Reiter zu beruhigen. So bleibt dem Reiter nur noch das Reiten selbst, das übernimmt der TT dann doch nicht.

Aber wenn wir ehrlich sind, ist dieses Exemplar des TT´s sehr selten, ungefähr so wie Einhörner. Wir müssen uns häufig mit weniger perfekter Begleitung abfinden.

Mich begleitet oft meine Schwester Katinka. Früher ist sie selber geritten, heute begleitet sie mich nur noch zu den Turnieren und selten mal zum Stall um das Pferd zu putzen. 😉 
Ich bin wirklich froh dass sie mitkommt aber sie ist auch ein tolles Beispiel für einen nicht ganz so motivierten TT. 🙂 
Das soll natürlich nicht heißen, dass sie nichts macht. Ohne sie wäre ich schon häufig aufgeschmissen gewesen. Unsere erste Turniersaison war sehr lehrreich. Katinka liebt es lange zu schlafen… Wenn es dann heißt, wir müssen um 10 Uhr am Stall sein (was ja nicht gerade zeitig ist) um das Pferd fertig zumachen ist meistens ihre Antwort:“Was? So früh schon?“

Wenn sie dann sogar pünktlich mit mir zum Stall fährt, kommt das erste Hindernis für sie. Anhänger anhängen … Zu zweit meistens nicht schwer, doch alleine wird es manchmal zu einer Herausforderung. Sie ist felsenfest davon überzeugt, dass sie da nicht mithelfen kann. Also bleibt Katinka dann im Auto sitzen. Für mich heißt das bestimmt 3 mal Aus- und Einsteigen (wenn es gut läuft) um Anzuhängen. Weiter geht es damit Sattel, Trense, Stiefel und den benötigten Rest einzuladen. Während ich mindestens zweimal zum Anhänger laufe, belohnt sie schonmal im voraus das Pferd für die „Arbeit“.

Zu meinem Pferd Evita (mehr zu Evita im Blog vom 03. März 2016) muss ich sagen, dass sie was das Führen, Putzen und den Umgang mit ihr angeht, absolut kinder- und anfängertauglich ist. Wenn Katinka einen guten Tag hat, holt sie Evita schonmal aus der Box und bindet sie zum Putzen an. Wohlgemerkt an einem guten Tag. Während ich mit Einflechten anfange, kommt es sogar vor, dass sie mir schonmal die Kopfnummern einstellt und putzt. Oft steht sie aber nur daneben. Dann reicht sie mir wenigstens die niemals reißenden Einflechtgummis.

Beim Aufladen ist sie manchmal schon ein bisschen hilfreicher und nach einer kleinen Erinnerung machte sie auch die Stange hinter dem Pferd zu. Im Auto gelten nun ihre „Gesetze“, ihre Musik muss gespielt werden, sie hilft mir ja schließlich. Ihr fragt euch wobei? …genau! In diesem Momenten frage ich mich das auch immer wieder. Auf der Fahrt zum Turnier kommt dann immer die Frage auf: „Zu welchem Turnier geht es überhaupt?“ Vereinsnamen merkt Katinka sich nicht, sondern eher Dinge, die ihrer Meinung nach das letzte Mal vor Ort interessant und einprägsam waren. Zum Beispiel so : „Da wo es das leckere Eis gibt“, „das Turnier wo ich so weit laufen musste“ oder „ach das, wo du letztes Jahr so schlecht geritten bist?“

Auf dem Turniergelände folgt sie mir dann ohne Meckern zur Meldestelle, egal wie weit der Weg ist. 😉 Am Anhänger zurück hilft sie dann wirklich mal. Getrenst wird im Anhänger, dabei klettere ich dann mit meiner (noch) weißen Reithose hinein (ein guter TT würde das gar nicht zulassen). Das Abladen klappt immer ohne Probleme. Katinka schafft es, ohne dass ich es sagen muss, die Klappe aufzumachen und die Stange heraus zu nehmen. Während ich sattle, befestigt sie ordnungsgemäß alle Gamaschen an den Beinen ( ja, sie kann viel wenn sie möchte 😛 ). Das nächste Katinka-Highlight folgt nach dieser wirklich guten Hilfe wieder schnell. Sie soll bitte mein Jacket mit zum Abreiteplatz nehmen…“Was? Warum das denn? Kannst du das nicht direkt anziehen?“

Ja kann ich, aber ich reite einfach lieber ohne. In diesen Momenten denke ich gerne an andere TT´s und wie sehr sie sich freuen würden nur ein Jacket zu tragen. Die richtig guten TT´s sind für alle Fälle gewappnet: weiße Bandagen mit Unterlegkissen für die eventuelle Platzierung, eine große Tasche mit Haftspray, Putzschwamm für die Stiefel, etwas um das Pferd noch mal überzubürsten, oben erwähnten Sekt (kalt natürlich), andere Gerten, Notarzt Tasche und vieles mehr haben sie einfach immer griffbereit. Zusätzlich kommen noch die gerade abgemachten Gamaschen dazu. Okay, dass alles sieht man eher auf den Dressurplätzen, aber ich könnte sie auch viel mehr tragen lassen als nur mein Jacket.

Das Auto und den Anhänger macht Katinka allerdings immer zu, während ich schon zum Abreiteplatz reite. Sie bringt dann sogar das Jacket mit. Zum Abspringen auf den Platz folgt sie mir allerdings dann wieder nicht mehr. „Ich lass mich doch nicht über den Haufen reiten!“ Sooo schlimm ist es nun auch nicht beim Abspringen auf dem Platz. Wenn sie dann nicht beim Springen hilft, behält sie aber wirklich den Überblick, wann ich starten muss. Da ist sie besser als jeder Tafeldienst. Pünktlich kann ich dann mein Jacket anziehen, einen letzten Sprung machen und in Ruhe zum Springplatz reiten. Das ist auf jeden Fall sehr viel Wert!

Wenn ihr Handy es zulässt, filmt sie sogar jeden Ritt. Leider hatten wir es aber schon öfter das ihr Speicher voll war, bevor ich überhaupt den ersten Sprung angeritten bin.
Beim Wegbringen des Pferdes nach der Prüfung ist sie wieder hilfsbereit. Schnell holt sie das Halfter und macht Sattel & Gamaschen ab. Wenn es nach Hause geht, wird sie schnell. 😀 Sollte eine zweite Prüfung anstehen, beginnt das gleiche Spiel von vorn. Aus Prinzip wird die Frage mit dem Jacket direkt wieder gestellt, sowie auf jedem weiteren Turnier. Könnte ja sein, dass ich es doch mal direkt anziehe wenn sie oft genug fragt.

Wenn dann wirklich alles vorbei ist und sie (wie das Pferd) eine Belohnung bekommt (ein Eis oder Pommes reicht da meistens schon) ist sie auch mit allem zufrieden.

Selbst wenn sie nicht immer hilfreich ist, bin ich wirklich froh das meine Schwester mich immer wieder begleitet. Sie bringt nichts aus der Ruhe, weder ein durchgerissener Zügel und die Suche nach einem Ersatz, noch zwei Prüfungen die gleichzeitig laufen und Umsatteln erfordern. Wir haben immer Spaß auf den Turnieren und das ist etwas, was wir alle nie vergessen sollten; für den größten Teil von uns ist es ein Hobby und da sollte Spaß auf jeden Fall dabei sein.

Hier kommt noch ein großes DANKE an all die Menschen, die uns unterstützen, helfen und begleiten. Ohne das wäre unser Sport wohl nicht das, was er ist. 😉

Die fröhliche Turniereiterin Tanita Schwerdt ist seit August 2015 dabei. Im Stall aufgewachsen, weiß sie genau was benötigt wird. Egal ob für Pferd oder Reiter. Sie bringt jeden Tag gute Laune mit und ist für alle Aufgaben schnell zu begeistern.
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2 comments

  1. Achim H. sagt:

    Sehr schöner Text. Wenn ich dies so lese, kommen mir die Tränen. Teils vor Lachen, Teils aus Trauer. Ich war auch immer der TT. Und es hat mir Spaß gemacht. Morgens um 4:00 Uhr aufstehen und frühstücken, um 5:00 Uhr in den Stall fahren und alles herrichten und Pferd verladen, sodass wir um 6:00 Uhr losfahren konnten, damit wir zwischen 7:00 und 7:30 Uhr am Turnierstall waren. Die erste Springprüfung startete dann um 8:00 Uhr. Und das Ganze immer Sonntags. Aber ganz ehrlich: Ich habe das für meine Tochter immer sehr gerne gemacht. Leider bin ich heute kein ‚TT‘ mehr, da wir uns entschieden, mit der Stute meiner Tochter keine Turniere mehr zu gehen. Aber ganz ehrlich: Ich vermisse die Zeit schon ein bissel. 😉

    1. Marika Moga sagt:

      Lieber Achim, danke für dein Feedback. Hhhm, so wie es sich anhört warst DU ein perfekter und toller TT! … aber genieße die Zeit des Ausschlafens, und wer weiß… …vielleicht wirst du doch bald wieder als TT gebraucht. Manchmal geht es schneller als man denkt. Und Turniere kannst du ja trotzdem besuchen und das Nichtstun genießen 😉
      LG Marika

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