Das Vormustern – wie ging das nochmal?

In unserem heutigen Blogartikel beschäftigen wir uns mit dem Vormustern. Häufiger, als wir alle denken wird man damit konfrontiert. Für alle die Vielseitigkeitsprüfungen reiten ist es kein Neuland. Da gehört es bei den meisten Prüfungen dazu.

Hier spricht man aber oft auch von der Verfassungsprüfung. Ebenso bei den Reitpferdeprüfungen, da ist es ebenfalls ein fester Bestandteil der Prüfung.

Aber wie muster ich korrekt vor? Als ich noch junge Pferde hatte, habe ich mir diese Frage öfters gestellt. Und ich denke dass dass es vielen so geht…. …Daher bringen wir heute Licht ins Dunkle.

Wann wird Vorgemustert?

Vormustern muss jeder, der an einer kombinierten Prüfung oder einem Wettbewerb teilnimmt. Dazu gehören manche Manschaftsprüfungen und die Vielseitigkeitsprüfungen. Wer an einer Reitpferdeprüfung (ausgeschrieben nach LPO) teilnimmt, muss ebenfalls nach der Prüfung Vormustern. Als eigenständigen WBO-Wettbewerb ist das Vormustern ebenfalls zu finden. Bei manchen Abzeichenprüfungen wird ebenfalls das Vormustern an der Hand gefordert ( z.B. RA5, RA6, Basispass). Wer mehr über die Abzeichen erfahren möchte, wird in unserem Blogartikel über die neuen Abzeichen fündig. Wichtig ist nur, dass jeder sich in der Ausschreibung schon vorab informiert und schaut was beim Vormustern gefordert wird. Manchmal weicht die Ausschreibung vom Standard ab. 

Die Arten des Vormusterns

Kurz gesagt gibt es nur zwei Arten beim Vormustern.
Zum einen ist es das Vormustern/ Führen auf einer geraden Linie.
Das andere ist das Vormustern/ Führen auf der Dreiecksbahn. Das Führen auf der Dreiecksbahn sieht man meistens auf den Fohlen- und Stutenschauen.
Vormustern auf der geraden Linie hingegen ist gegenwärtig in den Reitpferdeprüfungen, in manchen kombinierten Manschaftsprüfungen (auch Vielseitigkeit, die Note fließt mit in das Gesamtergebnis ein) und der Vielseitigkeit als Verfassung. 

Was wird Angezogen?

Getragen wird immer das, was gefordert ist, laut Ausschreibung. So wird bei einer Teilprüfung oder einer eigenständigen Prüfung oft das korrekte Turnieroutfit getragen. Wer mehr über die Turnierbekleidung erfahren möchte, wird in unserem Blog vom 03. Dezember „Die Ausrüstung des Reiters“ im letzten Abschnitt fündig. Sporen sind nicht erlaubt, Handschuhe sind jedoch Pflicht. In WBO Prüfungen reichen häufig zweckmäßige Kleidung, Handschuhe und geschlossene Schuhe.
Bei der Verfassungsprüfung wird nicht die Turnierkleidung vorgeschrieben. Wie auf unserem Titelbild zu sehen ist, sollte man dennoch ordentlich und sauber gekleidet sein.

Das Pferd vorbereiten

Das Pferd sollte ordentlich eingeflochten sein. Der Schweif muss gepflegt sein, ebenso der Fesselbehang. Die Hufe müssen korrekt vom Schmied gemacht sein. Sauber sollten die Hufe aber nicht frisch eingefettet sein. Das Fell des Pferdes sollte ebenfalls sauber und glänzend sein. 
Vorgeführt wird das Pferd nur mit Trense und beidseitig angebrachten Kopfnummern. Auch hier sollte alles korrekt verschnallt und sauber sein. 

Bei einer Reitpferdeprüfung wird direkt im Anschluss an den Ritt das Pferd an der Hand vorgeführt. Dafür wird der Sattel abgenommen. Hier sollte man z.B. noch einmal mit einem weichen Lappen über das Fell gehen. 

Zügelhaltung beim Vormustern

Geführt wird auf der linken Seite, mit den Zügeln in der rechten Hand. Gefasst wird der Zügel ca. 3 Handbreit hinter den Gebissringen.

Dies ist natürlich je nach Pferd und Vorführer leicht variabel. Geteilt durch den Zeigefinger oder den Zeige- und Mittelfinger, liegt der Zügel in der Hand. Das Ende des Zügels wird doppelt gelegt und liegt ebenfalls in der Hand. Der Daumen hält es mit. 

Beim Aufstellen (und vor das Pferd treten) übernimmt die linke Hand den rechten Zügel. Der linke Zügel und das Zügelende bleiben in der rechten Hand. Beim Umfassen und Vortreten kann gegebenenfalls schon das Hinstellen vom Pferd korrigiert werden. 

Offenes Aufstellen

Offen hingestellt wird immer vor den Richtern. Oft markiert eine Stange die Position zum Hinstellen. Wichtig hierbei ist, dass alle 4 Pferdebeine zu sehen sind. Sollte das Pferd nicht direkt so stehen, kann es beim Umfassen der Zügel nach vorne hin korrigiert werden. Die beiden Beine (links), die dem Richter zugewandt sind, stehen somit sehr weit auseinander. So entsteht die Möglichkeit, dass die beiden Beine der rechten Seite zu sehen sind, wenn sie dicht beieinander stehen. Der Vorführer sollte circa einen halben Meter vom Pferdekopf entfernt stehen. Hierbei sollten die Zügel leicht durchhängen. Das Pferd soll sich ohne Anlehnung an den Zügel, in Selbsthaltung, zeigen. 

Bei den Reitpferdeprüfungen können die Richter so das Gebäude des Pferdes bewerten. Dies ist ebenfalls ein Teil der Bewertung des jungen Reitpferdes.

Wenn Pferd und Vorführer korrekt stehen, müsst Ihr euren eigenen Namen und den eures Pferdes nennen. Hier gibt es öfters Abweichungen. Oft wird die Abstammung und das Alter des Pferdes aufgesagt. Wichtig ist, dass ihr euch vorher genau informiert was alles gefordert ist. Häufig steht es in der Prüfungsausschreibung, welche Informationen ihr Vortragen müsst.
Nach Aufforderung der Richter wechselt ihr wieder in die Führposition.

Führen in der Bewegung

Führen auf gerader Linie
Bei dem Führen auf der geraden Linie gibt es zwei Markierungen. An der ersten Markierung wird angetrabt, hierbei sollte euer Pferd fleißig mit euch lostraben. Sollte dies nicht der Fall sein, dürft ihr eine Gerte zum Touchieren bei euch tragen. Mit dieser könnt ihr euer Pferd leicht berühren. Die Gerte wird in der linken Hand gehalten und nur euer Arm darf bewegt werden. Der Oberkörper sollte nicht mitgedreht werden. Am zweiten Punkt wird wieder durchpariert zum Schritt. Hierbei solltet ihr dadrauf achten, dass ihr nicht viel am Zügel parieren müsst. In der Wendung könnt ihr eure linke Hand Richtung Pferdeauge bewegen als optische Barriere für das Pferd.

An der zweiten Markierung, an der ihr nach der Wendung vorbei müsst, wird wieder angetrabt. Die erste Markierung dient nun als Punkt für einen Übergang zum Schritt. An der Stange wird das Pferd wieder offen aufgestellt. Wieder so, dass die Beine, die zu den Richtern stehen, offen sind. Nach dem Zeichen der Richter dürft ihr das Vormustern beenden. 

Führen auf der Dreiecksbahn
Wie der Name schon sagt, ist die Form für das Vormustern in einem Dreieck angelegt. Wie schon bei dem Führen auf gerader Linie, wird das Pferd offen aufgestellt. Nach dem Okay der Richter wird die erste Seite des Dreiecks im Schritt zurück gelegt. Mit beenden der Wendung zur zweiten Seite wird getrabt. Durchgetrabt wird bis kurz vor der Wendung der dritten Seite. Ab hier wird wieder im Schritt geführt. Damit die Richter beide Seiten des Pferdes begutachten können, wird an den Richtern vorbeigeführt und an einem Wendepunkt gewendet. Wieder vor den Richtern angekommen, wird das Pferd offen aufgestellt. Nach dem Zeichen der Richter darf das Vormustern beendet werden. 

Was wird bewertet?

Bewertet wird, wie ihr das Pferd möglichst harmonisch und korrekt an der Hand vorstellt. Der Führende sollte möglichst effektive aber unauffällige Körperhaltung und Körpersprache zeigen. Die Stimme und die Zügelhilfen sollten ganz dezent sein, am besten so wenig wie möglich machen um das Pferd nicht zu behindern. Die Zügel müssen korrekt aufgenommen werden. Während des Führens sollte der Zügel leicht durchhängen. Das Pferd muss sich sicher offen hinstellen. Hierbei solltet ihr immer nach vorne korrigieren, wenn euer Pferd nicht direkt richtig steht. Rückwärts ist nicht erwünscht und nur in Ausnahmefällen erlaubt. Die Distanz zwischen Pferd und Vorführer sollte beständig sein. Ein auf die „Pelle“ rücken ist ein Nachteil und wird nicht gerne gesehen!  Die richtige Führpostion (zwischen Pferdekopf und Pferdeschulter) sollte erst beim offen aufstellen verlassen werden.

Beim Aufstellen sollte man möglichst gezielte Schritte machen und ca. 0,5m vom Pferdekopf weg stehen. Hierbei ist es wichtig, dass die Zügel richtig umgefasst werden. Der Schritt des Pferdes muss fleißig sein, ihr und eurer Pferd solltet gerade auf einer Linie laufen. In der Wendung könnt ihr natürlich das Tempo anpassen. Um in den Trab oder auch wieder in den Schritt zu wechseln, solltet ihr wieder möglichst wenig Einwirkung benötigen. Harmonische Übergänge sind den Richtern wichtig. Ebenfalls solltet ihr bedenken, dass es genauso wie in der Dressur, alles am richtigen Punkt ausgeführt wird. Wer Probleme mit der Wendung hat, kann seine linke Hand Richtung Pferdeauge heben, als optische Abgrenzung. Auch hier sollte der Abstand zwischen Pferd und Vorführer bestehen bleiben.

Verfassungsprüfung

Wie oben schon erwähnt, kommt die Verfassungsprüfung in der Vielseitigkeit vor. Vor der ersten Prüfung müssen die Pferde, die starten wollen, vorgetrabt werden. Dies wird genauso wie das eigentlich Vormustern gemacht. Hierbei sind die Kleidungsvorschriften nicht so streng. Wichtig sind zweckmäßige und ordentliche Kleidung. Hier wird nicht das korrekte Vormustern bewertet, sondern ob das Pferd Fit für die anstehenden Aufgaben ist. Nach dem Geländeritt muss das Pferd meistens wiederholt vorgestellt werden, vor dem anschließenden Springen. So wird dafür gesorgt, dass kein verletztes oder eben nicht fittes Pferd weiter geritten wird.

Vor sehr großen Turnieren, wie zum Beispiel bei der Olympiade, müssen auch die Pferde aus allen anderen Spaten die Verfassungsprüfung bestehen. Sonst dürfen sie nicht teilnehmen.

Wer richtig und korrekt Vormustern möchte, kommt ums Üben nicht drumherum. Selbst wenn das Pferd keine Turniere geht, finde ich es sehr wichtig, dass es sich vernünftig an der Hand vortraben lässt. Wenn unser Pferd mal klamm geht oder sogar lahm ist, müssen wir es auch dem Tierarzt vortraben und dabei sollte jedes Pferd fleißig mittrabt. Leider sieht man da zu oft grausames. Viele Pferde kennen es nicht brav neben dem Besitzer zu traben…

Wer Probleme mit dem Antraben hat, kann sich einen Stallkollegen dazu holen. Dieser kann zu mit der Gerte von hinten (seitlich hinten! bitte nie direkt hinter das Pferd stellen) etwas nachhelfen beim Antraben. Nach und nach werdet ihr sehen dass es besser klappt. 

Viel Spaß beim Vormustern und bis zum nächsten Mal  😆 
Liebe Grüße
Tanita

Die fröhliche Turniereiterin Tanita Schwerdt ist seit August 2015 dabei. Im Stall aufgewachsen, weiß sie genau was benötigt wird. Egal ob für Pferd oder Reiter. Sie bringt jeden Tag gute Laune mit und ist für alle Aufgaben schnell zu begeistern.
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